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Episode 40

7. 3. 2025

Raynald der Kreuzritter

zwischen den Fronten

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich, obwohl sie von mir manchmal nicht zu 100 % erreicht wird, wie professionelle Hinweise aufdecken. Die genealogischen Unterlagen sammle ich intensiv seit 2008, die allgemeinen historischen Tatsachen recherchiere ich von Woche zu Woche. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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Kreuzfahrer und Lord von Hebron & Montréal Raynald de Châtillon *1125; †1187
Genealogischer Treffpunkt von Napoléon und Metternich im 12. Jh. (ich bin nicht dabei)
Erster Korse Francesco Buonaparte II, *1475; †1540 - 8-facher Urgroßenkel

Kaiser von Frankreich Napoléon Bonaparte *1769; †1824 - 19-facher Urgroßenkel
König von Ungarn und Kroatien Andreas II *1176; †1235 - Enkel

Staatskanzler Clemens Lothar von Metternich *1755; †1859 - 17-facher Urgroßenkel
Legende für Farben: Deutscher - Franzose - Ungar - Korse - besondere Merkmale
„Kaiser Napoléon, Majestät, wussten Sie, dass Sie von einem grausamen Kreuzritter abstammen?“
„Ich glaube ja, aber ich habe mich nie damit beschäftigt.“
„Ich las nicht nur über ihn, ich sprach auch mit ihm.“
„Du glaubst, dass Du ein Tausendsassa bist? Mich kannst Du nicht beeindrucken!“
„Wissen Sie, dass Fürst Metternich exakt denselben Vorfahren hat?“
„Da schau her! Sagst Du meinem Widersacher auch, dass wir verwandt sind? Das wird ein vertrauliches Gespräch!“ 😊
„Raynald von Châtillon, Fürst von Antiochien, Lordschaft von Transjordanien, obwohl ich nicht mit Ihnen verwandt bin, bitte ich Sie um ein Interview. Ich schrieb und schreibe derzeit nämlich über das Verhältnis zwischen Napoléon und Metternich. Ich weiß, dass Sie für den Kaiser von Frankreich und den Staatskanzler des gegnerischen Österreich ein gemeinsamer Vorfahre sind. Diesen Beiden vererbten Sie die Gene von Führungspersönlichkeiten. Was meinen Sie dazu?“
„Es interessiert mich! Aber wieso kommen Sie, ganz ohne Rang und Namen, dazu, sich bei mir wichtig zu machen?“
„Im Rahmen der Genealogie habe ich ihr Leben studiert. Bevor wir uns unter vier Augen über die Lebensgeschichte von Napoléon und Metternich unterhalten, bitte ich Sie aber, mir etwas über Ihr eigenes Leben zu erzählen.“
„Der Beginn war unerfreulich. Châtillon-sur-Loire, mein Fürstentum in Burgund wurde gewaltsam und zu Unrecht konfisziert. Deswegen beteiligte ich mich 1147 am 2. Kreuzzug unter der Ägyde von Louis VII, dem französischen, und Conrad III, dem deutschen König. 1149 blieb ich nach Abzug der Franzosen aus den vier Kreuzfahrerstaaten (Grafschaft Edessa, Fürstentum Antiochia, Grafschaft Tripolis und Königreich Jerusalem) in diesem Gebiet zurück, um dort Karriere zu machen.“
Die vier Kreuzfahrerstaaten
Der ägyptische Kalif al-Hakim, der von den Drusen immer noch als Gott verehrt und nach 1000 Jahren als alleiniger Weltherrscher wieder erwartet wurde oder wird, zerstörte die »Grabeskirche« in Jerusalem 1009. Das war die Ursache für den ersten Kreuzzug, zu dem Papst Urban II 1095 aufrief. Bis 1272 fanden sieben/acht (je nach Zählung) Kreuzzüge, von den Päpsten legitimiert und mit großzügigen Ablässen belohnt, statt,
Was wäre passiert, hätte man gewusst, dass 2025 nur mehr 2% Christen dort sind?
„Was haben Sie dann im »Heiligen Land« gemacht?“
„Ich wurde 1153 durch Heirat mit der Fürstin Constance, der Erbin des Fürstentums Antiochien, »jure uxoris«, also in Ausübung des Amtes meiner Frau, Prinz des Landes.
Königreich Jerusalem: auch Transjordanien
Als ich Geld brauchte, zog ich drei Jahre später mit meinen Truppen durch das byzantinische Zypern. Dabei ließ ich ohne weiteres zu, dass meine Krieger mordeten, vergewaltigten und brandschatzten. Das sind die Charakteristika eines Raubzugs.
1160 wurde ich in der Schlacht von Marash im Euphrattal geschlagen und in Aleppo gefangengehalten. Als es mir 1176 gelang, dass von meinem Fürstentum ein beträchtliches Lösegeld für mich bezahlt wird, wurde ich freigelassen. Nach dem zwischenzeitlichen Tod meiner ersten Frau heiratete ich die Erbin von Transjordanien, einer der wichtigsten Lordschaften im Königreich von Jerusalem. Dort regierte ich auch wieder »jure uxoris«. Ihretwegen bekam ich den Titel »Herrscher von Montréal und Hebron«.“
