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Erzbischöfe und Königinnen
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Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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Dietrich v. Viechtenstein
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Der Bischofsstab im Relief am Schloss Ollersbach verführt mich dazu, weiterzuforschen.
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Das ist gar nicht so schwer. Der Bischof ist Thiemo III von Formbach,
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der Bruder des hiesigen Schlossherrn Heinrich II.
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„Hochwürdiger Thiemo, wie ist Dein Werdegang zum Erzbischof von Salzburg?“
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„Lieber Egon, Du erwischst mich bei guter Laune, also hör zu: geboren im bayrischen Formbach, werde ich im Benediktinerkloster Niederaltaich zum Mönch und widme mich intensiv den Künsten der Malerei und Bildhauerei. 1077 macht man mich zum Abt von St. Peter in Salzburg. Als solcher stelle ich mich im Inventurstreit auf die Seite des Papstes Gregor VII gegen Heinrich IV den Salier, römisch-deutschen König und später Kaiser. Wie der Papst will auch ich den Zölibat für die Priester und bekämpfe die Simonie, die Käuflichkeit und Verkäuflichkeit von kirchlichen Ämtern. Vor allem aber bin ich auf der Seite des Papstes, wenn es im Inventurstreit darum geht, wer wen zu seinem Amt ernennen darf, Kaiser und Könige die Äbte und Bischöfe (imperium) - wie lange Zeit geübt - oder der Papst Könige und Kaiser (sacerdotium).
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1081 vertreibt mich der Gegen-Erzbischof Berthold aus Salzburg, wohin ich aber 1086 mit dem papsttreuen Erzbischof Gebhard zurückkehre. Nach dessen Tod 1090 wählt man mich im März zum Erzbischof von Salzburg. Im April wird mir die dazugehörige Weihe zum Bischof erteilt. Die Reihenfolge ist eben noch etwas anders. Zur Bestätigung erhalte ich von Papst Urban II das erzbischöfliche Pallium.“
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„Was beschäftigt Dich jetzt am meisten?“
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„Ich brenne für die katholische Kirche, für den Papst und habe vor, am Kreuzzug 1101 teilzunehmen.“
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„Wow! Ich bewundere Dich.“
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In den Annalen steht geschrieben, dass Thiemo bei diesem Kreuzzug entweder 1101 in der heutigen Türkei oder 1102 im israelischen Askalon den Märtyrertod durch Heraussreißen der Gedärme erlitt. Bald danach wurde er zuhause als Heiliger verehrt.
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Im Jahr 2024 hingegen vertritt der Salzburger Erzbischof Franz Lackner den Grundsatz: „Chauvinismus beleidigt Gott“.
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Quelle: Die Furche 39/26.9.2024
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Pfau im aktuellen Tierarzt-Zoo unter der Wohnung meiner Tochter Gabriela im Schloss Ollersbach.
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Babenberger-Wappen der Gattin von Dietrich
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Heinrich II von Formbach, Vogt von St. Nikola im Strudengau an der Donau im Osten Oberösterreichs und im Westen Niederösterreichs, vermacht Benedicta dieses Schloss Ollersbach in Niederösterreich und Dietrich Schloss Viechtenstein in Oberösterreich.
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Da es unter Adeligen nicht nur im Mittelalter keine Liebesheiraten gibt, sondern alles einem Machtkalül unterworfen ist, wird Dietrich mit Adelheid von Babenberg/Österreich vermählt. Als Mitgift erhält er die Grafschaft Kreuzenstein. Für ihn zahlt es sich also aus.
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Die Beziehung von Heinrich's Cousine Tuta mit Béla I, dem König von Ungarn, ist hingegen ein Image-Gewinn für die Formbachs. Dabei zählt nicht, ob sie ihm Sophie und Lambert als Gattin oder als Konkubine gebiert. Jedenfalls gelten auch sie als ungarische Königskinder.
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„Exzellenz Béla, Du warst nach Deinem älteren Bruder, dem ungarischen König Andreas I, berechtigt, ihn als König zu beerben. Warum funktionierte das nicht so sang- und klanglos?"
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„Wieso soll ich das gerade Dir erzählen?"
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„Ich bin eben ein entfernter Verwandter, der auch nach Deinem Tod über Dich reden will."
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„Um als Àrpáde standesgemäß leben zu können, heiratete ich 1045 Richeza, eine Tochter des polnischen Königs Mieszko II, lebte in Polen und half meinem Schwager Kasimir, seine Stellung zu festigen. 1048 wurde ich zum Herzog von Nitra in der Slowakei. Zum König von Ungarn allerdings krönte mein Bruder Andreas I seinen Sohn, meinen Neffen Salomon.
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Nach dem Senioriatsprinzip fühlte ich mich hintergangen und besiegte mit Hilfe polnischer Truppen das ungarische Heer, um mein Recht durchzusetzen. Als Andreas auf der Flucht fiel, übernahm ich 1060 die Würde des ungarischen Königs."
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„Da gab es doch auch Probleme bei der Christianisierung?"
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„Zur Stabilisierung meiner Position berief ich einen Landtag mit den jeweils zwei Ältesten jeden Ortes ein. Dabei kam es zu Tumulten, bei denen ich gedrängt wurde, wieder zum Heidentum zurückzukehren. Da ich mir das nicht gefallen lassen wollte, löste ich den Landtag gewaltsam auf und beharrte, unterstützt vom ungarischen Adel, auf der Bekehrung zum Christentum."
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1063 starb Béla, als - der Sage nach - sein hölzerner Königsthron unter ihm zusammenbrach. Danach kam sein Neffe und Gegenkönig Salomon mit Hilfe der Deutschen an die Königsmacht, nicht seine eigenen Kinder, wie von Béla beabsichtigt.
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Meine Überlegungen aus heutiger Sicht:
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Warum konnten diese lockeren Machtwechsel mit Schlössern und Kathedralen überhaupt passieren? Es waren doch die einfachen Menschen, die mit Ackerbau, Viehzucht und Handwerk die wirtschaftliche Grundlage schufen. Sie mussten, sofern sie nicht gerade in irgendeinem Krieg für die Interessen der Herrschenden kämpften, alle diese Gebäude für die jeweilige Herrschaft errichten, anstatt sich selber eine angemessene Bleibe zu verschaffen und verdienten Wohlstand zu genießen.
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