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Episode 69

6.2.2026

Eine Burg brauche ich nicht

Gerhard von Kunstadt und Deblin *?; †1350 der mächtigste Herr von Kunstadt
mein 18-facher Urgroßvater
Anna von Kunstadt und Deblin (geb. von Neuhaus) *1276; †1336 - meine 19-fache Urgroßmutter
Ulrich von Neuhaus II. *1250; †1312 - mein 20-facher Urgroßvater
Marie Magdalena von Neuhaus (geb. von Plain-Hardegg) *1224; †1299 -
meine 21-fache Urgroßmutter
Konrad I. von Plain-Hardegg *1185; †1250 - mein 22-facher Urgroßvater
andere Linien (nicht zu Judiths Vorfahren):
Bocek von Podiebrad *1110; †? - mein 23-facher Urgroßvater
Witigo I. von Pertschitz und Rosenberg *1136; †1194 - mein 23-facher Urgroßvater
Legende für Farben: von Kunstadt, von Neuhaus, von Plain-Hardegg, von Rosenberg, besondere Merkmale
„Edler Herr Gerhard, Ihr seid ein Kunstadt und habt riesige Besitztümer. Ich kann mir das gar nicht vorstellen.“
„Mein Großvater, der auch Gerhard hieß, war ein Vertrauter des Königs. Mein Vater Kuna errichtete unsere Burg Kunstadt und gab unserem Geschlecht den Namen. Durch die kluge Verbindung meines Vaters zu meiner Mutter Anna von Neuhaus und deren Vorfahren, die uns Ansprüche an die Gebiete der Grafen von Plain-Hardegg sicherte, konnte ich schon viel Herrschaftsgebiet übernehmen. Ich selbst habe dieses Erbe gefestigt: Meine erste Gemahlin brachte mir die stolze Herrschaft Deblín ein, und meine zweite Frau, Klara, weitete unseren Einfluss mit ihren Gütern bis nach Dürnholz im Süden aus.“
🩸 Konrad I. + Marie Magdalena von Plain-Hardegg
Plainburg (bei Salzburg)
Hardegg (bei Znaim)
🩸 Oldrich II. + Anna von Neuhaus (bei Budweis)
🩸 Gerhard von Kunstadt + Deblin (bei Brünn)
l.o.: Burgruine Plain
l.u.: Burg Neuhaus
r. u.: Burgruine Hardegg
rechts: Burg Kunstadt
u.: Kirche ü. Burg Deblin
„Wenn ich mir, edler Herr Gerhard, Euer erfolgreiches Machtstreben durch den Kopf gehen lasse, wird mir tatsächlich schwindlig. Wie ich Euch erzählt habe, habe ich zwar im Jahr 2026 eine ausreichend gutes Einkommen aus meiner Pension, meinem 'Altenteil', aber das, was Ihr auf Eure fünf Söhne aufzuteilen plant, finde ich sehr großzügig.“
„Wenn diese Besitztümer nun einmal da sind, muss ich sie, wie es mir schon mein vierfacher Urgroßvater Witiko I. demonstriert hat, geordnet auf meine Söhne aufteilen. Deine Eltern haben Dir nichts hinterlassen. Dein beinamputierter Vater und Deine fast blinde Mutter waren arm. So wundert es mich umso mehr, dass Du trotzdem so weit in der Welt herumgekommen bist, in Länder, die ich nicht einmal kenne: Grönland im Norden, Kalifornien im Westen, Südafrika im Süden und Oman im Osten, wie Du mir geschildert hast. Wahrlich, das ist eine Leistung, die selbst mir, einem Herrn von Kunstadt, Bewunderung abringt. Alle Achtung!“
„Über Euren Vater Kuna von Obern konnte ich Eure Ahnenreihe bis zu Bocek von Podiebrad, einem Burggrafen in Olmütz, geboren um 1110, erforschen. Da ich aber meiner Großcousine Judith versprochen habe, ihr zu zeigen, dass wir auch über meine Mutter blutsverwandt sind, werde ich ab jetzt unsere Ahnenlinie über Eure Mutter Anna von Neuhaus weiterverfolgen.“
„Da bin ich aber wirklich gespannt.“
Neuhaus - Kunstadt - Deblin (v.l.n.r.)
„Eure Hochwohlgeboren, edle Frau Anna von Kunstadt, Mutter meines Gesprächspartner Gerhard und Tochter von Ulrich II. von Neuhaus, seid also in der Nähe von Budweis geboren und lebt jetzt bei Brünn. Gefällt es Euch hier?“
„In meiner Stellung mangelt es mir an nichts, was den Glanz betrifft. Deinen Schilderungen entnehme ich jedoch, dass nicht nur noble, sondern sogar ganz gewöhnliche Frauen unbeschwerter emotionale Geborgenheit finden und problemloser ihr eigenes Schicksal lenken können als ich. Es ist also nicht alles Gold, was glänzt!“