1181 brach Raynald mit dem Überfall auf eine muslimische Karawane den Waffenstillstand mit Saladin, dem Sultan von Ägypten und später auch Syrien. 1182 beschloss Raynold, Mekka anzugreifen. In einer waghalsigen Aktion ließ er fünf Galeeren zerlegt über die Wüste bis zum Fischerhafen Eilat am Roten Meer bringen, wo die Schiffe wieder zusammengebaut wurden. Der Reihe nach plünderte er die kleinen Küstenstädte und versenkte ein muslimisches Pilgerschiff, was die islamische Welt in Aufruhr versetzte. Die Strafexpedition, geleitet von Saladins Bruder, war erfolgreich. Den verbliebenen 170 christlichen Seeleuten versprach er den sicheren Abzug, Sultan Saladin selber bestand jedoch darauf, einige sogar von der wutschäumenden Pilgermenge »wie Tiere für das Opfer« abschlachten zu lassen.
Am 4. Juli 1187 trafen sich das christliche und das muslimische Heer zur entscheidenden Schlacht. Raynald unterlag dem Sultan Saladin, feixte aber: „Alle Könige haben sich zu allen Zeiten ebenso verhalten, ich habe nichts anderes getan.“ Saladin ging mit gezücktem Säbel auf ihn zu und schlug ihm eigenhändig zwischen Hals und Schulterblatt. Raynald fiel zu Boden, und man hieb ihm den Kopf ab. Den in Furcht erstarrten, mit Raynald verbündeten König Guy von Jerusalem, be-schwichtigte Saladin: „Dieser Mann musste nur wegen seiner Missetaten und seiner Treulosigkeit sterben“.
Eigenhändige Köpfung Raynalds durch den Sultan Saladin
„Geschätzter Herr Kanzler Metternich, was sagen Sie zu Ihrem Vorfahren, dem Kreuzritter Raynald von Châtillon, den Sie mit Napoléon gemeinsam haben? Wäre dessen Person nicht die Idee für ein ganz außergewöhnliches, privates Gespräch zwischen Ihnen Beiden?“
„Deine Schilderung beeindruckt mich sehr, weil ich ganz persönlich involviert bin, aber ich brauche keinerlei intime Beziehung zu diesem Despoten aus Frankreich! Ich bin überzeugt davon, dass Du mir zusätzlich zum Ungarnkönig auch noch die einzelnen anderen Stufen meines Stammbaums, der auf diesen Fokus gerichtet ist, vermitteln kannst. Aber mit Napoléon führe ich ganz andere Diskussionen, keine privaten!“
Waffenstillstand von Pläswitz am 26. Juni 1813:
Napoleon wirft den Hut zu Boden und Metternich hebt ihn nicht auf. ©Adolphe Thiers
„Ich gebe zu, dass bei dieser Gelegenheit, knapp vor der Völkerschlacht von Leipzig, andere Worte gefallen sein müssen. Wie war das genau?“
„Bitte, hier einige Ausschnitte aus unserer damaligen Konfrontation.“
Napoleon: „ Sie wollen also den Krieg?“
Metternich: „Krieg und Frieden liegen in der Hand Eurer Majestät... Heute können Sie noch Frieden schließen, morgen dürfte es zu spät sein ...“
Napoleon: „... Nimmermehr! Ich werde zu sterben wissen, aber ich trete keine Handbreit Bodens ab. Eure Herrscher, geboren auf dem Throne, können sich zwanzigmal schlagen lassen und doch immer wieder in ihre Residenzen zurückkehren; das kann ich nicht. Ich bin der Sohn des Glücks! Meine Herrschaft überdauert den Tag nicht, an dem ich aufgehört habe, stark und folglich gefürchtet zu sein ...“
Metternich: „... Das Glück kann Sie ein zweites Mal wie im Jahre 1812 im Stiche lassen. In gewöhnlichen Zeiten bilden die Armeen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung; heute ist es das ganze Volk, das Sie unter die Waffen rufen ... Ich habe Ihre Soldaten gesehen, es sind Kinder... Und wenn diese jugendliche Armee, die Sie heute einberufen haben, dahingerafft sein wird, was dann?“
Napoleon: „... Ich bin im Felde aufgewachsen, und ein Mann wie ich schert sich wenig um das Leben einer Million Menschen ... Die Franzosen können sich nicht über mich beklagen; um sie zu schonen, habe ich die Deutschen und die Polen geopfert. Ich habe in dem Feldzug von Moskau 300.000 Mann verloren; es waren nicht mehr als 30.000 Franzosen darunter.“
Metternich: „Sie vergessen, Sire, dass Sie zu einem Deutschen sprechen!“
Am Ende soll Napoléon, der korsische Eroberer gesagt haben:
„Es kann mich den Thron kosten, aber ich werde die Welt in ihren Trümmern begraben.“

