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Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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Gottfried Johann Berger *1871; †1921 - mein Großvater
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Leopold III, der Heilige, Markgraf von Österreich *1073; †1136 - mein 25-f. Urgroßvater
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Agnes Salier-Waiblingen *1072; †1142 - meine 25-fache Urgroßmutter
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Konrad III, Salier, König von Italien *1074; †1101 - ihr Bruder
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Heinrich V, Salier, röm. deutscher Kaiser *1081; †1125 - sein Bruder
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Heinrich IV, Salier, röm. deutscher Kaiser *1050; †1106 - mein 26-facher Urgroßvater
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Agnes von Pitou *1025; †1077 - Frau von Heinrich III - meine 27-fache Urgroßmutter
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Heinrich III, Salier, röm. deutscher Kaiser *1016; †1056 - mein 27-facher Urgroßvater
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Legende für Farben: Osteuropäer Germanen Österreicher
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Heinrich III, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (HRR) vom fränkischen Stamm der Salier, bekommt drei Mädchen von Agnes von Pitou, aber erst 1050 nach siebenjähriger Ehe „endlich“ Heinrich als Thronfolger. Schon 1053 fordert er die „Großen“ (Bayern, Schwaben, Sachsen) auf, dem Zweijährigen als Mitkönig Treue zu schwören. 1056 stirbt der 40-jährige Heinrich III. Somit wird der Kleine zu Heinrich IV und de facto zum römisch-deutschen (HRR) König. Bis zu seiner Volljährigkeit führt Mutter Agnes die Geschäfte, allerdings wird sie vor allem von reformorientierten Geistlichen kritisiiert, weil sie 1061 das Papstschisma (auf zwei Päpste) verursacht. Sie verweigert nämlich dem von den Kardinälen gewählten Papst Alexander II die Anerkennung und ernennt Honorius II zum Gegenpapst. Da ihr diese Entscheidung bald Schuldgefühle verursacht, zieht sie noch im selben Jahr die königlichen Gewänder aus und „nimmt den Schleier“.
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„Kaiser Heinrich IV, da Du mein 26-facher Urgroßvater bist, traue ich mich, Dir ein paar Fragen zu stellen.“
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„Egon, weißt Du, mit wem Du sprichst? Viele haben mein Temperament zu spüren bekommen. Ich war grausam, musste es sein. Auch meine Verwandtschaft mit Dir überzeugt mich nicht! Dafür ist sie viel zu entfernt! Für mich waren nie die Menschen maßgeblich, sondern nur Institutionen wie Kirche und Herrschaftsgebiete.“
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„Warum ist das so? Dir waren doch so viele Bürgerinnen und Bürger untertan!“
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Heiliges Römisches Reich um 1000
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„Du darfst nicht vergessen, dass ich ein Spielball für verschiedene Fürsten war, hatte mich doch schon der Erzbischof Anno von Köln als 11-Jährigen mit einem Schiff aus der Obhut meiner Mutter und damals noch Kaiserin Agnes nach Lothringen entführen lassen. Als ich dann mit 16 Jahren die Regierung übenahm, zwangen mich die Fürsten, Bertha von Turin, mit der ich als Sechsjähriger verlobt worden war, zu heiraten. Ich wollte sie loswerden und vergatterte daher einen Jugendlichen, mit ihr Ehebruch, bei dem ich zuschauen wollte, zu begehen.
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Sie durchschaute mich aber und ließ mich mit Stuhlbeinen und Stöcken peinigen, sodass ich ein Monat lang das Bett hüten musste. Weil ich weder Ehebruch noch zu nahe Verwandtschaft, also Inzucht vorbringen konnte, aber nicht mehr mit ihr leben wollte, warfen mir die mächtigen Fürsten sexuelle Ausschweifungen vor und festigten so ihre Macht mir gegenüber. Kann ich mich da um das Wohlergehen meiner Untertanen kümmern?
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Als ich zu Beginn meiner Herrschaft die ‘Schwertleite', den Ritterschlag, bekam, setzte ich mich gegen die einzelnen, vor allem die sächsischen Fürsten zur Wehr, indem ich in Sachsen Burgen bauen ließ. Das nahmen mir diese ungemein übel und zwangen mich zu den Sachsenkriegen in den Jahren 1073 bis 1075. Nach meinen Siegen gegen die sächsischen Fürsten, die ich strenger als üblich bestrafte, zeigte ich vor allem in Italien meine Stärke und traf Entscheidungen nur im eigenen Interesse. Das beanstandete Papst Gregor VII, woraufhin ich ihn beim Hoftag in Worms im Jänner 1076 bei seinem Taufnamen Hildebrand (nicht Gregor) nannte und absetzte. Ein Monat später wurde ich von Papst Gregor VII exkommuniziert. Dieser Bann - verkündete man - hätte den gesamten Erdkreis erschüttert.“
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„Dem folgte der Gang nach Canossa, nicht?"
