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Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser diese Geschichten interessant finden.
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Maria Berger geb. Uitzová
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Ernestine Biechl geb. Berger Grete Ruckenthaler geb. Berger Frieda Hock geb. Berger
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Mein Großvater Gottfried wird im mährischen Klečůvka in Zlin-Zlínský geboren und lernt das Tischler-Handwerk, obwohl sein Vater František dort der Müllermeister ist. Aber bei rund 300 Einwohnern braucht man weder viele Tischler noch Zimmerleute und schon gar nicht zwei Müller. Er will weg, er muss weg. Innerhalb von Böhmen, Mähren und Ungarn, Transleithanien eben, ist ein Ortswechsel relativ einfach, also zieht er ins ungarische Vasdobra (Neuhaus am Klausen bach). Dort lernt er Maria Uitzova kennen und lieben. Er heiratet sie und bekommt von ihr 1894 ein Kind, Gottfried.
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Aber obwohl hier sechsmal so viele Einwohner sind, also zirka 1800, findet er auch hier kein Auskommen, sind doch alle sehr arm und deswegen auch nicht bereit, etwas zu investieren. Obwohl schon Maria's Urgroßvater hier lebte, will er mit seiner Familie westwärts nach Cisleithanien, in das "gelobte Land". Ihn hindert nichts daran, er hat keine Besitzungen. So zieht er 1901 mit Frau und Sohn weg von hier.
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Er weiß, dass sich seine Landsleute In Wien mühsam ihr Brot als Arbeiter an der Stadtmauer und den Ringstraßenbauten verdienen müssen.
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"Lieber Opa, das ist also der Grund, wieso Ihr schnurstracks nach Tirol weitergezogen seid?"
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"Ja, die Schwierigkeiten in Wien waren mir vom Hörensagen bewusst und für Amerika, wohin viele gerade jetzt auswanderten, fehlte uns einfach das Geld. Es war ein glücklicher Zufall, der uns in Tirol Zuflucht finden ließ."
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Josefa Schmd geb. Uitzova, Schwester von Maria Berger geb. Uitzova
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Gottfried Johann Berger – Großvater
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"Und Du, liebe Oma, warum warst Du damit einverstanden, obwohl Du wusstest, dass Tirol katholisch ist?"
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"Erstens hatte ich mehr Angst davor, dass es Gottfried, meinem Erstgeborenen, beim Schuleintritt so geht wie mir, nämlich nur in Ungarisch lernen zu dürfen.Und zweitens: die Konfession ist zwar wichtig, aber Christen sind wir ohnehin alle, sowohl in Ungarn als auch in Tirol. Ich durfte ja evangelisch bleiben. Dein Großvater verlangte von mir nicht, zum katholischen Glauben überzutreten, obwohl er selbst katholisch ist. Mein Argument für diesen meinen Entschluss war, dass ich als Frau für die Ausbildung unserer Kinder zuständig bin. Gemäß dieser meiner Überzeugung machte ich das also im Rahmen der evangelischen Minderheit hier in Innsbruck.
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Was Dich, lieber Egon, besonders interessieren wird: hier gebar ich 1905 Deine Mutter Ernestine als erstes von drei Mädchen. Auf sie folgten weitere zwei Töchter: 1910 Grete und 1913 Frieda."
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Auszug aus dem evangelischen Taufbuch zur Taufe meiner Mutter
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"Wie finanzierst Du, lieber Opa, Euren Lebensunterhalt in Tirol?"
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"Hier in Innsbruck arbeite ich in meinem Beruf als Tischlergeselle, obwohl das auch nicht sehr einträglich ist. Deswegen verdinge ich mich außerdem als Diener im vornehmen k.u.k. adeligen Damenstift. Schließlich bin ich Im 1562 gegründeten Akademischen Gymnasium, Schulwart.
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Ebendort maturiere ich, der jugendliche Egon, 1963 im Bundesgymnasium und 1. Bundesrealgymnasium, wie es jetzt heisst.
