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Episode 36

7. 2. 2025

Von den Babenbergern zu den Bergern

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Die genealogischen Unterlagen sammle ich intensiv seit 2008, die allgemeinen historischen Tatsachen recherchiere ich von Woche zu Woche. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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Ernestine Biechl (Berger) *1905; †1969 - meine Mutter
Kateřina Bergerová z Bergu a Herndorfu verw. Petřvaldská z Petřvaldu geb. Morkovská ze Zástřizl *1552; †1614 - meine 11-fache Urgroßmutter früheste Berger in dieser Linie
Jan Berger z Bergu (Vrchovský z Vrchoviny) *1538; †1600 ihr Schwiegervater
Markgraf und Heiliger Leopold III von Babenberg *1073; †1136 - mein 24-f. Urgroßvater
Erster Markgraf der Ostmark Leopold I *930; †994 - mein 28-facher Urgroßvater
Farbe-Legende: Österreicher - Osteuropäer - Deutscher - besondere Merkmale
Adelsgeschlecht z Bergu
Adelsgeschlecht z Drnovic
Adelsgeschlecht z Kunštátu

Wappen der Babenberger
„Hochgeschätzte Gräfin Kateřina, auf dem Weg zu meinem 24-fachen Urgroßvater Leopold III von Babenberg habe ich Sie als meine 11-fache Urgroßmutter entdeckt.“
„Egon, ich bin überrascht, dass sowohl Du als auch Leopold der Heilge zu meiner Familie gehört. Das freut mich.“
(Ich bin der Anregung, mit meinen Ahnen respektvoller umzugehen, gefolgt.)
„Auch ich bin begeistert, mich mit Ihnen zu treffen! Mich interessiert aber, warum Sie den Namen meiner Mutter «Berger« tragen.“
„Es ist so einfach, obwohl es kompliziert klingt. Der Urgroßvater meines Mannes Jeroným war als Vrchovský z Vrchoviny a Perušič Grundherr in Kroatien. Er musste um 1530 vor den Osmanen fliehen und kam mit seiner Familie hierher nach Ebenfurth bei Wiener Neustadt.
Vrchovský z Vrchoviny und Perušić
„Warum aber der Namenswechsel?“
Da mein Mann hier in Östereich geboren wurde, wo man Deutsch spricht, übersetzte man seinen Namen von »Vrchovský z Vrchoviny« auf »Berger z Bergu«. Daher kommt der Geburtsname Deiner Mutter.
Bei Korneuburg hat sich die Familie meines Mannes zusätzlich ein Schloss im späteren Harmansdorf erworben, weswegen wir auch »a Herndorfu« heißen.“
Ein unvermuteter Zufall ist die Tatsache, dass das Schloss in Ebenfurth vor den Bergers nicht nur dem letzten männlichen Babenberger Friedrich II, der hier bei der Schlacht an der Leitha fiel, gehörte, sondern dass auch das Schloss Harmannsdorf in der Nähe von Gars am Kamp im Besitz der Babenberger war. Seltsam bis unterhaltsam ist der Sachverhalt, dass sich das Adelsgeschlecht der Suttner (unlängst von mir in Episode 34 erwähnt) rühmen konnte, beide Schlösser, das in Ebenfurth und das in Harmannsdorf, zu besitzen.
„Was verbindet Sie und damit auch mich mit den Babenbergern aus Bamberg in Schwaben, von wo Leopold I stammt, der 976 von Kaiser Otto II zum ersten Markgraf von der Ostmark (Ostarrichi) ernannt wurde?
„Von Geburt bin ich eine Zástřizl, die uns beide über die Drnovic, Kunštátu und die Dir so bekannten Neuhaus zu den Babenbergern führen. Leopold I leitete seine Herrschaft von Pöchlarn aus. Seine Nachfolger kamen über Tulln, Gars am Kamp (in der Nähe von Harmansdorf) und Klosterneuburg immer näher nach Wien. Aber für mich ist Leopold III der Interessanteste. Rede doch mit ihm!“
„Edler Markgraf Leopold III von Babenberg, Sie regieren Ostarrichi mit Sitz in Klosterneuburg. Aufgrund meines verwandtschaftlichen Verhältnisses zu Ihnen wage ich es, Ihnen einige Fragen zu stellen.
Was hat Ihnen zu so viel Macht verholfen?“
„Nach meinem Amtsantritt 1095 heiratete ich um 1103 Adelheid von Perg-Machland, wodurch ich mit Vogtei-Rechten viel Einfluss in Oberösterreich bekam. Im Investiturstreit war ich zunächst neutral, aber loyal gegenüber Kaiser Heinrich IV. 1105 hingegen schlug ich mich nicht uneigennützig auf die Seite seines rebellierenden Sohnes, des späteren Kaisers Heinrich V. Der gab mir 1106 seine Schwester Agnes von Waiblingen zur Frau. Als sein Schwager und als Stiefvater des Herzogs von Schwaben und des Herzogs von Ostfranken - des späteren deutschen Königs Konrad III - stieg ich in die erste Reihe der Reichsaristokratie auf.“
Markgräfin Agnes
„Sie lebten in einer relativ friedlichen Zeit, in der Sie nicht durch viele Kriege beeinträchtigt waren. Was konnten und können Sie in Ihrer Position als Markgraf von Österreich bewirken, worauf Sie stolz sein können?“