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„Ja, das alles spielte sich zur Zeit des Investuturstreits gegen die Einsetzung der Bischöfe und Äbte durch weltliche Herren ab. Ich klagte die süddeutschen Fürsten von Bayern, Schwaben und Kärnten des Hochverrats an. Das verzieh man mir nicht. So musste ich, um meine Macht wieder zurückzuerhalten, geschickt den taktischen Schachzug anwenden, Buße zu zeigen und mich Gregor VII zu unterwerfen. Da meine Gegner die Alpenpässe besetzt hatten, musste ich das mit einem Umweg über Burgund machen.“
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- Annalen von Lampert von Hersfeld zu Canossa:
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„Hier nun mußten die Männer alle Gefahr mit ihren Kräften zu überwinden ſuchen, und bald auf Händen und Füßen kriechend, bald auf die Schultern ihrer Führer ſich ſtützend, bisweilen auch, wenn ihr Fuß auf dem ſchlüpfrigen Boden ausglitt, fallend und weit fortrollend, langten ſie doch endlich mit großer Lebensgefahr in der Ebene an.“
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„[U]nd hier ſtand er, nach Ablegung des königlichen Schmuckes, ohne alle Zeichen königlicher Würde, keinerlei Pracht zur Schau tragend, mit entblößten Füßen, faſtend vom Morgen bis zum Abend, in Erwartung des Ausſpruches des römischen Papſtes. Dieſes that er am zweiten, dieſes am dritten Tage.“
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„Das Ereignis spielte sich im Jänner 1077, also exakt ein Jahr nach meiner Rebellion gegen Papst Gregor VII ab. Wie geschildert ließ er mich, den 27-Jährigen, Buße tun, bevor er mir gestattete, in die Burg von Canossa einzutreten. Jedoch erst nach dem Bekenntnis meiner Sünden und gegen die Zusicherung meiner Treue verzieh er mir großzügig. Ich aber boykottierte bereits das Versöhnungsmahl, indem ich nichts aß und - wie man kolportiert - nur mit meinen Fingernägeln auf der Tischplatte kratzte.
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Die oppositionellen Fürsten wollten mich trotzdem nicht mehr akzeptieren und krönten Rudolf von Schwaben zum Gegenkönig. Gregor zeigte sich zunächst unentschieden, wem er das Königreich überlassen wolle, exkommunizierte mich aber bald wieder und verschärfte das Investiturverbot. Das brachte 19 Bischöfe gegen ihn auf. 1080 setzten sie Clemens III zum Gegenpapst ein. 1084 krönte mich Clemens zum Kaiser. Aufgrund der Eskalation des Investiturverbots gegen Simonie (Handel mit kirchlichen Ämtern) und Nikolaitismus (verheiratete Kleriker) fielen weitere 13 Kardinäle von Gregor VII ab. Der floh nach Salerno und starb 1085.
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Den Rest lass Dir von meinen Söhnen erzählen!“
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Heinrich IV zwischen seinen Söhnen Heinrich V links und Konrad III rechts
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Die kommenden Jahre verliaufen zwar turbulent, aber im Sinne von Heinrich IV, bis sich seine Söhne von ihm trennen.
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„Geschätzter Onkel Heinrich V, sag mir bitte, was dann passierte."
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„1074 kam mein älterer Bruder Konrad zur Welt. 1087 wurde er nach dem Willen unseres Vaters in Aachen zu Konrad III gekrönt. 1093 jedoch stellte sich Konrad gegen ihn und ließ sich in Mailand zum König von Italien krönen. Er tat das auch deswegen, weil Papst Urban II, der gegen den kaiserlichen Gegenpapst Clemens III im Amt war, ihm versprach, ihn als Kaiser zu inthronisieren. Allerdings starb Konrad bereits 1101.
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Daraufhin wurde ich zum Erben gekürt und als König Heinrich V gekrönt. Aber 1104 distanzierte ich mich ebenfalls von meinen Vater und brach den Treueid. Ich tat das, weil ich aus dem Fehler meines Vaters, gegen die Vorstellungen des reformorientierten Adels zu handeln, gelernt hatte. Die Fürsten hatten nämlich die Verantwortung, die Macht über das Reich auszuüben, für sich reklamiert. Ich sah mich zum Aufstand gegen meinen Vater gezwungen, um dem Geschlecht der Salier die Königsherrschaft zu sichern. Mir gelang es dabei, den Babenberger Leopold III weg von meinem Vater auf meine Seite zu ziehen, indem ich ihm meine Schwester Agnes zur Frau versprach. Meinen Vater bekämpfte ich sogar militärisch, versöhnte mich zwar mit ihm, nahm ihn aber gleich danach gefangen. 1105 starb er. 1111 wurde ich von Papst Pascalis II zum Kaiser gekrönt.
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1104, also lange davor, hatte ich Mathilde von England geheiratet, bekam aber kein Kind von ihr. So werde ich - Ironie des Schicksals - der letzte Kaiser der Salier sein."
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Papst Pascalis II mit der Tiara krönt Heinrich V mit der Sphaira (links).
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Heinrichs Schwester Agnes von Waiblingen (rechts) heiratet 1106 Leopold III, den Babenberger. So wird sie zur Markgräfin von Österreich.
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Quellen: Wikipedia und „Zeitreisen“ der Wiener Zeitung 320 vom 1. Februar 2013
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