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Episode 41

14. 3. 2025

Ein »Abstecher« nach Amerika

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich, obwohl sie von mir manchmal nicht zu 100 % erreicht wird, wie professionelle Hinweise aufdecken. Die genealogischen Unterlagen sammle ich intensiv seit 2008, die allgemeinen historischen Tatsachen recherchiere ich von Woche zu Woche. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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Alois Biechl *1899; †1979 - mein Vater
Judith Wells-Biechl *1956; ? - seine Großnichte
William George Wells *1933; †2010 - ihr Vater
Maj. Henry Filmer *1607; †1673 - ihr 9-facher Urgroßvater
Sir Edward Filmer *1566; †1629 - ihr 10-facher Urgroßvater
Legende für Farben: Österreicher - Amerikaner - Engländer
„Dear William George, Vater meiner Großcousine, Du bist in unserer Familie »Der Amerikaner«, was kannst Du mir über Dich und Deine Vorfahren erzählen?“
„Egon, Du hast bereits in Deinen Episoden Nr. 9 und 10 einiges von mir und meinem innigen Verhältnis zu Deiner Cousine Hilde und zu unserer gemeinsamen Tochter Judith berichtet. Nach dem Boykott unseres Verhältnisses durch Judiths Mutter hatte ich in Mississippi vier Ehen und fünf Kinder. Was meine Ahnen anbelangt, beziehe ich mein Wissen von einem ähnlich begeisterten Genealogen, wie Du einer bist.“
„Ich weiß! Judith, Deine Tochter, gab mir diese Unterlagen. Ich baute damit meine Forschungsergebnisse aus und erkannte schließlich, dass wir nicht nur über meinen Vater, sondern auch über meine Mutter miteinander verwandt sind. Davon aber später! Du wirst staunen!“
„Das ist tatsächlich fast unvorstellbar!“
„Sir Edward Filmer, Sie waren eine ungemein wichtige Persönlichkeit im Elizabethanischen Zeitalter. Wollen Sie mir etwas über sich erzählen?“
„Gerne. Unsere adelige Familie hatte einen großen Gutsbesitz in East Sutton, Kent. Ich genoss bereits 1593 als »Justice of the Peace« die Wertschätzung von König James VI von Schottland, der mich gleich nach seinem Regierungsantritt als König James I von England und Irland 1603 zum Ritter schlug und mich auch für zwei Jahre zum »Sheriff of Kent« ernannte.“
„Sie lebten doch in der Zeit, als England die nord–amerikanische Ostküste erobern wollte?“
„Ganz richtig! Speziell mein Schwager Samuel Argall, der Bruder meiner Frau Elizabeth, war gleich im Jahr 1606 vor Ort, als unser König James eine Charta für die »Virginia Company« gründete. Damit konnte die verschuldete Krone die Kosten für die Besiedlung auf 13 Investoren auslagern und musste so weder Frankreich noch Spanien, die Nordamerika für sich kolonialisieren wollten, verärgern.“
»Virginia Company«
„Verlief alles erfolgreich?“
„Ja, wir fassten zunächst auf Mulberry Island schnell Fuß. Aber bereits 1609, als den eingeborenen Indianern klar wurde, dass wir nicht gekommen waren, nur um Handel zu treiben, sondern um ihr Land in Besitz zu nehmen, bekriegten sie uns im Ersten Anglo-Powhatan Krieg. Dabei kam es zu einer Hungersnot, der sogenannten »Starving Time«, in der die Einwanderer sogar Schnecken, Schlangen, Ratten, Mäuse, Katzen, Hunde – und Pferde ohnehin – aßen. Es kam sogar zu Kannibalismus. Von den 240 Siedlern gingen bis auf 60 alle durch Hunger und Krankheiten zu Tode, bis endlich Nachschub aus England kam. Die schlimmste Periode endete zwar 1610, aber der Krieg wurde erst mit der wohldurchdachten Entführung von Pocahontas, der Tochter des Indianer-Häuptlings, und ihrer Verheiratung an einen der Unseren beigelegt.
Trotz unseres Goldesels, dem erfolgreichen Handel mit Tabak aus der Karibik, blieb die finanzielle Situation prekär. 1622 kam es durch den Bruder der verstorbenen Pocahontas zum «Großen Jamestown Massacre«, bei dem diesmal 75% der Immigranten fielen.