Metternich soll erwidert haben:
„Ihr seid verloren, Sire. Ich ahnte es, als ich herkam; nun weiß ich es.“
War noch die Schlacht um Wien 1809 ein Kinderspiel für Napoléon gewesen, die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 zwischen Russland, Preußen, Österreich, Schweden gegen Frankreich, den Rheinbund und seine anderen Verbündeten endete mit einer Niederlage Napoléons. Am 2. April 1814 wurde er als Kaiser abgesetzt. Am 1. März 1815 kehrte er zurück, musste aber nach einigen erfolgreichen Gemetzeln die Niederlage bei Waterloo hinnehmen. Damit endete seine »Herrschaft der Hundert Tage« am 22. Juni 1815.
Unter Metternichs Vorsitz fand vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 der Wiener Kongress statt. Zweck der Zusammenkunft war die Neuordnung Europas nach dem Sturz Napoleons. Insgesamt waren die Delegationen von rund 200 Staaten, Städten und Körperschaften in der österreichischen Hauptstadt vertreten. Dieser Kongress verhinderte einen großen Konflikt zwischen den europäischen Großmächten für fast 100 Jahre. Die Erosion des restaurativen Systems setzte in den einzelnen Staaten jedoch schon bald nach der Wiener Kongressakte ein. Liberalismus und Demokratisierung waren unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Sogar die von Metternich so unterdrückte Pressefreit lockerte sich im März 1848 mit der Bürgerlichen Revolution und dem Abgang Metternichs. Die Niederschlagung der Revolutiion im November 1848 beendete sie jedoch wieder. Erst 1867 ist sie im Staatsgrundgesetz verankert. 1918 ist die volle Pressefreiheit hergestellt. Dollfuß führt 1933 die Zensur wieder ein, das NS-Regime verschärft sie 1938 bis zur Unkenntlichkeit jeglicher journalistischer Freiheit. 1945 wird Zensur verboten, Pressefreiheit wieder eingeführt. Wie geht es weiter?
Quellen: Myheritage, Geni, Wikipedia, Kurier vom 20.5.2023 und vom 1.2.2025, Zeitreisen der Wiener Zeitung Nr. 409 vom 4.10.2019, Die Presse vom 5. 2.2025
Reaktion zu Episode 39 - König - Kanzler - Kaiser:
Antal: Na , da haben wir ja den zweiten rücksichtslosen Karrieristen, der sich von einer Unzahl von Damen erfreuen ließ. Dein KKK könnte man ein bißchen umdeuten in „Kaiser-Kanzler-Konkubinen“…
Er mag ja durchaus erfolgreich im Sinne der Habsburger und in der Disziplin „Erhalte den Frieden durch Kriege“ gewesen sein, aber seine harte Art dem „Volk“ gegenüber war legendär.
Apropos König / Kaiser ; Der von Dir angesprochene Franz I. (oder II., je nachdem , in welcher Funktion) gehörte wohl zu der Sorte Habsburger, denen man die langjährige Inzucht sowohl optisch als auch in ihrem Verhalten ansah. Insofern bin ich nicht besonders stolz darauf, daß gerade DER meinen dritten Urgroßvater (seines Zeichens Ausstatter der kaiserlichen Armee und damit stinkreich, mit u.a. ordentlichem Stadtschloß am Burgberg von Pressburg) 1802 die ungarische Baronie verliehen hat, nachdem sein Vater Leopold II. ihn schon 1791 zum österreichischen Freiherrn gemacht hatte …
Günter Ofner zum Text „Wieso schlugen Sie, Herr Metternich, die alpenländischen Volksaufstände in Tirol und der Schweiz nieder?“
Was meinen Sie damit? Tirol war ab 1805 ein Teil Baierns. Außerdem: e
twas was nie stattgefunden hat, konnte man auch nicht niederschlagen, auch wenn es so in Wikipedia steht.
Egon: Zutreffend und e
indeutig verständlich wäre wohl: „Wieso vereitelten Sie, Herr Metternich, die 1813 geplanten Verschwörungen zu alpenländischen Volksaufständen in Tirol und der Schweiz?“
Ohne diese Zusätze ist der Sinn der Frage missverständlich. Danke für den professionellen Hinweis.
Für die Tatsache selber gibt es verschiedene Hinweise in Wikipedia unter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_von_Hormayr
https://de.wikipedia.org/wiki/Klemens_Wenzel_Lothar_von_Metternich#Leiter_der_Au%C3%9Fenpolitik_in_Wien
und (zu) ausführlich in einer Dissertation über den Alpenbund:
https://ulb-digital.uibk.ac.at/download/pdf/10055494.pdf
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Egon Biechl Privat