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Großmütter, Schlösser, Kirchen
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Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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Josefa Schmid geb. Uitz Julianne Uitzová
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Im Jahr 1863, knapp bevor 1866 in Indien 1,5 Millionen und in Finnland 150.000 Menschen in Hungerkatastrophen starben, herrschte auch in Ungarn eine Hungersnot. Die ärmlichen Verhältnisse waren unvorstellbar.
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Dann, ab 1867, dem Gründungsjahr der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, waren die Bewohner des deutschsprachigen Westungarn schlimmen Repressalien der Ungarn ausgesetzt. Beispielsweise durfte der Ort Neudörfl (bei Wiener Neustadt) nur mehr "Lajtaszentmiklós" genannt werden.
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Im Gegensatz dazu waren in Ungarn viele der in der gemeinsamen Donaumonarchie verbotenen politischen Strömungen wie die - mit dem stets problematischen Verhältnis zu den einzelnen Religionen behaftete - Freimaurerei und der Sozialismus zugelassen.
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So konnte hier in Neudörfl 1872 die freimaurerische Grenzloge Humanitas, die sich die Pflege von Findel- und Waisenkindern zum Ziel gesetzt hatte, gegründet werden.
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Und 1874 war es auch möglich, die in Österreich untersagte Zusammenkunft sozialistischer Vereine bei einer Delegiertenkonferenz in Neudörfl abzuhalten und dabei die Voraussetzungen für die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs zum Jahreswechsel 1888/1889 zu schaffen.
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Auch das weitaus weniger prominente Neuhaus am Klausenbach, Wohnort der Familie Uitz, durfte jetzt per Dekret nur mehr als "Vasdobra" bezeichnet werden. Es galt die absolute Magyarisierung. Alles, vor allem Amtliches, musste in Ungarisch erfolgen. Schon ab der ersten Klasse Volksschule bestand die Pflicht, alle Gegenstände in ungarischer Sprache zu unterrichten. Zuwiderhandeln wurde mit strengen Strafen geahndet.
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Julianna Uitzova, meine Urgroßmutter gebar 1871 Maria, meine Großmutter, und 1874 Josefa. Beide mussten ohne den Schutzschirm des Selbstwertgefühls einer eigenen Muttersprache aufwachsen.
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"Liebe Oma, wie kamst Du mit dieser Situation zurecht?"
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"Egon, mein lieber Enkel, dass Josefa und ich unseren Vater nur vom Hörensagen kennen, ist nichts Ungewöhnliches. Aber kannst Du Dir vorstellen, dass Du in Deinem Heimatort nicht Deine Sprache verwenden darfst, sondern nur mehr eine fremde? Westlich von uns spricht man nur Deutsch und östlich nur Ungarisch. Kannst Du verstehen, dass wir zutiefst empört sind? Da kann unser Ort mit den historischen Schlössern noch so interessant sein. Auch religiöse Freizügigkeit - wir haben sowohl eine katholische als auch eine evangelische Kirche - kann das nicht wettmachen."
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"Liebe Oma, welcher Konfession gehörst Du an?"
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"Ich bin und bleibe evangelisch, wenn auch Dein Opa Gottfried katholisch ist."
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1157 wird die Burg "novum castrum" (1683 zu Deutsch "Neuheusl") erstmals in der Gründungsurkunde des Benediktinerklosters Güssing erwähnt.
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1278 wird sie nach ihrer Zerstörung als „Castrum Dobra“ ("dobra voda" = gutes Wasser in Slawisch) wieder errichtet. 1387 verkauft sie König Sigismund von Luxemburg an Nicholas Széchy.
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1469 wird Schloss Dobra teilweise zerstört, was zum Bau von Schloss Tabor führt. 1577 gelangen beide Burgen durch die Heirat der Szechy-Tochter Maria Magdalena von Salm-Neuburg in den Besitz von Ladislaus III. Popel von Lobkowitz.
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1607 schließlich erbt Ferenc II. Batthyány beide Schlösser.
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In der Zeit von Kaiser Joseph II. um 1780 wird eine Dachsteuer, bemessen auf die Deckfläche von Gebäuden, eingeführt. Um sich diese Steuer zu ersparen, wird die nicht mehr ganz so stolze Burg Dobra abgedeckt und dem Verfall preisgegeben.
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Schloss Tabor wird zum Sitz der herrschaftlichen Gutsverwaltung.
