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Episode 15

30. 8. 2024

Wilhelm der Eroberer

Verwandter meiner Mutter

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
Zum besseren Verständnis der Zusatznamen der einzelnen Persönlichkeiten ist es hier besonders wichtig, dafür eine einheitliche Form zu finden. Es gibt diese Alias-Namen in Englisch, Französisch, Deutsch und anderen Sprachen. Es gibt sie mit 'The', 'the', 'le', 'von', 'der' u.a.m., es gibt sie mit ohne Anführungszeichen. Hier sollen womöglich deutsche Namen, deutsche Präfixe und keine Anführungszeichen gelten, um einem Tohuwabohu zuvorzukommen.
Erna Biechl geb. Berger
Gottfried Berger
Adelais d'Ardennes de Lorraine de Troyes
Adele de Meaux de Vermandois
Ermengarde d'Anjou
Judith de Bretagne
Robert I The Magnificent
William The Conqueror
*1905; †1969
*1871; †1921
*926-955; †991

*930-938; †975

*952; †992
*982; †1017
*1000; †1035
*1027; †1087
meine Mutter
mein Großvater
meine 30-fache Urgroßmutter
ihre Schwester

ihre Tochter
ihre Tochter
ihr Sohn
sein Sohn
Auf genealogischen Internet-Plattformen tauscht man sich bei hstorischen Personen aus, besonders dann, wenn sie durch den Bezug auf sich selbst wichtig sind.
Mich erreicht die Frage: „In how far are you connected with William I. The Conqueror, king of England?"
William I
Offensichtlich ist die junge Frau, von der ich kontaktiert werde, deshalb stutzig geworden, weil sie sich nicht vorstellen kann, wieso und vor allem wie ich als „gemeiner" Österreicher mit Königen aus England, französischen Ursprungs, verbunden sein kann.
Ich frage mich zwar selber, vertraue aber meinen jahrelangen intensiven Forschungen, begonnen im Jahr 2008. Dabei sammelte ich mehrere tausend Personen als Mitglieder meines Stammbaums. Ich bin mir also sicher, dass das Resultat stimmt, erinnere mich aber nicht an Details. Um mir die in Erinnerung zu rufen, gibt es heute viele genealogischen Internet-Plattformen, die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen einem selber und der Zielperson aufschlüsseln.
Was ich also in jahrelanger mühevoller Arbeit, beginnend mit meinen Eltern, herausfand, kann ich jetzt auf Knopfdruck in ein/zwei Minuten samt der Art der Verwandtschaft zwischen den einzelnen Gliedern dieser Kette abrufen:
Berger z Bergu
Lausitzer Adel in Mähren
1515 - 1692
Drnovsky z Drnovic
Mährischer Adel
1340 - 1617
z Zástřizl
Mährischer Adel
1340 - 1663
Kunštátu a Deblina
Adel in Znaim
1220 - 1567
z Hradce - von Neuhaus
Adel in Znaim
1160 - 1633

