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Episode 83

28.8.2026

Die Founding Fathers™ & Co. Extended

Über die Seitenlinien meiner Ahnenreihe reichen die Spuren zu den restlichen US-Gründervätern – teils über Blutsverwandtschaft, in einem Fall über eine reine Schwägerschaft. Ein nüchterner Blick auf das Gesamtergebnis lohnt: Die Zahl der tatsächlich prominenten Persönlichkeiten, mit denen sich eine solche genealogische Brücke schlagen lässt, umfasst kaum einhundert Namen. Oder hängt diese Zahl nur von der jeweiligen Einschätzung der Prominenz ab?
Während der Gründerzeit zwischen den 1760er- und 1790er-Jahren gab es in Amerika die Sklaverei verschleppter Afrikaner und die Verdrängung indiger Amerikaner nach Westen. Somit stand das Streben nach Freiheit und Gleichheit im Kontrast zu den damaligen Realitäten. Politische Mitbestimmung (das Wahlrecht) war zunächst weitgehend vermögenden, weißen Männern vorbehalten; Frauen und Unfreie blieben von der politischen Teilhabe ausgeschlossen.
Die 13 Gründerstaaten der USA, die 1776 ihre Unabhängigkeit von der britischen Krone erklärten, waren:
  • Neuengland-Kolonien (Norden): New Hampshire, Massachusetts, Rhode Island, Connecticut (Fischerei, Schiffsbau, Kleinbauern)
  • Mittlere Kolonien (Zentrum): New York, New Jersey, Pennsylvania, Delaware (Handel, Getreideanbau und kulturelle Vielfalt)
  • Südliche Kolonien (Süden): Maryland, Virginia, North Carolina, South Carolina, Georgia (Großplantagen für Tabak, Reis, Baumwolle sowie Sklavenarbeit)
Otto I. von Bayern (Otto V. von Scheyern/Wittelsbach) »der Rotkopf« *1117; †1183 - ab 1180 Herzog von Bayern + Agnes von Loën *1132; †1191 – Gräfin von Breda, Herzogin von Bayern und Stellvertreterin ihres Sohnes Ludwig I. – meine 24-f. Urgroßeltern sind:
  1. auch 19-fache Urgroßeltern von Alexander Hamilton *1754; †1804 von 1789 - 1795 erster Finanzminister der USA (mein Cousin 21. Grades, 4 Gen. versetzt)
  2. auch 19-fache Urgroßeltern von Thomas Jefferson *1743; †1826 - von 1801 bis 1809 dritter amerikanischer Präsident (mein Cousin 20. Grades, 5 Gen. versetzt)
  3. auch 20-fache Urgroßeltern von James Madison *1751; †1836 - von 1809 bis 1817 – 4. amerikanischer Präsident (mein Cousin 21. Grades, 4 Gen. versetzt)
„Mr. Alexander Hamilton, Ihr kämpftet an der Seite George Washingtons im Unabhängigkeitskrieg und wirktet nach der Verfassungskommission beim Aufbau der US-Regierung mit. Was habt Ihr als erster Finanzminister des amerikanischen Staates erreicht?“
„George und ich konnten nicht alle Missstände des Amerikas unserer Zeit beseitigen. Doch wir lösten uns von der britischen Kolonialmacht und vereinten die dreizehn Kolonien zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Als erster Finanzminister organisierte ich die Übernahme der Kriegsschulden der einzelnen Bundesstaaten, gründete mit der ‚Bank of the United States‘ eine zentrale Nationalbank zur Regulierung der Geldmenge und führte den US-Dollar als einheitliche Währung ein. Diese Maßnahmen stießen zwar auf heftigen Widerstand der einzelnen Bundesstaaten, konnten jedoch durch einen historischen Kompromiss durchgesetzt werden.“
Alexander Hamilton, erster Finanzminister der Vereinigten Staaten
„Von wem wurden diese Maßnahmen bekämpft?“
„Vor allem von den Südstaaten, die ihre Kriegsschulden bereits weitgehend abbezahlt hatten und eine unfaire Bevorzugung der bevölkerungsreicheren Handelsstaaten des Nordens fürchteten. An der Spitze dieses Widerstands stand Thomas Jefferson – einer von uns, die wir 1776 die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten erklärt hatten.“
„Mr. Hamilton, warum gibt es diese Feindschaft zwischen Euch, dem ersten Finanzminister, und Thomas Jefferson, dem ersten Außenminister der Vereinigten Staaten?“
„Es geht um die Prinzipien bei der Führung unserer neugeschaffenen Nation. Jefferson träumt von einer reinen Agrargesellschaft und fürchtet jede starke Regierung als Tyrannei. Ich jedoch weiß, dass Amerika ohne Finanzen, Handel und eine starke Bundesgewalt unter den Großmächten Europas zerbrechen würde. Er kämpft für die Rechte der einzelnen Staaten – ich für die Zukunft der Vereinigten Staaten.“
„Mr. Thomas Jefferson, Ihr arbeitetet unter George Washington zunächst einträchtig mit Mr. Hamilton zusammen. Was passierte in Eurer Beziehung?“
