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Episode 61

17.10.2025

Der Schweizer Ursprung

Wer mehr über mein Hobby, die Grundlage für »Wie war's? Erzähl!«, von mir persönlich hören will, kann es unter folgendem Link tun:
https://kulturpodcast15.podigee.io/93-die-freuden-der-genealogie
Alois Biechl *1899; †1979 – mein Vater
Hilda Kratzer (Biechl) *1928; †2021 – meine Cousine
Judith Gitterle (Wells) *1956 – ihre Tochter
Justinian Holden *1625; †1691 Immigrant aus England
Judiths 7-facher Urgroßvater
Thomas de Lewknor *1392; †1452 Knight und Sheriff von Sussex und Surrey
Judiths 15-facher Urgroßvater
William de Grandison * ?; †1335 Baron Deputy Justiciar von Nordwales, Parlamentsabgeordneter, Immigrant aus der Schweiz – Judiths 20-facher Urgroßvater
Otho de Grandison *1238; †1328 Justiciar von Nordwalesdessen Bruder
Legende für Farben: Österreicher, Amerikaner, Engländer, Schweizer, besondere Merkmale
„Liebe Judith, wir gehen weitere 5 Generationen und ca. 150 Jahre zurück in die Vergangenheit. Aus Österreich landen wir über Amerika und England um das Jahr 1250 in der Schweiz.“
„Und was erwartest Du Dir von dieser neuen Wende?“
„Lass Dich überraschen!“
„Du machst es ja sehr spannend.“
„Lord William Grandison, Ihre Familie stammt aus der Schweizer Waadt, nahe Lausanne. Wie kommt es, dass Sie eine so hervorragende Rolle im englischen Adel spielen?“
Geschlecht Grandison
„Das ist leicht verständlich. Mein Vater Pierre von Grandson hat dieselben Ur-Ur-Ur-Ur-Großeltern wie König Heinrich III. und dieselben Ur-Ur-Großeltern wie dessen Frau Eleonore von der Provence. Jedenfalls sind er und damit auch ich blutsverwandt mit beiden. Speziell Königin Eleonore förderte die Einbindung der Adelsgeschlechter von Savoyen, Provence und Grandson, oft gegen die Interessen und sogar Intrigen der englischen Hochadeligen.“
Der Chief Justiciar war der königliche Stellvertreter in den neu eroberten Gebieten und übte dort fast vizekönigliche Macht aus, insbesondere in Nordwales.
Die Bauaufsicht war besonders wichtig, da die sechs großen Burgen des Eisernen Ringes (Caernarfon, Conwy etc.) zur Sicherung der Macht von Eduard I. gebaut wurden. In der neuen, noch sehr unsicheren Eroberungsprovinz war eine zentrale, starke königliche Autorität unverzichtbar.
Das Parlament von 1295 gilt als das Model Parliament, weil seine Zusammensetzung als Muster für fast alle späteren Parlamente diente. Es bestand nämlich aus
Klerus (Bischöfen, Äbten), Adel (Baronen und Earls) und Commons, also je zwei Ritter aus jeder Grafschaft und je zwei Bürger/Burgesses aus jeder Stadt.
König Eduard I., Sohn von Heinrich III. und Vater von Eduard II.
„Sie sind wesentlich jünger als Ihr Bruder Otho, der 1284 zum Chief Justiciar von Nordwales ernannt wurde, nachdem er an beiden siegreichen Feldzügen von König Eduard I. gegen Wales zwischen 1277 und 1283 teilgenommen hatte.“
„Ich erreichte zwar nie die grandiose Position meines Bruders, folgte ihm jedoch in vielen Ämtern nach. So wurde ich 1287 zu Othos Stellvertreter, zum Deputy Justiciar, in Caernarfon Castle, der Hauptstadt von Nordwales, als der ich seine Agenden fast vollständig übernahm. So überwachte ich ganz allein den Bau des Eisernen Rings von Eduard I. Otho war nämlich dauernd mit Diplomaten-Aufgaben beschäftigt und nicht in England und schon gar nicht in Nordwales.
1294 allerdings enteignete man mich zu Beginn des Gascone-Kriegs als potentiell feindlichen Ausländer aus Savoyen/Burgund. Dank Intervention meines direkten Vorgesetzten, Prinz Edmund von Lancester, dem Bruder des Königs, der mich als loyalen Gefolgsmann lobend beurteilte, wurde ich wieder in meine Herrschaft eingesetzt. 1299 wurde ich sogar zum ersten Baron von Grandison, angliziert vom savoyanischen Grandson, und damit Mitglied des englischen Parlaments ernannt.“
„Sie wurden doch noch ein zweites Mal enteignet. Warum?“
„Die Enteignung stand im Zusammenhang mit der Lancaster-Rebellion von 1322. König Eduard II. ließ die Ländereien aller beschlagnahmen, die Thomas, dem Sohn von Edmund, Cousin von Eduard II., auch nach seiner Hinrichtung die Treue hielten. Die Erklärung meiner Abwesenheit im Kampf gegen die Rebellen von Lancester aufgrund von Krankheit wurde als Entschuldigung akzeptiert, um die Gunst des Königs zurückzugewinnen. Die einzige Auflage, um die beschlagnahmten Ländereien wieder zu erhalten, war, dass ich Truppen und Zahlungen für den Kriegszug bereitstelle.“
