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Episode 52

6.6.2025

Prunk und Elend

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich, obwohl manchmal nicht zu 100 % erreicht. Die genealogischen Unterlagen sammle ich intensiv seit 2008, die allgemeinen historischen Tatsachen recherchiere ich von Woche zu Woche. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser diese Geschichten interessant finden.
Ulrich von Neuhaus I *1222; †1292 - mein 20-facher Urgroßvater
Edward VII von Sachsen–Coburg and Gotha König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, König der Dominions und Kaiser von Indien
*1841; †1910 - sein 16.facher Urgroßenkel
George V König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland (ab 12. April 1927 Nordirland), König der britischen Dominions sowie Kaiser von Indien
*1865; †1936 - sein 17-facher Urgroßenkel
George VI König von UK, Oberhaupt des Commonwealth und Kaiser von Indien *1865; †1936 - sein 18-facher Urgroßenkel
Elizabeth II Königin von UK and Oberhaupt des Commonwealth *1926; †2022 - seine 19-fache Urgroßenkelin
Charles III von Battenberg, König von UK *1948 - sein 20-facher Urgroßenkel
Legende für Farben:
Böhmen, England, besondere Merkmale
Fortsetzung der Episode 51
König Georg V
„König George V, was machten Sie, als Ihr Vater Edward VII starb?“
„In der Westminster Abbey wurde ich traditionell zum König gekrönt. Dann aber war ich der Erste, der nicht aus der Ferne, sondern direkt in Kalkutta die Krone des Kaisers von British-Indien* erhielt. Ich war es auch, der die indische Hauptstadt von Kalkutta nach Dehli verlegte. Ich baute aber auch die Briefmarkensammlung unseres Königshauses auf, die zu den größten und weltweit wertvollsten gehört. Dafür kaufte ich von überall Raritäten der Philatelie. Bei der Versteigerung der seltensten Briefmarke der Welt allerdings, der British Guiana 1¢ magenta, wurde ich überboten."
*) Britisch-Indien entstand nach der Niederschlagung der Indischen Rebellion von 1857, als die Britische Ostindien-Kompanie in eine Kronkolonie umgewandelt wurde. Britisch-Indien umfasste nicht nur das Areal der derzeitigen Republik Indien (gegründet 1947), sondern auch die Gebiete der heutigen Staaten Pakistan, Bangladesch, Bhutan, Myanmar und Teile von Kaschmir (aktuell unter der Kontrolle der Volksrepublik China).
„Wie war das für Sie beim Ersten Weltkrieg?“
„Zunächst versuchte ich zu vermitteln, dann aber, als die Deutschen an der Seite von Österreich-Ungarn Russland bedrohten und Belgien angriffen, trat der Bündnisvertrag »Triple Entente« zwischen Russland, Frankreich und unserem Herrschaftsgebiet in Kraft und ich musste meinem Cousin Ludwig II den Krieg erklären.
Was gegenüber den Schrecklichkeiten des Weltkriegs als Banalität wahrgenommen wird, meine Hüftverletzunng beim Sturz vom Pferd, beeinträchtigt mich seither immer.“
Nach deutschen Luftangriffen auf London verstärkte sich 1917 der innenpolitische Druck auf George V, seinen deutsch klingenden Namen »Saxe-Coburg and Gotha« in »Windsor« zu ändern. Er verzichtete auf sämtliche deutschen Namensrechte und Titel. Demonstrativ ließ er auch die deutschen Banner in Windsor Castle entfernen. In derselben Absicht änderte sein Cousin den Namen »Battenberg« in die anglisierte Form »Mountbatten«.

