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Episode 13

16. 08. 2024

Automobile

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
Hellmut Weißinger
Maria Josefa Weißinger geb. Sokop
*1916; †1992
*1885; †1965

Inas Vater
Inas Großmutter
Ein erster Versuch ein Fahrzeug zu entwickeln, welches über Straßen und Wege fahren konnte und so entweder schwere Lasten ziehen oder Personen transportieren sollte, ist auf den Universalgelehrten aus der Frühneuzeit zurückzuführen: Leonardo da Vinci. Er beschrieb bereits ca. 1495 ein dreirädriges Fahrzeug, welches durch einen aufziehbaren Uhrenmotor angetrieben werde sollte.
Dann aber war lange Zeit Stille bei diesem Projekt, bis es im 18. Jahrhundert wieder akut wurde.
Der Franzose Nicholas Cugnot entwickelte 1769 den Fardier, einen Dampfwangen für den Zweck, Kanonen zu transportieren. Das von einer Dampfmaschine betriebene Kraftfahrzeug soll jedoch äußerst schwer zu lenken gewesen sein. Deswegen verunfallte Cugnot 1771 mit dem ersten Auto, dem behäbigen Dampfwagen.


Als erstes Elektrofahrzeug gilt das Trouvé Tricycle des Franzosen Gustave Trouvé. Er verwendete ein dreirädriges Fahrrad, an dem er unter die Achse modifizierte Siemens-Motoren montierte und das linke große Rad über eine Kette antrieb. Er stellte es bereits 1881, fünf Jahre vor dem Benz-Motorwagen 1 vor. Damit ist er 12 km/h gefahren.
Amédée Bollée baute 1873 sein erstes Dampfauto "die Gehorsame" (l’Obéissante) und fuhr mit diesem 1875 von Le Mans nach Paris, wofür er unterwegs 75 polizeiliche Verwarnungen bekam. Für die deswegen von ihm (neu) erfundene Achsschenkellenkung (1806 Lankensperger) bekam er 1875 in Frankreich ein Patent. (Foto 1875)
1885 baute Carl Benz das erste Automobil mit einem Viertaktmotor und elektrischer Summerzündung, mit gelenktem Vorderrad, den Benz Patent-Motorwagen Nummer 1, ein dreirädriges Fahrzeug. Das Fahrzeug hatte einen im Heck angeordneten, liegenden schiebergesteuerten Einzylinder-Viertaktmotor, der Benz zufolge bei einer Drehzahl von 250/min 16 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichte.
Am 1. August 1888 erhielt er die erste Fahrerlaubnis der Welt. Wenige Tage später unternahm seine Ehefrau Bertha mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 die erste erfolgreiche automobile Fernfahrt: Sie fuhr mit ihren Söhnen Eugen und Richard von Mannheim etwa 104 km in ihre Geburtsstadt Pforzheim, wo sie nach 12 Stunden und 57 Minuten ankam, und wieder zurück. (Foto links). Rechts ein Modell aus dem Jahr 1886.
1898 stellt ein Franzose den Geschwindigkeitsrekord von 63 km/h auf. Aber 1905 wird die Maximalgeschwindigkeit auf 45 km/h auf der Landstraße und 15 km/h im Ortsgebiet festgelegt.
Die Einführung der KFZ-Kennzeichen zur Nachverfolgung der Unfallursachen aufgrund von Geschwindigkeitsüberschreitungen ist nicht einfach, weil aristokratische Herrenfahrer Nummerntafeln als Beleidigung empfinden. 1906 jedoch lässt sich Erzherzog Eugen das erste Kennzeichen zuteilen: A1.
1910 ereignet sich ein schwerer Verkehrsunfall. Der Chauffeur einer der 2.500 Limousinen in Wien lädt nach seiner Zeche(!) in einem Wiener Gasthof Kellnerinnen von dort zur Spazierfahrt ein. Auf der Straße nach Neuwaldegg fährt er eine Kurve zu scharf an. Seine vier Mitfahrenden fliegen in großem Bogen aus dem Auto. Zwei von den Kellnerinnen sind sofort tot. Die beiden anderen Insassen sind schwer verletzt, der Chauffeur selber hat keine Schramme.
1932 wird von Gesamt-Österreich verlangt, vom k.k. Links- auf den Rechtsverkehr umzuschwenken, was Wien wegen der hohen Kosten zunächst verweigert. Aber ab September 1938 fahren dann alle Österreicher wie die Deutschen rechts.
Anlässlich der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich am 13. März 1938 ergibt sich die Frage: „Hat Hitler bei seiner Einreise am Tag zuvor an der Grenze die Straßenseite gewechselt?“
Ein Schlagbaum wird jedenfalls abmontiert.
"Lieber Schwiegervater, Ina erzählte mir, dass Deine Mutter bei einem Verkehrsunfall gestorben ist. Was kannst Du mir dazu sagen?"
"An der Kreuzung Wien 15, Mariahilferstraße / Maria- hilfergürtel fuhr ein hemmungsloser Fahrzeuglenker bei Rot über die Kreuzung. In der Folge streifte er ein anderes Auto. Er schlitterte auf meine Mutter zu. Sie wurde 15 Meter weggeschleudert und starb noch an der Unfallstelle. Wie wir erst im Nachhinein erfahren haben, war er nicht betrunken gewesen, sondern hatte eben erst erfahren, dass er Vater wird.
Das war am 6. Dezember 1965, zwei Wochen nachdem sie 80 Jahre alt geworden war."
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