|
|
Mein Ansporn zur Ahnenforschung
|
|
|
|
|
|
Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
|
|
|
Allen ist bekannt, dass wir nicht nur Eltern, sondern auch Großeltern haben. Viele von den Omas und Opas sind auch bereit, sich befragen zu lassen. So erfahren wir aus erster Hand, wo, wann und wie sie gelebt haben.
|
|
Ich habe meine Großeltern nicht persönlich kennengelernt. Meine Eltern haben mir auch nicht viel erzählt. Beim Suchen in der Wohnung, am Dachboden und im Keller habe ich nur eine Schublade mit Fotos entdeckt.
|
|
|
|
|
|
Foto mit meinen Eltern. Wer sind die Anderen?
|
|
|
|
Ich stehe im Mittelpunkt aller Nachforschungen.
|
|
|
|
Wer ist der in der Mitte?
|
|
|
|
Kommentar meiner Mutter zum linken Foto: „Der Schwarzbekleidete mit Hut ist unser Freund Valentin. Deinen Vater und mich kennst Du, Dich selber auch. Neben Dir ist Onkel Heini. An die Mädchen erinnere ich mich nicht. Am rechten Foto schiebt Dich Tante Grete, meine Schwester. Der uniformierte Mann ist wieder Dein Onkel Heini.“ Ich frage sie, wie dieser Onkel Heini mit mir verwandt ist. „Eigentlich ist er Dein Bruder aus der ersten Ehe Deines Vaters.“ Etwas später ergänzt mein Vater: „Onkel Heinrich wurde als uneheliches Kind meiner ersten Frau Philomena 1916 geboren. Nach meiner Hochzeit mit ihr habe ich ihn als Fünfjährigen adoptiert.“
|
|
|
|
Als ich beim Besuch des Landesarchivs von Tirol die entsprechenden Matriken vom Jahr 1898 über Mikrofilm betrachte und mir dann ausdrucken lasse, lese ich im Taufeintrag von Frau Schos nicht nur ihr Geburtsdatum mit Uhrzeit, sondern auch die nachträglichen Zusatzinformationen zu Geburt und Heirat ihres unehelichen Sohnes Heinrich und das Datum ihrer Hochzeit mit meinem Vater.
|
|
|
Die eigentliche Ahnenforschung beschränkt sich doch auf Blutsverwandte, oder? Interessiert mich neben dem Datum auch die Uhrzeit der Geburt meines Adoptivbruders? Nein, es ist mir egal, ob er „Schoß“ oder „Schos“ wie seine Mutter und nicht wie sein leiblicher Vater heißt. Nicht gleichgültig ist mir allerdings, dass er wie mein Vater „Biechl“ heißt, ohne ein Biechl zu sein. Das ist jedenfalls Interessant!
|
|
|
Da ich auch Matriken aus früheren Jahrhunderten - und deren gibt es unendlich viele - entziffern will, mache ich mich mit der Kurrentschrift vertraut, die im 13. Jh noch anders aussah als im zwanzigsten.
|
|
|
|
|
|
Die Tauf- und Trauungsbücher in kirchlichen Matriken wurden 1563 eingeführt, die Sterberegister erst 1614. Zeitverzögerte Einführung und Verluste in Kriegen führen zu beachtlichen Lücken. Aber heute ist man nicht mehr darauf angewiesen, Matriken in einzelnen Pfarreien, wie ich es anfangs der 70-er Jahre noch machen musste, zu suchen. Auch das Betrachten der Mikrofilme von Matriken in Landesarchiven ist nicht mehr erforderlich. Jetzt sind die meisten Matriken - Ausnahmen wie derzeit beispielsweise im Burgenland bestätigen die Regel - kostenfrei im Internet einsehbar.
