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Meine letzten Klosterzellen
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Haben Sie den Wunsch, mehr über bestimmte Persönlichkeiten oder Themen aus der Zeit unserer Vorfahren zu erfahren? Schicken Sie mir einfach eine E-Mail – ich freue mich über jede Anregung und werde versuchen, Ihre Wünsche zu erfüllen!
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Für mich war der Aufenthalt am Mariahilfberg bei Gutenstein nur kurz. Da ich studieren wollte, mir aber der Föhn in Innsbruck meine gesundheitlichen Probleme verschärfte, wurde ich von Gutenstein nach Saluzzo im Piemont in Italien geschickt. Dort führte ich ein historisches Gespräch mit:
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Manfredo IV. del Vasto *1262; †1340 - Marchese di Saluzzo - 3-facher Urenkel meines 25-fachen Urgroßvaters , des Heiligen Leopold III. *1073; †1136 – Markgraf von Österreich (genealogisch ist Manfredo IV. mein Cousin 4. Grades, 22-fach verschoben)
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„Domine Marchio Manfrede, Ihr seid der Markgraf von Saluzzo und der Stifter des ursprünglichen Modells der Chiesa San Giovanni und des anliegenden Klosters. Als Frater Clemente Maria verbrachte ich selbst dort von 1965 bis 1966 fünfzehn Monate im Convento San Giovanni – eine Zeit, die für mich besonders bereichernd war! Als ich mit nur vier italienischen Wörtern im Gepäck – »grazie«, »prego«, »buona notte« und dem im Kloster doch eher unpassenden »signorina« – dort ankam, musste ich mir meinen italienischen Wortschatz anfangs über das Lateinische im Austausch mit den Mitbrüdern erarbeiten.
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Während des Philosophiestudiums dort durfte ich sogar eine Dunkelkammer zur Ausarbeitung von Fotos betreiben. Mein Mitbruder Fra Domenico M. Grinza gestaltete schließlich zusammen mit mir einen Kirchenführer, für den ich die Fotos und die deutsche Übersetzung bereitstellte. Durch Domenicos Recherchen weiß ich, dass Ihr die bereits um 1320 existierende Kapelle von den Zisterziensern an die Dominikaner übergeben habt.“
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„Ja, ich schuf die Voraussetzungen, dass an diesem Ort eine so bedeutende Kirche entstehen konnte. Es erfüllt mich mit Freude, dass Frater Domenico mich in Eurem Kirchenführer nicht vergessen hat.“
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Die nächste Person, mit der ich rede:
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Ludovico II. del Vasto *1438; †1504 - Marchese di Saluzzo - 10-facher Urenkel meines 24-fachen Urgroßvaters Otto I. (V.) *1117; †1183 – Herzog von Bayern (genealogisch ist Ludovico II. mein Cousin 11. Grades, 14-fach verschoben)
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„Ihr, Markgraf Ludovico II., habt das Werk Eurer Vorfahren um 1504 fertiggestellt: das gotische Kirchenschiff, die Grabkapelle und den Chorraum im spätgotischen Stil – und nicht zuletzt Eure eigene Grabstätte aus Carrara-Marmor im Stil der Frührenaissance. Eure Vorfahren liegen in der Krypta unter der Wappenplatte davor. Ihr versteht es, für Euch selber Reklame zu machen!“
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„Egon, Du darfst nicht vergessen, wie viel Mühe ich in dieses Projekt gesteckt habe und was mich das gekostet hat. Ich finde es angemessen, mir ein solches Denkmal zu setzen, und bin angenehm überrascht, dass mein Grabmal auch zu Deiner Zeit noch nahezu unverändert ist.“
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Chorsitze für uns 19 Klosterbrüder
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Damals gab es noch keine Selfies
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der Fotograf Fra Clemente rechts unten
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Beim Meditieren mit hochgezogener Kapuze verbrachten wir stundenlang fromm unsere Andacht im Chorgestühl.
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Übermütig wurden Domenico und ich erst beim Erforschen der Kirche, als uns plötzlich der verwegene Gedanke befiel, die volle Schönheit der Fresken eigenhändig mit dem Spachtel freizulegen. Wir ließen es dann doch lieber bleiben und vergnügten uns stattdessen bei manchen gemeinsamen Ausflügen.
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Unserem neuen, erstmals amerikanischen Ordensgeneral Pater Joseph Maria Loftus, der uns hier besuchte, hörten wir gespannt zu, als er stolz berichtete, dass wir weltweit insgesamt 1.750 Ordensangehörige in 247 Klöstern seien. Als er am Ende eine Zigarre anbot, war ich erwartungsgemäß der Einzige, der genussvoll zugriff.