„Liebe Judith, weil Williams Bruder Otho nicht zu Deinen geradlinig blutsverwandten Vorfahren gehört, also nur Dein 20-facher Urgroßonkel ist, fragen wir doch William, was es über ihn zu sagen gibt. Otho selber gäbe sich als Diplomat ohnehin zu bescheiden und als weltberühmter Hochadeliger zu überschwänglich.“
„Wenn Du meinst.“
„Lord William, was können Sie uns über Ihren älteren Bruder Otho erzählen?“
„Er zog schon sehr bald an den englischen Hof und entwickelte sich dort zum besten Freund von Thronfolger Edward, dem späteren König Eduard I. Die beiden wurden gemeinsam zum Ritter geschlagen.
1271 begleitete Otho den Thronfolger auf seinem Kreuzzug. Dieser Krteuzzug litt unter immensen Kosten und der Tatsache, dass der französische König Ludwig IX. an der Ruhr oder Dysenterie gestorben und damit der Achte Kreuzzug beendet war. Mit einer geringen Heeresstärke von nur etwa 1000 Kämpfern, erzielte Edward auf seinem, dem Neunten Kreuzzug, kaum militärische Erfolge gegen die zahlenmäßig überlegenen ägyptischen Mamluken, sodass er mit dem Sultan Baibars einen zehnjährigen Waffenstillstand schloss, um sein, vorab dem Papst gegebenes Kreuzfahrtsgelübde, zu erfüllen.
Während dieses Feldzugs wurde der für diese Zeit mit 1,88 m ungewöhnlich große und deshalb »Langschenkel« genannte Edward von einem vergifteten Pfeil getroffen. Die Legende besagt, dass entweder seine Ehefrau Eleonore von Kastilien oder mein Bruder Otho das Gift aus seiner Wunde saugte, um sein Leben zu retten.
Auf der Heimreise erfuhr Edward in Sizilien, dass sein Vater Heinrich III. gestorben und er jetzt der König war. Nichtsdestotrotz ließ er sich bei seiner Fahrt durch Italien und Frankreich fast zwei Jahre Zeit, ehe er 1274 in der Westminster Abbey gekrönt wurde.
Nach der Rückkehr aus dem Heiligen Land wurde mein Bruder mit zahlreichen Ehrungen und Gütern in England, Schottland und Irland überhäuft.“
Belagerung von Akkon im Neunten Kreuzzug im Jahr 1291
Im Jahr 1291 erhielt Otho während der Belagerung von Akkon den Oberbefehl über ein kleines englisches Kontingent, das von der ebenso kleinen französischen Einheit aus dem Achten Kreuzzug unter König Ludwig IX. unterstützt wurde. Diese bildeten jedoch nur einen Bruchteil der gesamten christlichen Streitmacht von etwa 15.000 Kämpfern. Der Großteil der Truppen wurde von den Königreichen Jerusalem und Zypern sowie den christlichen Ritterorden (Templer, Johanniter, Deutscher Orden und Lazarus-Orden) gestellt.
Angesichts einer massiven Übermacht von bis zu 220.000 mamlukischen Soldaten unter Sultan Baibars war die Stadt Akkon im Nordwesten des heutigen Israel nicht zu halten. Mit dem Fall von Akkon, der letzten bedeutenden Festung der Kreuzfahrer, endeten die Kreuzzüge im Heiligen Land.
„Was machte Dein Bruder außerhalb seiner militärischen Einsätze?“
„Otho war, wie schon erwähnt, in ganz Europa unterwegs und pflegte diplomatische Kontakte zu fast allen europäischen Herrschern. An der päpstlichen Kurie fungierte er als Gesandter und Prokurator des englischen Königs. Gelegentlich war er sogar als Berater für mehrere Päpste, beginnend mit Gregor X. (1271–1276) über Honorius IV. (1285–1287) bis hin zu Clemens V. (1305–1314) tätig.“
Papst Gregor X.
Nach dem Tod von König Eduard I. 1307 kehrte Otho nach Grandson in der Schweiz zurück, wo er sich lokalen Agenden widmete und seine vielen weitläufigen Güter verwaltete. 1328 starb er ohne legitime lebende Erben, sodass seine englischen Besitztümer an William von Grandison übergingen.
William de Grandison war zweimal verheiratet. Seine erste Ehefrau war Jeanette de Gruyère, mit der er mindestens eine Tochter namens Agnes hatte. Von dieser Agnes ist bekannt, dass sie die 19-fache Urgroßmutter von Judith ist.
Seine zweite Ehefrau war Sybil de Tregoz, mit der er zahlreiche Kinder hatte. Es ist unbestritten, dass aus dieser Ehe mindestens vier Söhne und eine Tochter stammten, die in kirchlichen Berufen wie Bischof, Erzdiakon, Kleriker und Nonne tätig waren William hatte zudem von Sybil eine Tochter, die ebenfalls den Namen Agnes trug.
„Liebe Judith, Du siehst, dass es neben einigen Unsicherheiten wie Kinderzahl oder legendäre Rettung vom Gifttod, viele allgemein anerkannte Schilderungen von Tatsachen gibt.“
Quellen: Wikipedia, MyHeritage, Geni
Antal Braunecker: In der Recherche zwischen 2 Agnessen, die denselben Vater, aber verschiedene Mütter hatten, zu unterscheiden, und das aus einer Zeit vor 700 Jahren : Das ist ein genealogisches Meisterstück !
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