„George Washington vertraute uns beiden als den fähigsten Köpfen des Landes. Der Respekt vor ihm und das Pflichtgefühl gegenüber der jungen Nation einten uns zunächst. Erleichtert wurde dies, weil Alexander in New York und auf den Schlachtfeldern diente, während ich als Diplomat in Paris wirkte – wir kannten uns kaum. Erst in der täglichen Kabinettsarbeit erkannten wir die Gegensätze zwischen uns. Ein letztes Mal konnten wir diesen Konflikt 1790 bei einem berühmten Kompromiss beilegen: Hamilton überzeugte seine Föderalisten, den Sitz der neuen Hauptstadt im Süden anzusiedeln – in der ‚Federal City‘ am Potomac River, die bereits 1791 nach Washington benannt wurde. Im Gegenzug nutzten James Madison und ich unseren Einfluss im Süden, um Hamiltons Finanzreform durchzusetzen. Alexander Hamilton ist außerdem – Ironie des Schicksals – über Edward III. *1312; †1377, den König von England, mein Cousin 13. Grades, um eine Generation versetzt.“
„Aber Ihr habt doch Hamilton noch 1800 Eure Wahl zum 3. Präsidenten der USA zu verdanken?“
„Ja, bei der damaligen Präsidentschaftswahl gab es einen Gleichstand im Wahl–männerkollegium zwischen Aaron Burr und mir. Obwohl Hamilton meine Politik zutiefst ablehnte, hielt er Burr für vollkommen charakterlos und gefährlich. So nutzte Hamilton seinen Einfluss auf die Föderalisten im Repräsentantenhaus und warb für mich mit den Worten: ‚Jeffersons Politik ist falsch, aber er hat Prinzipien. Burr hat keine.‘ Was dem Ganzen die Krone aufsetzt: Hamilton fiel 1804 in einem Duell mit Aaron Burr.“
Thomas Jefferson
James Madison
Aaron Burr
James Madison, enger Freund und Verbündeter von Thomas Jefferson, wurde 1809 zum 4. Präsidenten der USA gewählt. Mit nur 1,63 Meter Körpergröße ist er bis heute der kleinste Präsident der amerikanischen Geschichte. Dennoch gilt er als der wesentliche „Vater der US-Verfassung“. Er war der geistige Kopf hinter dem Virginia-Plan von 1787, mit dem er das Fundament für die Gewaltenteilung und das System der gegenseitigen Kontrolle (Checks and Balances) zwischen Präsident, Kongress und Supreme Court legte. Zusammen mit Alexander Hamilton und John Jay verfasste er 1787–1788 einen Teil der 85 in New Yorker Zeitungen veröffentlichten Aufsätze der Federalist Papers – bis heute das bedeutendste Werk der amerikanischen Staatsphilosophie. Zudem war er der Schöpfer der Bill of Rights, die den Bürgern die Rede-, Presse- und Religionsfreiheit sowie das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren garantiert. Madison war zudem Miterfinder des US-Zweiparteiensystems: Entgegen der ausdrücklichen Warnung George Washingtons in dessen Abschiedsrede gründete er in den 1790er-Jahren gemeinsam mit Thomas Jefferson die Partei der Demokratischen Republikaner als Gegenpol zu Hamiltons Föderalisten.
Hinweis zur Einordnung: Aus Jeffersons und Madisons Demokratischen Republikanern ging ab 1828 die heutige Demokratische Partei hervor. Die Föderalisten gingen hingegen als Partei unter – ihre ideologischen Erben fanden sich später vor allem in der 1854 gegründeten Republikanischen Partei wieder.
Arnulf I von Gent *951; †993 ab 988 Graf in Masaland, und bis 993 in Friesland + Luitgard von Luxemburg *955; †1005 – meine 30-fachen Urgroßeltern sind auch die 23-fachen Urgroßeltern von Benjamin Franklin, *1706; †1790 1776 einer der 5 Verfasser der Declaration of Independence (mein Cousin 24. Gr., 7 Generationen versetzt)
„Mr. Benjamin Franklin, Ihr seid der älteste unter den Gründervätern und der einzige, der alle vier zentralen Dokumente unterzeichnete, die die Vereinigten Staaten begründeten. Wie kam es dazu?“
„Es war Fügung und das Vertrauen meiner Mitstreiter. Bevor ich mich 1776 als 70-Jähriger auf die diplomatische Mission nach Paris begab, hatte ich mir bereits einen weltweiten Ruf als Verleger, Autor, Erfinder und Wissenschaftler erworben. Dieses Ansehen gab der jungen Nation in den Augen Europas sofort Gewicht. Man schätzte meine Erfahrung – und so rief man mich jedes Mal an den Verhandlungstisch, wenn das Schicksal Amerikas auf dem Spiel stand.“
„Welche Leistungen habt Ihr als Naturwissenschaftler erbracht?“
„Im Juni 1752 wies ich mit meinem berühmten Drachenversuch nach, dass Blitze keine übersinnlichen Ereignisse oder Zeichen von Götterzorn sind, sondern schlicht eine Form von Elektrizität. Aus dieser Erkenntnis heraus erfand ich den Blitzableiter, um Häuser vor dem Verbrennen zu schützen. Aber auch die Bifokalbrille für das Altersschauen und der sparsame Franklin-Kaminofen stammen aus meiner Feder.“
„Und worin besteht Euer Verdienst für den amerikanischen Staat?“
„Ich gab dieser Nation nicht nur Worte, sondern ihr Überleben. Als Botschafter in Paris gewann ich König Ludwig XVI. als militärischen und finanziellen Verbündeten – ohne französische Flotte und französisches Gold hätten wir den Unabhängigkeitskrieg gegen England kaum gewonnen. Ich bin der einzige Gründervater, der alle vier Gründungsdokumente unterzeichnete: von der Unabhängigkeitserklärung bis zur Verfassung von 1787, bei der ich als Ältester die zerstrittenen Parteien versöhnte.