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Seither hat sich das Gesicht des Ordens der Serviten stark verändert: Heute ist die Zahl der Mitglieder um mehr als die Hälfte auf zirka 800 gesunken. Von den Klöstern sind mit etwa 150 nur mehr drei Fünftel in den Händen der Diener Mariens. Auch geografisch gab es eine spürbare Verschiebung: Der Schwerpunkt verlagerte sich von Europa und den USA mehr nach Indien, auf die Philippinen, nach Uganda, Mosambik und in Teile Lateinamerikas.
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Das Klerikat in Saluzzo wurde schon 1966 aufgelassen und wir Jung-Kleriker zogen weiter in die piemontesische Hauptstadt Turin, genauer gesagt in den Konvent, angeschlossen an die majestätische Basilika von Superga. Genau dort suche ich ein Gespräch mit:
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Vittorio Amedeo II, di Savoia *1666; †1732 - Herzog von Savoyen und erster König von Sardinien-Piemont - 12-facher Urenkel meines 20-fachen Urgroßvaters, des Oldrich II. von Hradec *1250; †1312 – Herr von Neuhaus und Berater des böhmischen Königs (genealogisch ist Vittorio Amedeo II. mein Cousin 13. Grades, 8-fach verschoben)
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„Vittorio Amedeo, hochgeschätzter Herzog aus dem Haus Savoyen und späterer König von Sardinien, Ihr habt im Jahr 1706 gelobt, auf dem Hügel von Superga bei Turin eine Basilika zu errichten. Warum?“
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„Ich bin damals mit meinem Cousin, Prinz Eugen von Savoyen, auf diese Anhöhe gestiegen und legte das feierliche Gelübde ab, eine prachtvolle Kirche zu stiften, falls es uns gelingen sollte, die Franzosen im Spanischen Erbfolgekrieg zu besiegen. Fünf Tage später, am 7. September 1706, vertrieben wir die französische Armee nicht nur aus Turin, sondern aus dem gesamten Piemont. Für mich schuf dieser Triumph letztlich das Fundament, um im Jahr 1720 die Krone des Königreichs Sardinien zu erlangen.“
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„Wie ich weiß, habt Ihr Euch an das Gelübde gehalten: Ab 1717 ließet Ihr die Kuppe des Hügels von Superga um stolze 40 Meter abtragen, damit der geniale Filippo Juvarra darauf diese Basilika errichten konnte. Ich selbst habe Euer prachtvolles Grabdenkmal in der Königsgruft tief unter der Kirche entdeckt, als ich zwischen 1967 und 1969 auf Superga lebte und fast täglich mit meinem Gilera-Motorrad zum Studium nach Turin hinuntergefahren bin.“
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„Was? Also fast ein viertel Jahrtausend nach der Grundsteinlegung? Da bin ich wahrlich nicht nur erstaunt, sondern erfüllt von tiefem Stolz auf mein Haus und dieses bleibende Werk!“
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Hier in Superga empfing uns Pater Alfonso Montà, der gerade erst als Ordensgeneral abgedankt hatte und nun hier als Prior eingesetzt worden war. Wir bewunderten seine tiefe Demut, mit der er uns ganz ohne Allüren leitete. Er schenkte uns so großes Vertrauen, dass die strenge Klausur anfangs nicht sofort durchgesetzt wurde; wir durften in unseren Zellen nicht nur Männer, sondern auch Frauen empfangen. Einer der Besucher benützte ausgerechnet meine Zelle und meinen Habit, um sich als besonders heiligmäßig zu inszenieren.
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Was hatte ich Besseres zu tun, als auch hier wieder eine Jubiläumszeitschrift, nämlich »Superga«, ins Leben zu rufen? Sie diente zwar durchaus der geistlichen Erbauung, aber es waren vor allem die von einem Mitbruder gekonnt gezeichneten, witzigen Karikaturen, die bei jedem von uns großen Anklang fanden.
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Meine insgesamt sechzehn Klosterjahre boten mir eine sinnvolle, lehrreiche und lustvolle Zeit – und doch mündeten sie im Jahr 1969 in meinen endgültigen Abschied vom Orden der Diener Mariens.
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Antal Braunegger: Zunächst zu Caterina von Gonzaga und Ferdinand von Tirol – also was es rund um die beiden an Inzucht und Unmoral gab, geht ja auf keine Kuhhaut !
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Generell : Schön, daß Dir hier eine Kombination von Deinem eigenen Leben, Deinen Vorfahren und deren großartiger Architektur gelungen ist !
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