|
|
Wenn man die zeitlichen und örtlichen Umstände gesammelt hat, hat man zwar auch die damals und dort geltenden Situationen im Hinterkopf, aber das Wesentliche bei der Ahnenforschung, das sie so interessant macht, bleibt verborgen: Waren meine Vorfahren bekannt, beliebt, berühmt oder etwa gar berüchtigt und wofür? Persönliche Gespräche, wenn auch individuell gefärbt, erschließen die unmittelbare Vergangenheit und geben Einblick in viele Vorkommnisse aus der Familientradition.
|
|
Diese Quellen jedoch sind naturgemäß bald erschöpft. Was jetzt?
|
|
|
Es gibt auch verschiedene andere verlässliche Vermächtnisse aus der Vergangenheit:
|
|
|
|
|
|
Arbeits-, Berufs- und Bildungsnachweise
|
|
|
|
Testamente + andere Notariatsakten
|
|
|
|
|
|
Viel Konzentration für meine Schwiegermutter und ihre Arbeit für mich und mit mir
|
|
|
|
|
|
So ein „Handbuch“ führt dazu, dass auch Wappen eine Rolle spielen wie z.B. dieses der Ginners, meiner direkten Ahnen
|
|
|
|
|
Neben solchen Unterlagen gibt es Pässe, Ariernachweise sowie ein- und viersprachige Identitätsausweise. In Partezetteln dreht es sich nicht nur um den Verstorbenen, Informationen gibt es auch auch zu jüngeren Familienangehörigen. Zeitungsartikel geben Ankündigungen zu künftigen und Berichte über vergangene Ereignisse. Passagierlisten und Einwanderungsdokumente zeugen von wichtigen Stationen im Leben vieler Menschen. In den USA übliche Volkszählungen enthalten auch Details zu Übersiedlungen innerhalb von Amerika. Militärische Listen über Einberufene und Gefallene sind oft die einzigen Quellen aus Kriegszeiten. In früher üblichen Adress- und Telefonbüchern kann man nahe, aber - über den Nachnamen - auch entfernte Verwandte entdecken. Schulzeugnisse und Doktorarbeiten geben Aufschluss über den Bildungsgrad oder den mehr oder weniger akademischen Titel der jeweiligen Vorfahren. Kirchliche Dokumente vermitteln neben den zeitlichen Informationen die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Konfessionen. Biografische und Adelslexika sind besonders vielversprechend. Darin enthalten sind nämlich auch Paläste und Schlösser, Kirchen und Kathedralen und damit viele Schätze für genealogische Ermittlungen. Zusätzlich lassen sich viele Hinweise aus Datenbanken über die verschiedensten Lebenssituationen ermitteln. Phantasie ist gefragt.
|
|
Erstklassig geeignet sind dafür genealogische Organisationen wie Familia Austria, ÖFR, ADLER und andere mehr, bei denen die Mitgliedschaft ungeheuer viele Informationen bietet, die teilweise sogar kostenfrei zur Verfügung stehen.
|
|
|
Da ich für mich persönlich weiß, dass mein Großvater Johann Gottfried Berger aus Mähren stammt, suche ich auch dort nach meinen Vorfahren. Obwohl ich immer optimistisch bin, überrascht es mich trotzdem, dass ich auf Wikipedia einen Eintrag über die Bergers finde. Er ist zwar in Tschechisch, aber lange brauche ich nicht, um herauszufinden, dass das „z“ auf Deutsch „von“ heißt. Ich bin sehr aufgeregt.
|
|
|
|
Wenn alle diese Daten kein Ansporn sind, Ahnenforschung zu betreiben, was dann?
|
|
Wie es weitergeht, schildere ich demnächst.
|
|
|
Reaktion zur Episode 21 - Attentate jederzeit und überall:
|
|
Richard: „Eunice wurde Gründerin der Special Olympics und Mutter von Arnold Schwarzenegger.“ Das stimmt so nicht. Eunice Kennedy-Shriver war die Mutter von Maria Shriver, der Ehefrau von Arnold Schwarzenegger.