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Historisches Schloss Neuhaus Dobra, jetzt Ruine+ + + + + + + Derzeitige Burg Tabor
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Mit den Schlossherren Ferenc II. Batthány und Miklos II. v. Széchy bin ich über meine 13-fache Urgroßmutter Anna ze Zerotina †1563 verwandt.
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Das Geschlecht der Batthyánys
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Die Batthyánys sind ein einflussreiches Geschlecht. Das zeigt sich auch darin, dass einer der Gutsherren von Neuhaus, Lajos Batthyány, sieben Tage nach dem Ausbruch des ungarischen Unabhängigkeitskriegs 1848/1849, beschlossen im ungarischen Landtag in Pressburg, zum ungarischer Ministerpräsident wird. Dabei vertritt er die äußerst hoch gesteckten nationalen Ambitionen Ungarns, obwohl weit weniger radikal als sein Finanzminister und spätere ungarische Nationalheld Lajos Kossuth.
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Im Gegensatz zu Kossuth wird hingegen Batthyány im Oktober 1849 zusammen mit 13 anderen ungarischen Generälen, den "Märtyrern von Arad", hingerichtet.
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Da die österreichischen Offiziere diese Hinrichtung beim Anstoßen mit Bier feierten, war es danach in Ungarn verpönt, mit Bier anzustoßen.
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Hinrichtung von Ministerpräsident Lajos Battyány 1849 in Pest
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Der Protestantismus in Ungarn
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Obwohl Maximilian II., der mit der evangelischen Konfession liebäugelte, 1562, also noch bevor er zum Kaiser gekrönt wurde, dem Luthertum abschwören musste, machte Balthasar III. Batthyany 1570 den Familiensitz Güssing zum evangelischen Mittelpunkt der Region. Sein Sohn, der - oben erwähnte - Ferenz Batthyány II., seit 1607 Eigentümer der Schlösser Dobra und Tabor, war Calvinist und stellte sich zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs auf die Seite des protestantischen siebenbürgischen Fürsten Gábor Bethlen. Daraufhin wuchsen die Evangelischen in den 150 Jahren von 1520 bis 1670 immerhin auf 19% der ungarischen Bevölkerung an.
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Gerti: "Es sind wirklich geschichtlche Rückführungen. Manches gewußt - manchen gelernt, aber jetzt viel Neues erfahren.
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Martin: "Das Foto der Burg ist nicht richtig, die Abgebildete Burg ist die Burg Dobra - jetzt Burgruine in Pölla. Hier eine Zeichnung, die den Angaben entspricht."
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Harald Friedrich: „Es gibt Parallelen zu meiner Familie. Die lebte zuletzt im Südburgenland in Pinkafeld, väterlicher- wie mütterlicherseits.Auch meine Großeltern mussten zweisprachig sein Aus Erzählungen kann ich mich erinnern, daß man in der Bürgerschule in Pinkafeld nur Ungarisch reden durfte. Sonst gabs Watschen. Amtssprache war Ungarisch, zuhause redete man Deutsch. In den Siebzigerjahren erzählte mir ein ehemaliger Lehrer, daß er nach dem 1. Weltkrieg, 1919 in Hochart bei Pinkafeld seine erste Klasse unterrichtete. Die Kinder hatten vorher einen Lehrer aus Ungarn, der nur in Ungarisch unterrichtete, was die Kinder nicht verstanden. Dem Lehrer was das scheinbar egal. Der neue Lehrer hatte dann genug zu tun, seinen Kindern Lesen und Schreiben beizubringen. Die Hocharter betrieben kleine Landwirtschaften und die Männer arbeiteten in Wien auch schon zu Monarchiezeiten am Bau. Bei Behörden-wegen machten sich die ungarischen Beamten über die 'blöden' Einheimischen lustig, da diese nur schlecht Ungarisch sprachen.
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Evangelische gibt/gab es in Pinkafeld ca. 20-25%, vor meiner Zeit sogar in getrennten Volksschulen. Ein sehr interessanter Religionslehrer in der HTL in Wien erklärte einmal, daß die Gegenreformation im ungarischen Teil von den Türken verhindert wurde. Mein Urgroßvater mütterlicherseits, Nikolaus Freyberger (er stammte aus Güns/Gözeg, das ebenfalls zu gut 80% deutschsprachig war) war sogar als Christdemokrat bei der Gründung des Burgenlandes Anfang 1920 dabei, auch kurz als 2. Landtagspräsident. Ein Schulfreund von mir, Hans Piff, hat übrigens ein Buch verfasst mit dem Titel „von Pinkafö nach Pinkafeld“; dabei wird oben genannte Problematik ebenfalls behandelt.“
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