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Speckbacher, Tiroler Freiheitskämpfer
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Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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Taufmatriken für Joseph Weißnicht, Sohn von Johann „Kastn" (Hofname) Weißnicht, k.k. Salzbergarbeiter, und Elisabeth, geb. Steinacherin vom 5. Februar 1819 in Thaur,
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Vater von Maria Speckbacher geb. Weißnicht, *1849; †1931.
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Grabstein von Maria Schmiderer, der Frau von Joseph Speckbacher
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Sterbematriken vom 24. Dezember 1878 in Thaur für diesen Joseph Weißnicht, den Onkel meines Großvaters Johann Baptist Biechl, *1847; †1921
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Joseph Speckbacher aus Gnadenwald bei Thaur bringt seine Familie in der Jugend immer wieder durch Wildern, aber auch durch Schlägereien mit Forstbeamten in Schwierigkeiten. Als 27-Jähriger heiratet er nach Rinn und wird dort am Hof seiner Frau Maria Schmiderer Bauer. Bereits von allen geachtet, wird er in den örtlichen Gerichtsausschuss gewählt.
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Hier in Rinn gibt es eine Ritualmordlegende, wonach Anderl von Rinn, geboren 1459, als Dreijähriger von Juden, die sein Blut für ihre Pessachfeier zu magischen und medizinischen Zwecken brauchen, ermordet wird. Über mehrere Jahrhunderte hinweg werden nach der Sage seine Gebeine in der damaligen Wallfahrtskirche Judenstein aufgebahrt, wo sie das Ziel von Pilgern sind. 1961 beendet Papst Johannes XXIII.
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seine Verehrung als Seliger. 1994 wird offiziell festgehalten, dass es dieses Ritualmord-martyrium nie gegeben hat.
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1798 kämpft Speckbacher bei der Schlacht im Südtiroler Spinges gegen die Franzosen. Ihm steht Katharina Lanz, die Heldin von Spinges, bekannt als Jeanne d'Arc Tirols, zur Seite. Sie ist nicht wie andere Frauen als Mann verkleidet, sondern stößt als Bauernmagd mit zusammengegürtetem Unterkleid und fliegenden Haaren auf der Friedhofsmauer stehend die anstürmenden Feinde mit ihrer kräftig geführten Heugabel hinunter.
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1805, im Dritten Koalitionskrieg, triumphiert Napoleon über Österreich und zwingt Kaiser Franz den Frieden von Preßburg auf. Die Grafschaft Tirol wird dem neu geschaffenen Königreich Bayern zugeschlagen – der Lohn dafür, dass Bayern sich auf die Seite Frankreichs gestellt hatte. Fortan heißt Tirol „Südbayern". Die neuen Landesherren verordnen dem traditionellen, streng katholischen Bergland eine radikale Modernisierungskur, führen eine Verfassung ein, schaffen die Leibeigenschaft ab, stellen Katholiken, Lutheraner und Reformierte gleich, schreiben als erstes Land der Welt eine Impfpflicht gegen Pocken vor. Gleichzeitig verbieten sie traditionelle religiöse Bräuche wie die Christmette, Bittgänge und Prozessionen, lösen Klöster auf oder verkaufen sie. Als Bayern in Axams bei Thaur (also dem Heimatort von Speckbacher) beginnen, auch noch junge Männer als Rekruten für Napoleons Feldzüge zum Militärdienst einzuziehen, ist das der Funke, an dem sich der Aufstand entzündet.
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Nachdem Erzherzog Johann, der Bruder des Kaisers, zusammen mit Joseph von Hormayr, einem der Führer des Alpenbunds, Andreas Hofer nach Wien bestellt hatte, um Verschwörungspläne zu schmieden, erklärt Österreich am 9. April 1809 Frankreich und Bayern den Krieg. Am 12. April findet unter dem Kommando von Schützen-hauptmann Martin Teimer die erste Bergiselschlacht statt, die die Tiroler gegen die Bayern gewinnen. Doch bereits einen Tag später kommen bayrische und französische Truppen vom Süden über den Brennerpass zum Entsatz nach Innsbruck.
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Durch eine List Martin Teimers wird ein neuerlicher Kampf um Innsbruck verhindert. Teimer lässt eine Kapitulationsverhandlung bei Wilten anberaumen.
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Durch sein energisches Auftreten in der geliehenen Uniform eines Generalstäblers (siehe Bild daneben) kann er überzeugend behaupten, die Hilfstruppen der österreichischen Armee seien schon vor Innsbruck. Tatsächlich sind sie erst an der nördlichen Grenze bei Kufstein. Die 8000 Bayern und Franzosen kapitulieren kampf- und bedingungslos.