|
|
Kurt-Bodo: Mit den Kennedys sind wir Blinds (Familie meiner Cousine Elfriede Höglinger) insoferne verwandt, als ein Nachkomme Karl Blinds (Bruder meines Großvater) eine Schreiber geheiratet hat.
|
|
Antal: Das rahme ich mir rot ein, wenn ich dann in der Pension ernsthaft anfange, Genealogie zu betreiben.
|
|
Wie gehe ich vor?
|
|
Im Internet bin ich zuhause. Wir wissen, dass wir dort Vieles finden, was uns wegen der Geschwindigkeit und des Umfangs immer wieder verblüfft. 100-prozentiges Vertrauen ist nicht empfehlenswert, aber zur Unterscheidung vom Misstrauen haben wir ja unser Urteilsvermögen. Wir Ahnenforscher haben logischerweise selber viele Informationen, die anderen unbekannt und damit neu sind. Andererseits können wir aus vielen Quellen auf unterschiedlichen Internet-Plattformen wertvolle Auskünfte bekommen, die unsere Beiträge mit denen Anderer verschmelzen.
|
|
Nachstehend ein kurzer illustrierter Überblick über wichtige vorhandene Medien.
|
|
|
|
|
|
|
|
Die vielen genealogischen Internetplattformen unterscheiden sich im Datenvolumen, den verfügbaren Darstellungsweisen und leistungsbezogenen Preisen, wobei auch kostenfreie Varianten oder Teile angeboten werden.
|
|
|
In jedem dieser Foren können wir den eigenen Familienstammbaum mit Art der Beziehung zwischen den einzelnen Personen sichtbar machen. Zu jeder Person kann eine Unmenge an Merkmalen gespeichert werden. Neben Geburt, Hochzeit, Tod und Verwandtschaftsverhältnissen sind es Informationen betreffend Wohnort(e), Beruf(e) und gesellschaftliche Stellung(en), auch zeitlich aufgeschlüsselt. Zu jeder einzelnen Person können viele Fotos, von denen jeweils eines im jeweiligen Stambaum dauer-haft sichtbar bleibt, dazugestellt werden.
|
|
|
In den diversen Datenbanken gibt es viele andere Benutzer, die an denselben Familien/Personen interessiert sind, sodass ein anregender Informationsaustausch passiert. In vielerlei Hinsicht gibt es eine beachtliche Horizonterweiterung. Freilich sind solche Auskünfte auch mit der nötigen Vorsicht zu behandeln.
|
|
|
Beim Weltstammbaum ist es ähnlich, aber für die Zeit vor 1600 wird Verlässlichkeit noch größer geschrieben und eine strikte und akribische Überprüfung der bereit-gestellten Daten durchgeführt, bevor zusätzliche Angaben übernommen werden. Allerdings sind damit die Recherchen, die zu historischen Persönlichkeiten führen, vielversprechend.
|
|
|
|
|
Hape Kerkeling, der grandiose deutsche Entertainer und Bestsellerautor, hat im Zuge der Recherche für sein Buch „Gebt mir etwas Zeit“ herausgefunden, dass König Edward VII (*1841; †1910) sein Urgroßvater sein dürfte. Kerkelings Grußmutter, bei der er aufgewachsen ist, sei - bestätigt durch einen Brief - als dessen uneheliches Kind in einem böhmischen Dorf aufgewachsen.
|
Kerkelings Stammbaum hat 20.000 Mitglieder, meiner - unserem unterschiedlichen Lebensalter entsprechend - mehr als doppelt so viele.
|
|
Quellen: profil 38 * 21.9.2024 + Kurier 20.10.2024
|
|
|
|
|
In der umfassenden Datensammlung des Weltstammbaums existiert auch Charles III, King of the United Kingdom, auf den ich mich beziehen will:
|
|
|
|
|
|
|
|
<<< Ulrich I von Neuhaus (*1222; †1282) ist Vater von
|
|
Oldrich von Hradice II und damit der 18-fache Urgroßvater von King Charles III und der Vater von
|
Anna z Kunštátu a Deblina (ze Hradce) und damit mein 20-facher Urgroßvater.