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Offizielle Innsbrucker Berufsaufzeichnungen knapp vor seinem Tod 1921
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1868 löst die österreisch-ungarische k. u. k.-Monarchie im Rahmen des Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn das Kaisertum Österreich, die k.k.-Monarchie, ab. Sie dauert bis zum Austritt Ungarns aus der Realunion am 31. Oktober 1918.
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In Wien leben zwischen 300.000 und 400.000 Tschechen, nur übertroffen von deren Anzahl in Prag. Hier arbeiten sie vor allem als "Ziegelböhm", die in den Ziegeleien ihr Geld verdienen müssen. Nicht so bekannt, aber nicht weniger arm, sind die "Gleisböhm", die die von etwa 100.000 Pferden verunreinigten Pflasterstraßen von Wien mit Mistschaufeln reinigen müssen. Für die Tramway-Geleise werden von ihnen auch die "Tramwayschienenritzenkratzer" eingesetzt.
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Begehrt ist der Beruf eines "Platzdieners", die in Wien "Dienstmänner" genannt werden. Ihre Botendienste sind »samt genauer Tarifliste« geregelt. Sie haben auch einen fest definierten Standort; am begehrtesten sind die Bahnhöfe. Sie haben »gepflegt« auszusehen, was sie von den »Strawanzern« und ihren Hilfstätigkeiten unterscheidet. Die Dienstmänner haben von sechs Uhr früh bis acht Uhr abends an ihrem Standort zu sein; viele sind so arm, dass sie allerdings nachts arbeiten, um sich tagsüber ein Bett zu mieten.
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Ein kaiserlicher Beschluss erlaubt es dann nur mehr Österreichern, diese Profession auszuüben. Die mehr als hundert ungarischen Dienstmänner sind arbeitslos und stehen vor dem Nichts.
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Auch eine Audienz beim Kaiser Fanz Joseph nützt vier ungarischen Proponenten, die vom Monarchen mit "Kinder, was wollt Ihr denn?" empfangen werden, nichts. Dem 30-jährigen Blasius Barnas aus Galizien nützt nicht einmal, sich vor die kaiserliche Equipage zu werfen. Er wird einfach in die psychiatrische Klinik gebracht.
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Quelle: Wiener Zeitung, Zeitreise 364 vom 7. Oktober 2016
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Entgegen der Behauptung meiner Großmutter ist das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den reformatorischen Glaubensgemeinschaften nicht so problemlos. Sogar das Konkordat zwischen der katholischen Kirche und dem Kaiserreich aus dem Jahr 1855 wird 1870 aufgelöst, als im Ersten Vatikanischen Konzil die Unfehlbarkeit des Papstes zum Dogma erhoben wird. Der römisch katholische Priester Alois Anton, wird 1871 wegen seiner Haltung zur Beichte angeklagt. In seiner Verteidigungsrede argumentiert er, "dass die Beichte bei der Absolution gegen Bares der gewinnsüchtigen Ausbeutung dient, und dass Priester im Beichtstuhl und auf der Kanzel unbeschränkt in ihrem Urteil sind und damit unter dem Deckmantel der Religion politischen Zwecken dienen."
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Das Gericht spricht ihn frei, er wird ein Anhänger des von der römisch katholischen Kirche 1871 exkommunizierten Theologen und Historikers Ignaz Ritter von Döllinger aus München. Zunächst wil er jedoch nur eine "romfreie Kultusgemeinde" innerhalb der römisch-katholischen Religion etablieren. Da sich in Wien aber an die 20.000 Menschen dafür interessieren, beschließt der Gemeinderat der Stadt Wien, ihm die Kapelle des Alten Rathauses zur Benutzung zur Verfügung zu stellen. Dort wird am Sonntag, dem 15. Oktober 1871, der erste altkatholische Gottesdienst abgehalten, dem 1877 die staatliche Anerkennung gegen die Missbilligung der Erzbischöfe von Wien und Prag folgt. Das Motto der Altkatholiken: Gottesdienste auf Deutsch statt in Latein, Bußandachten statt Ohrenbeichten und kein Zölibat.
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Quelle. Wiener Zeitung, Zeitreise Nr. 375 vom 1. September 2017 und Wikipedia
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