„Unter meiner Ägyde erhielten einige Donauorte Stadtrang. Das waren Stein, Krems samt Münzstätte, Tulln, Neuburg, Wien und Hainburg; die Klöster in Klosterneuburg, Heiligenkreuz und Kleinmariazell wurden von mir gestiftet. Klosterneuburg ließ ich dort errichten, wo mir eine Marienerscheinung den Schleier meiner Frau Agnes zeigte, den diese Jahre zuvor auf der Jagd verloren hatte. Klosterneuburg baute ich zur Residenz aus, um meine Untertanen zu evangelisieren und zu bilden.
Markgraf Leopold III von Babenberg, »Der Heilige«
„Welche Titel und Prädikate haben Sie?“
„Ich selber nenne mich »Princeps Terrae«, einen Rang über den Grafen und Herzogen.
1133 lehnte ich den Titel eines Königs mit dem Hinweis ab, dass ich mit 50 Jahren dafür zu alt wäre. De facto wollte ich nicht, dass unter meinen vielen Kindern ein Streit ausbricht. Als »Princeps Terrae« kümmere ich mich freilich auch sehr um meine Leute in Wien, Niederösterreich sowie in Oberösterreich.“
Und wie wurde Leopold III »heilig«?
Leopold III starb 1136 bei einem Jagdunfall und wurde in »seinem« Klosterneuburg begraben. Leopold wurde regional sehr bald schon als Heiliger verehrt.
Die Habsburger waren daher um seine Heiligsprechung bemüht. Dafür braucht man allerdings ein Wunder. Ein gewisser Johannes Winkler behauptete, dass sein tot geborener Sohn nach einem Stoßgebet zu Leopold wieder zu atmen begann. Aus anderer Quelle hörte man, ein Soldat sei durch Fürbitte am Grabe von Leopold III von seiner Verletzung im Kampf gegen die Hussiten geheilt worden.
Um die kirchliche Anerkennung bemühte sich nicht nur Rudolf IV, sondern auch Kaiser Friedrich III. Er stellte 1466 die offizielle Anfrage bei Papst Paul II, Jedoch nach dessen Tod lehnte Papst Sixtus IV 1472 ab. 1485 nach Erhalt von 15.000 Briefen und vielem Geld, bereitgestellt vom König von Ungarn und Kroatien späzer auch von Böhmen Matthias Corvinus, sagte Papst Innozenz VIII endlich »Ja«, obwohl kein Wunder zu Leopolds Lebzeiten passiert war, wie die Historikerin Julia Anna Schön schreibt.
1663 wurde Leopold zum Landespatron von Österreich ob und unter der Enns erklärt.
Quellen: MyHeritage, Geni, Wikipedia, Kurier vom 15.11.2023
Reaktionen zu Episode 35 - Hexenverfolgung:
Ursula Japtok: Vor Jahren bei einer Reise durch Belgien und die Niederlande habe ich mir schon eine Urkunde ausstellen lassen, daß ich k e i n e Hexe bin!!!
Pater Prior Norbert: Und wann wird das alles in einem Buch erscheinen?
Egon: Bei meiner Biografie habe ich 150 „Splitter“ ausgeschickt, bevor ich ein Buch daraus machte. Jetzt arbeite ich an der 38. Episode ...
Günter Ofner zur Passage: ”Natürlich gab es auch in Wien Hinrichtungen von Hexen. Eine von ihnen war Elisabeth Plainacher, deren Tochter, ...”.
Das ist falsch, Elisabeth Plainacher war definitiv das einzige Todesurteil wegen Hexerei vom Hochgericht Wien.
Egon: Ich war zu schludrig beim Lesen.
Günter Ofner zum Ausschnitt: “... dass die Hexenprozesse im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, denen zwischen 1550 und 1650 zirka 50.000 Menschen zum Opfer fielen ...”
Auch das ist falsch, es waren laut den Historikern etwa halb so viel – und zwar ohne Zeiteinschränkung.
Egon: Mit der Anzahl der Hexenprozesse von ca. 25.000 (ohne Zeiteinschränkung) haben Sie ebenfalls recht. Beim genauen Nachlesen habe ich erkannt, dass sich die Anzahl von 50.000 auf ganz Europa bezieht und nicht nur auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation.
Günter Ofner zum Text: “nicht primär eine Angelegenheit der katholischen Kirche ...”
Sie war überhaupt keine Angelegenheit der katholischen Kirche, alle “Zauberei-Prozesse” fanden vor weltlichen Gerichten statt.
Die Geistlichen Gerichte konnten nur über Kleriker urteilen.
Egon: Beim kirchlichen Hintergrund habe ich mich nicht auf den rein juridischen Aspekt von Hexenprozessen bezogen, sondern auf Katholiken und Reformatoren als Trieb-federn beim Verleumden von „Hexen“.
Antal: Nun ja, der Phantasie betr. Grausamkeiten waren vor 500 Jahren wohl keine Grenzen gesetzt – aber dass es heute noch Hexenverfolgungen gibt, erstaunt denn doch! Etwas anderes ist mir aber aufgefallen: Vierzig Jahre schwerste Wirtschaftskrise damals, Heute jammern wir, weil wir seit zwei Jahren kein WACHSTUM haben ???? Etwas zum Nachdenken….
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(mit eigener Mailadresse)
Egon Biechl Privat