„Erlauchter Herr Ulrich II. von Neuhaus, Ihr seid der Vater von dieser Anna und der Ur-Urgroßenkel von Witigo I. von Pertschitz und Rosenberg. Der war treuer Truchsess von Königen und Herzögen, Lehensherr vieler Ländereien und der Begründer der Witigonen. Wie aber verteilte er seine Macht auf die fünf Häuser mit den Rosen?“
„Auf seine fünf Söhne: Mein Urgroßvater Heinrich empfing die goldene Rose von Neuhaus. Sein Bruder Witigo II. erhielt Krumau, während Witigo III. in seiner Nähe die Burg Rosenberg errichten konnte. Ein weiterer Bruder, Witigo IV., war berechtigt und verpflichtet, die Grenzen um Landstein zu schützen. Und Sezema, von dem es insgeheim heißt, dass er ein Halbbruder war, gebot über Usti und Straß.
Dass es in der Familie von Witigo I. von Pertschitz neben Egons direktem Vorfahren Heinrich drei Brüder gibt, die Witigo heißen: II., III. und IV., ist auf diese Aufteilung der Erbschaft zurückzuführen. Witigo ist eben das Markenzeichen in der Familie der 'Witigonen' bei Brüdern, die in Zukunft andere (von-) 'Nachnamen' erhielten. Bezeichnenderweise ist der Name des unehelichen Kindes Sezema. Das bringt immer etwas zum Nachdenken bei den Witigonen.
„Hochwerter Herr Konrad I. von Plain-Hardegg, Großvater von Ulrich II., wie kommt es, dass Ihr nicht nur über die Grafschaften Plain bei Salzburg, sondern auch Hardegg bei Znaim im weit entfernten Osten bestimmt?“
„Mein Onkel Liutpold II. hat 1167 im Auftrag von Kaiser Friedrich Barbarossa die Reichsacht gegen den Erzbischof von Salzburg, der den kaiserlichen Gegenpapst nicht anerkennen wollte, unbarmherzig und vielfach brutal vollstreckt. Zum Dank für diesen Dienst im Namen des Reiches erhielt er Hardegg an der mährischen Grenze als Lehen.“
„Eine solche Vorgehensweise ist mir eher fremd. Selbst wenn ich in der Lage wäre, eine solche Reichsacht zu vollstrecken, ich wäre in solch einer Situation komplett verloren. Für mich ist das eine eigenartige Diplomatie, wenn sie nicht nur über Heiratspolitik, die es Eurer Tochter Maria Magdalena durch ihre Hochzeit mit Oldrich I. von Neuhaus emöglichte, in Südböhmen an der Macht zu sein, sondern auch über bewaffnete Angriffe läuft.“
„Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Du so ganz ohne Besitztümer, nicht einmal ein eigenes Haus, leben kannst. Dafür hast Du meinen vollen Respekt.“
„Ich habe Euch nun viel aus meinem Leben erzählt. Zum Schluss kann ich Euch noch berichten, dass Euer Enkel Ulrich II. durch seine Heirat mit Mechtild von Schaunberg Euer Herrschaftsgebiet auch auf das Land ob der Enns ausgeweitet hat.“
„Das ist erfreulich. Interessant – sogar sehr interessant – wäre für mich allerdings zu wissen, in wessen Besitz unsere Gebiete zu Deiner Zeit sind!“
Bitscho (Boček), Deblin (Deblín), Dürnholz (Drnholec), Krumau (Český Krumlov), Kunstadt (Kunštát), Landstein (Landštejn), Neuhaus (Jindřichův Hradec), Obern (Obřany), Pertschitz (Sedlec-Prčice), Rosenberg (Rožmberk), Straß (Stráž nad Nežárkou), Usti (Sezimovo Ústí)
Quellen: Wikipedia, MyHeritage, Geni
Reaktion zu Episode 68:
Judith (meine Großcousine): Ich bin so stolz auf dich und ich erlebe bei deinen Erzählungen die Vergangenheit. Die Episoden sind bereits in einem dicken Ordner gelandet und werden meinen Kindern und Enkelkindern hoffentlich später einmal gleich viel Freude bereiten wie mir. Im Übrigen erlaube ich mir, deine Episoden, die unsere Familie betreffen, an meinen Bruder Robert in North Carolina zu senden, der sie mit ebenso großem Interesse liest wie ich.