|
|
Charles III ist also zwar wieder einmal nur entfernt, aber doch blutsverwandt mit mir wie aus folgender detaillierter Übersicht hervorgeht.
|
|
|
|
|
|
Datensammlungen im Internet:
|
|
Matricula: Online-Portal für Kirchenbücher mit 30 Millionen Seiten aus beinahe 4.000 Pfarren und 6 Staaten
|
|
Ancestry: US-Forum, derzeit 60 Milliarden Personendatensätzen
|
|
Geneanet: französische Tochter, 7 Milliarden
|
|
MyHeritage: israelische Datenbank, 20 Milliarden, verbunden mit
|
|
Geni dem amerikanischen Weltstammbaum
|
|
GenTeam: kostenfreie österreichische Datenbank, 21 Millionen
|
|
Ein Vergleich der wichtigsten genealogischen Plattformen findet sich unter:
|
|
Zusatztool DNA-Test
|
|
|
Von solchen Plattformen wird auch eine Genanalyse mit DNA-Test angeboten.
|
|
Die DNA kennen wir fast ausschließlich aus der Darstellung von Kriminallfällen. Sie ist im Prinzip nichts anderes als ein natürliches Speichermedium, das fast alle Erbinformationen enthält. Sie ist der Bauplan des Lebens. Mütter und Väter geben ihre DNA in Form von Chromosomen an die nächste Generation weiter. Menschen unterscheiden sich optisch und charakterlich. Das legt den Schluss nahe, dass jede DNA einzigartig ist. Ein Trugschluss, denn zu 99 Prozent ist die menschliche DNA identisch. Nur ein Prozent der DNA ist einmalig. Eine Übereinstimmung der DNA zwischen Vater oder Mutter und Kindern, die um die 50% liegt, bezieht sich also nur auf diesen einen Prozent.
|
|
|
Im Rahmen der Ahnenforschung können wir mit einem Gentest unsere ethnische Herkunft grob bestimmen und den Verwandtschaftsgrad zu anderen Personen feststellen. So liefern die Ergebnisse einer DNA-Auswertung neue Informationen und ergänzen unsere Recherche nach Vorfahren in Datenbanken oder Archiven. Vielleicht finden sich sogar Verwandte, von denen wir überhaupt noch nichts wussten.
|
|
|
Genealogie übt eine Faszination aus und bietet Vielen eine interessantes Hobby.
|
|
Mein Bezug zu Rudolfsheim-Fünfhaus
|
Als Tiroler, 1942 in Innsbruck geboren, war ich fünf Jahre in Turin im Piemont, also weit weg. Seit 1969 bin ich Wiener und seit 1990 wohne ich in Rudolfsheim-Fünfhaus und das gerne.
|
|
Ahnenforscher bin ich schon lange. Als ich begann, die Anverwandten meiner Frau im Stammbaum zu erfassen, gab es viele schriftlich dokumentierte Anhaltspunkte zum Leben und Sterben von Maria Josefa Weißinger geb. Sokop, der Mutter ihres Vaters. Die ursprüngliche Ottakringerin lebte lange Zeit in der Dinglstettgasse 2 im dritten Stock ohne Aufzug, mit Klo und Wasser am Gang. Dort hatte meine Frau ihre Großmutter öfters besucht, bevor diese 1965 im 15. Wiener Gemeindebezirk an der Kreuzung Mariahilferstraße / Mariahilfergürtel von einem Auto erfasst und getötet wurde. Das war ein großer Schock für alle Familienangehörigen. Für sie selber, die fast blinde Achtzigjährige war der plötzliche Tod eine glückliche Fügung, wie ich glaube.
|
|
Ich will mindestens noch 13 Jahre hier bleiben, denn dann ist es die Hälfte meines Lebens. Ich fühle mich hier zuhause.
|
|
|
Egon Biechl - Ahnenforscher im 15. Wiener Gemeindebezirk
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|