1624 löste James I die »Virginia Company«, der zu Ende mein Schwager Samuel Argall vorstand, auf und machte das Gebiet zu einer königlichen Kolonie. Aber der Zweite und der Dritte «Anglo-Powhatan-Krieg« dauerten ab 1622 bis inklusive 1646.
»Starving Time« 1609-1610 in Virginia
Mulberry Island - Virginia
Sir Edward and Dame Elizabeth Filmer
(besser: Peninsula)
„Major Henry Filmer, Sohn von Sir Edward and Dame Elizabeth Filmer, warum entschlossen Sie sich, 1652 samt Familie nach Virginia auszuwandern?“
„Die Situation in England wurde immer heikler für uns Königstreue. Weil zu diesem Zeitpunkt meine Eltern schon gestorben waren, nützten wir die Gelegenheit und zogen mit Sack und Pack nach Amerika. Wir kauften uns neben dem 740 Hektar großen Gut unseres Freundes Emanuel Wills die Grundrechte für ein 400 Hektar großes Landpatent auf Mulberry Island, Warwick County. Aufgrund dieser Nachbarschaft unter Gleichrangigen konnten wir unsere Kinder, Elizabeth Filmer und John Wills, ebenbürtig miteinander verheiraten.“
„Worin bestand die heikle Situation in England?“
„Das »Long Parliament« mit 470 Mitgliedern wurde 1640 nach 11-jähriger Pause von König Charles I, dem Sohn von König James, endlich wieder einmal einberufen. Uns war klar, dass der Zweck dieser «Vorladung« der erforderliche formale Beschluss einer neuen Steuer war, die unser Königreich zur Finanzíerung der «Bishops' Wars« gegen Schottland haben wollte. Auch die meisten Parlamentarier hatten diese Situation erkannt. Es war also kein Wunder, dass die Repräsentanten des Volkes, die sogenannten »Roundheads«, von 1642 bis 1652 die drei Englischen Bürgerkriege gegen uns Königliche, die »Cavaliers« führten. Zu diesem Zweck hatten sie bereits 1645 die »New Model Army« gebildet, ein Berufsheer, das nicht nur – wie die von uns eingesetzten Streitkräfte – in den drei Königreichen separat eingesetzt werden durften, sondern in allen gleichzeitig.“
„Wer war erfolgreich in dieser Auseinandersetzung?“
„Das Parlament wurde immer mehr mit Königs-Kritikern durchsetzt. Charles I beharrte nämlich auf dem »Königlichen Gottes–Gnadentum«. Dieses besagt, dass nur Gott und niemand sonst das Recht hat, die Königswürde zu verleihen oder abzuerkennen. Schließlich wurden im Dezember 1648 von Thomas Pride, einem »Roundhead«, exakt 231 immer noch königsgetreue Parlaments-Mitglieder von einer Sitzung ferngehalten, wodurch aus dem »Long Parliament« das »Rump Parliament« wurde. Von diesem wurde ein Höchster Gerichtshof eingesetzt, um den König »rechtmäßig« zum Tode verurteilen zu können. Von den 135 ernannten Richtern erschienen – wohl aus Angst – nur 67, von denen 59 den Urteilsspruch gegen König Charles besiegelten. Am 30.Jänner 1649 wurde er enthauptet.“
Unwiderruflich beschlossenes Dokument zur Hinrichtung von König Charles I
„Gewalt und Intrigen verhalfen somit Oliver Chromwell, 1649 Englands Staatswesen von einer Monarchie in eine Demokratie umzugestalten.“
„Ja, das »Commonwealth«, vom Volk verstanden als «Gemeinsames Wohlergehen«, wurde ausgerufen. Das Oberhaus, »House of Lords«, bestehend aus Klerikern, Adligen und Vertretern der Grafschaften (Counties) und Städte (Boroughs) wurde gleichzeitig durch eine Parlamentsakte abgeschafft. Damit waren wir als Entscheidungsträger schon sehr eingeschränkt. Besonders schlimm wurde es aber, als Oliver Chromwell, der Puritaner und Katholikenfeind, 1653 sogar das nur mehr 100-köpfige «Rump Parliament«, das verbliebene Unterhaus «House of Commons« auseinandertrieb. Sich selbst ließ er zum alleinigen Gesetzgeber, dem »Lordprotektor von England, Schottland und Irland« ernennen. Wir Adeligen hatten in England nichts mehr verloren.“
Oliver Chromwell (Robert Walker 1649)

rechts: Charles I (Daniel Mytens 1631)
Quellen: Myheritage, Geni, Wikipedia
https://encyclopediavirginia.org/entries/argall-samuel-bap-1580-1626/
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