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Bei der zweiten Bergiselschlacht im Mai 1809 besetzt ein etwa 5.000 Mann starkes Tiroler Bauernheer unter Andreas Hofer die Berghänge südlich von Innsbruck. Josef Speckbacher rückt vom Unterinntal her mit etwa 1.000 Schützen an. Sie kämpfen gegen 5.000 Bayern.
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Die anbrechende Nacht und ein Gewitterregen verhindern eine Entscheidung. Die Bayern behaupten die Talebene, die Tiroler die Berghänge. Die Schützenführer Hofer, Haspinger und Speckbacher haben Schwierigkeiten, die Schützen auf dem Bergisel zu halten. Die Bauern wollen schnell siegen und heim aufs Feld. Doch dann trifft in Tirol die Nachricht ein, dass Napoleon in der Schlacht von Aspern bei Wien besiegt worden war. Dies ist der Grund, warum die Schützen voller Zuversicht am Morgen des 29. Mai erneut angreifen und siegen. Die bayerischen Truppen müssen den Rückzug antreten.
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In der zweiten Julihälfte marschiert eine 25.000 Mann starke Armee auf Napoleons Befehl hin von allen Seiten in Tirol ein, muss aber große Verluste hinnehmen.
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Mit seinen irregulären, aber im unwegsamen Gebirge ortskundigen Truppen fügt der tollkühne Draufgänger und hervorragende Taktiker Speckbacher den feindlichen Truppen großen Schaden zu. Anfang August besiegt er zusammen mit Peter Mayr und Joachim Haspinger die Rheinbunddivision in der Sachsenklemme. Die entscheidende dritte Bergiselschlacht wird am 13. August geschlagen. 15.000 bayrische, sächsische und französische Soldaten werden von ebenso vielen Tirolern zum Rückzug gezwungen.
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Als Speckbacher im Oktober 1809 geschlagen wird, flieht er wie viele andere Tiroler nach Wien. Dort wird er von Kaiser Franz ausgezeichnet und 1810 persönlich beauftragt, mit den Tiroler Flüchtlingen nach Südungarn zu ziehen und dort für sie eine neue Kolonie zu errichten. Im rumänischen Teil des Banatsgründet er das Dorf Tirol.
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In der 4. Bergiselschlacht im Novemer 1809 unterliegt auch Andreas Hofer, wird verraten und Anfang 1810 in Mantua erschossen.
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Noch im Jahr 1813 gibt es einen Steckbrief gegen Speckbacher: „Der berüchtigte Insurgentenchef Speckbacher, der schon im Jahre 1809 zu dem Unglück des Landes so viel beigetragen, wagt einen neuerlichen Versuch, das Volk zu einem Aufstand zu bewegen."
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Erst als 1814 Tirol wieder mit Österreich vereinigt wird, kann Speckbacher sicher nach Hall (in der Nähe von Thaur) zurückkehren, wo er als k.k. Major seinen Ruhestand verbringt.
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1820 stirbt er, 1858 wird er exhumiert und in der Hofkirche von Innsbruck neben Andreas Hofer und dem Kapuzinerpater Joachim Haspinger, „beschirmt“ von den „Schwarzen Mandern“ (siehe unten), bestattet.
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„Lieber Großvater, hast Du eigentlich Joseph Speckbacher, den Freiheitskämpfer, persönlich gekannt?"
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„Lieber Egon, nein, nicht mehr von Aug zu Aug. Ich weiß aber nicht, ob Dir bewusst ist, wie nahe wir mit ihm verwandt sind. Ich war 1869 bei der Hochzeit meiner Cousine Maria Weißnicht mit Michael Speckbacher dabei. Der ist nämlich der Großneffe vom Freiheits-kämpfer Joseph Speckbacher."
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„Und was hältst Du von seinen Mitkämpfern?"
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„Sicher kannst Du Dir vorstellen, dass unsere Familie nicht nur über Speckbacher, sondern auch über seine Mitkämpfer Andreas Hofer (links auf dem Marsch zu seiner Hinrichtung in Mantua) und Joachim Haspinger, den Hochwürden, genannt „Pater Rotbart" (oben in Aktion beim Kampf für Tirol), spricht und in Erinnerungen schwelgt."
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Ursula: Mein Vater, Jahrgang 1907, war während des gesamten Krieges eingezogen. Aus diesen Jahren kenne ich ihn nur durch die kurzen Urlaube. Einen der letzten, wohl aus 1943/44 wollte er zu seiner Einheit zurückkehren ...
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