Graf Arnulf I. von Masaland und Friesland – ab dem 11. Jahrhundert historiografisch als Graf von Holland geführt – ist der 23-fache Urgroßvater von Benjamin Franklin. Er übernahm von seinen Eltern das höchst wertvolle, edelsteinbesetzte Evangeliar des Stifts Egmond. Verheiratet war er mit Luitgard von Luxemburg; er starb 993 beim Versuch, die eigenwilligen friesischen Bauern zu unterwerfen. Der politische Glanz des Hauses Holland beruhte damals vor allem darauf, dass Luitgard die Schwägerin von Heinrich II. war, dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
Sogar mit dem US-Gründervater und zwischen 1789 und 1795 ersten Obersten Richter der USA, John Jay *1745; †1829, besteht eine Verbindung – wenn auch nur über eine verschlungene Schwägerschaftslinie meines Vaters: Ich bin gewissermaßen der Großcousin zweiten Grades, zweifach versetzt, der Ehefrau des Vaters des Ehemanns der Ehefrau des Großonkels des Ehemanns meiner Cousine ersten Grades.
„Mr. John Jay, Ihr gehört zu den sieben zentralen Gründervätern der Vereinigten Staaten. Welches sind die Ämter und Aufgaben, die Eure Laufbahn prägten?“
„Mitten im Unabhängigkeitskrieg, von 1778 bis 1779, diente ich als Präsident des Kontinentalkongresses. Ich leitete die Versammlung der dreizehn Kolonien und fungierte damit faktisch als Staatsoberhaupt. 1789 berief mich Präsident George Washington zum allerersten Obersten Richter der USA (Chief Justice), um die Unabhängigkeit der Justiz zu begründen. Von 1795 bis 1801 diente ich schließlich als Gouverneur meines Heimatstaates New York.“
„Gibt es noch mehr, was Ihr uns erzählen könnt?“
„Ja, ich war berühmt für mein Federfechten und meine Diplomatie. Ich war Mitautor der „Federalist Papers“ – jener 85 Essays, die der Verfassung den Weg ebneten. 1783 handelte ich gemeinsam mit Benjamin Franklin und John Adams in Paris den Friedensvertrag mit England aus, und 1794 verhandelte ich den nach mir benannten „Jay-Vertrag“, um einen neuen Krieg mit England abzuwenden.
Was mir jedoch persönlich am tiefsten am Herzen lag und liegt: Als Gouverneur unterzeichnete ich 1799 das Gesetz zur schrittweisen Abschaffung der Sklaverei im Staat New York (An Act for the Gradual Abolition of Slavery).“
Wer die heutigen Auseinandersetzungen unter Donald Trump verfolgt, blickt in ein Echo der Gründerzeit. Wenn Trump sich zur Durchsetzung von Massenabschiebungen auf den Alien Enemies Act von 1798 beruft – unterzeichnet vom föderalistischen Präsidenten John Adams –, greift er auf ein Gesetz zurück, das schon Thomas Jefferson und James Madison als Tyrannei bekämpften. Wenn er das in der Verfassung verankerte Geburtsrecht per Dekret infrage stellt, trifft das genau jenes System der Gewaltenteilung, das John Jay und James Madison im Supreme Court und den Federalist Papers schützen wollten. Die verfassungsrechtlichen Kämpfe des 21. Jahrhunderts sind keine neuen Phänomene – sie sind die direkte Fortsetzung des Streitgesprächs zwischen Föderalisten und Demokratischen Republikanern über das Wesen der amerikanischen Republik.
In der heutigen Praxis beruht diese Politik auf einer scharfen Sicherheits- und Bedrohungsrhetorik: Illegal eingewanderte Menschen werden häufig pauschal als Sicherheitsrisiko dargestellt, man spricht von einer „Invasion“ oder behauptet, Migration „vergifte das Blut unseres Landes“.
Kritiker und Menschenrechtsorganisationen weisen darauf hin, dass eine Massenabschiebung dieser Größenordnung nicht nur zu humanitären Härten und juristischem Chaos führen würde, sondern auch enorme wirtschaftliche Schäden verursachen könnte (etwa durch den schlagartigen Ausfall von Arbeitskräften in Landwirtschaft, Bauwesen und Gastronomie).
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