Rechts: eine Karikatur dieser Vorgänge.
König George V, der am Lebensende das Bett nicht mehr verlassen konnte, starb 1936 auf seinem Landsitz. Georges Leibarzt schrieb in seinem 1986 veröffentlichten Tagebuch, er habe den unvermeidlich gewordenen Tod seines Patienten durch aktive Sterbehilfe um einige Stunden beschleunigt, indem er ihm eine Mischung aus Kokain und Morphium in eine Halsvene injizierte. Er habe die Würde des Monarchen in seiner Agoniephase schützen wollen, indem er ihm einen langen Todeskampf vor den Augen der im Sterbezimmer Anwesenden ersparte. Außerdem habe er erreichen wollen, dass der Tod früh genug eintrat, um in der Morgenausgabe der Times (die er als die wichtigste und würdigste Zeitung des Landes ansah) bekanntgegeben werden zu können. Bei einem späteren Todeszeitpunkt hätte die Öffentlichkeit durch die Boulevard-Abendzeitungen von seinem Tod erfahren.
Der König hatte zuvor verfügt, dass seine geliebte Yacht ihm in den Tod folgen sollte. Sie wurde tatsächlich von einem Kriegsschiff der Royal Navy versenkt.
König Georg VI
„His Majesty, George VI, König des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland und der Dominions, Oberhaupt des British Commonwealth of Nations sowie letzter Kaiser von Indien, wieso waren Sie Zweite Wahl in dieser Position?“
„Wieso traust Du Dich, so ein Wort überhaupt in den Mund zu nehmen? Ich bin der zweitälteste Sohn von Edward VII. Mein älterer Bruder Edward VIII musste 1936 nach nur 326 Tagen als König abdanken, weil er nicht nur eine zweifach geschiedene Amerikanerin gegen die Gebote der anglikanischen Kirche heiraten wollte, sondern auch mit den Nationalsozialisten sympatisierte. Es ist also logisch. dass ich übernahm.“
„Mit wem vermählten Sie sich als Prinz Albert?“
„Es war die schottische Adlige Lady Elizabeth Bowes-Lyon, obwohl sie per Hausgesetz der Windsors als Bürgerliche galt und obwohl ich drei Anläufe brauchte.“
„Als König von England hatten Sie offensichtlich in ihrer Regierungszeit von 1936 bis 1952 eine der schwersten Zeiten des Königreichs zu überstehen.“
„Richtig, Das Ansehen der Monarchie war durch diese Abdankungskrise schwer beschädigt. Zudem steuerte Europa wegen der aggressiven Aufrüstungspolitik des nationalsozialistischen Deutschen Reichs einem neuen Krieg zu. Als konstitutioneller Monarch musste ich die Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik) von Premierminister Neville Chamberlain unterstützen und zulassen, dass er als Retter des Friedens gefeiert wird.“
Vier britische Könige: George V, Eduard VIII, George VI und Eduard VII um 1908 (vlnr.)
„Sie aber haben Ihre Fühler in die andere Richtung ausgestreckt, nach Amerika!“
„Als König von Kanada ist das mein gutes Recht, wenn nicht sogar meine Pflicht. Ich nützte meinen Aufenthalt im nordamerikanischen Kontinent aber auch dazu, die Isolationismus-Bestrebungen der Amerikaner zu verringern und sie als Bündnispartner in einem möglichen Konflikt mit dem Deutschen Reich zu gewinnen. Zu diesem Zweck traf ich mich mit US-Präsident Franklin D. Roosevelt im Weißen Haus.“
„Die Gründe für König Charles III, 2025 Ähnliches zu tun, sind ganz andere. Sie sind als Unterstützung der Unabhängigkeit Kanadas von den USA gedacht.“
„Also haben die konstituionellen Monarchen auch zu Deiner Zeit noch etwas zu sagen!“
Am 3. September 1939 erklärten Frankreich – wegen eines Beistandsvertrags mit den angegriffenen Polen – und Großbritannien samt den Dominions, dem Deutschen Reich den Krieg. Allerdings waren die Deutschen haushoch überlegen und siegten am 4. Juni 1940 in der Schlacht von Dünkirchen. Knapp davor waren in der »Operation Dynamo« in nur 10 Tagen 200.000 Soldaten, also 85% der englischen Armee und 140.000 Franzosen per Schiff nach England evakuiert worden. Diese bis dahin größte Rettungsaktion der Weltgeschichte bildete die Grundlage für das Durchhaltevermögen Großbritanniens, denn der Verlust fast der gesamten britischen Berufsarmee hätte zu dieser Zeit nicht kompensiert werden können. Die Franzosen aber mussten bereits im Juni 1940 einen Waffenstillstand mit Hitler schließen.
Zweiter Waffenstillstand von Compiègne mit Frankreich 1940 im Wagen des Ersten Waffenstillstands von Compiègne 1918 (vlnr.) Joachim von Ribbentrop, Wilhelm Keitel, Hermann Göring, Rudolf Hess, Adolf Hitler, (Erich Raeder), Walther von Brauchitsch
Die Commonwealth-Premierminister-Konferenz 1944. (vlnr.) W. L. Mackenzie King (Kanada), Jan Christiaan Smuts (Südafrikanische Union), Winston Churchill (Vereinigtes Königreich), Peter Fraser (Neuseeland), John Curtin (Australien)
„Der Zweite Weltkrieg fällt voll in Ihre Regierungszeit. Wie war das für Sie?“
„Wir kämpften weiter und gingen durch die größtmöglichen Entbehrungen (z.B. Lebensmittelrationen), die wir, Angehörige des Königshofs, mit der Bevölkerung teilten. Ich war zwar nominell Oberbefehlshaber der Streitkräfte, durfte mich jedoch nur meinen Repräsentationspflichten widmen. Als nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 eine jubelnde Menschenmenge vor dem Buckingham Palace »We want the King!« skandierte, befand ich mich auf dem Höhepunkt meiner Popularität.“
Nach dem Tod von King George VI kam Queen Elizabeth II 1953 an die Regierung. Nach ihrem Tod war es King Charles III.
Die Herrscher des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland + 14 Commonwealth Realms
Queen Elisabeth II, von 1952 bis 2022 und King Charles III ab 2022
Quellen: Myheritage, Geni, Wikipedia
Reaktion zu Episode 51 - »Tradition verpflichtet «
Antal: Du brichst in Deiner Recherche einen Rekord – ich habe noch nie ein Foto mit so vielen regierenden Könign auf einmal gesehen !
Da sind ja die heutigen Fotos, etwa bei den Ministerpräsidenten-Treffen des Europäischen Rats, nachgerade fad….
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Egon Biechl Privat