Plain-Hardegg
Adel in NÖ
1145 - 1939
Peilstein
Adel in NÖ
1090 - 1207
Ballenstedt
Adel von Sachsen Anhalt
790 - 1740
van Leuven
belgischer Adel
830 - 1083
de Lorraine
Adel in Lothringen
840 - 1780
Bretagne
Adel in Frankreich
914 - 1120
Normandy
Adel in Frankreich
942 - 1087
„Wilhelm der Eroberer, erhabener König von England, ich habe Dich schon vor langer Zeit auf der Suche nach den Vorfahren meiner Mutter gefunden. Ich sehe das als großen Erfolg und möchte mehr von Dir wissen."
„Lieber Egon, endlich redet jemand mit mir so nonchalant. Frag mich nur!"
„Was kannst Du mir von Deinem Privatleben erzählen?"
„Da mich meine Mutter Herleva nicht in ihrer Ehe mit Harlevin, sondern illegitim mit dem Herzog der Normandie, Robert dem Prächtigen, zur Welt brachte, nennt man mich hinter meinem Rücken immer noch The Bastard."
„War nicht auch Deine Hochzeit mit Matilda von Flandern beeinträchtigt?"
„Ja, 1049 war diese unsere Ehe mit ihrem Vater, Baldwin V. von Flandern, vereinbart, aber Papst Leo IX verbot sie im Konzil von Reims. Trotzdem heirateten wir Anfang der 50-er Jahre ohne Sanktionen des Papstes."
„Warum gabst Du Dich nicht als Herzog der Normandie, der Du seit 1035 warst, zufrieden?"
„Harte Kämpfe in diesem illegitimen Zustand prägen. Erst 1060 kann ich mich endgültig gegen meine Widersacher durchsetzen. Ich will so viel Macht ausüben wie möglich. Als der kinderlose König Eduard der Bekenner Edward aus dem Hause Wessex stirbt, kämpfe ich fest entschlossen gegen seinen Nachfolger und gewinne 1066 in der Schlacht bei Hastings. Seither bin nicht nur Herzog der Normandie, sondern auch König jenes Teils von England, der Wessex zustand."
Das Reich Williams ist in rosa gekennzeichnet.
Detail aus der Schlacht bei Hastings 1066.
William war persönlich dabei.
„Lieber Wilhelm, hast Du keine Angst, dass das Reich unter Deinen Söhnen Robert, Willhelm, Richard und Heinrich (die 5 Töchter werden ohnehin nur Prinzessinnen oder Gräfinnen, eine von ihnen Äbtissin) aufgeteilt wird?"
„Selbstverständlich, die bekämpfen sich jetzt schon auf Teufel komm raus. Der älteste Sohn Robert, der sich offensichtlich machtlos fühlt, wird von den jüngeren, insbesondere Wilhelm, auch mit Intrigen und Waffen bekämpft. Sie haben eben viel von meinem Blut in sich. Ehrlich gesagt - hinter mir die Sintflut!
Es macht mich zwar etwas nachdenklich, aber meine Verdienste bleiben bestehen. Um England habe ich mich sehr bemüht. Gezählte 19 Mal zog ich von der Normandie nach England und retour. Ich ließ viele Schösser bauen, darunter den ‚Tower of London' und den ‚White Tower'. Außerdem habe ich unser Reich mit einer Landbesitz-Steuer, genannt ‚Danegeld', gegen die Forderungen bei den Wikinger-Streifzügen geschützt. Ein Detail am Rande: Auch für den Klimaschutz habe ich etwas getan, ich habe 36 Pfarreien entvölkert, um sie in Wald umzuwandeln, schließlich muss ich auch irgendwo jagen können!"
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/William_the_Conqueror
Reaktion:
Antal: Danke, spannend. Natürlich ist in irgendeinem Sinne fast jeder mit fast jeder historischen Person verwandt, trotzdem faszinierend, daß die Datenbanken das herausfinden können. Auf welcher Plattform ist Dir das gelungen, und hast Du einfach Egon Biechl und Wilhelm der Eroberer eingegeben, oder waren dafür doch jede Menge Personen, die Du in Deiner privaten Familiengeschichte schon drin hattest, als Eingabe notwendig ?
Egon: Durch klassische Ahnenforschung in persönlichen und standesbezogenen Unterlagen sowie kirchlichen Matriken (Einführung der Tauf- und Heiratsbücher im Jahr 1563, der Sterbebücher 1614) schuf ich die Basis für meine genealogische Spurensuche. Als Nachfahre eines seit langem erloschenen Adelsgeschlechts konnte ich auf verschiedenen Internetplattformen (es gibt deren viele) mehrere tausend Daten in jahrzehntelangen Ermittlungen begutachten und in Wikipedia oder ähnlichen Medien gegenprüfen. Finden, anordnen und kennzeichnen musste ich die Zweige selber.
Erst seit relativ kurzer Zeit gibt es die Möglichkeit, sich anhand der selbst gesammelten Daten den Weg von Egon Biechl bis zu Wilhelm dem Eroberer in Minutenschnelle anzeigen zu lassen. Nur bei Weltstammbäumen (auch hier gibt es mehrere) kann man zusätzlich zu den eigenen Recherchen jene anderer Genealogen, denen man freilich genausowenig wie den eigenen immer trauen kann, miteinbeziehen.
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