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Episode 50

23.5.2025

»Königsdisziplin«

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich, obwohl manchmal nicht zu 100 % erreicht. Die genealogischen Unterlagen sammle ich intensiv seit 2008, die allgemeinen historischen Tatsachen recherchiere ich von Woche zu Woche. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser diese Geschichten interessant finden.
Ulrich von Neuhaus I *1222; †1292 - mein 20-facher Urgroßvater
Christian IX Vilhelm von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, König von Dänemark *1818; †1906 - sein 15-facher Urgroßenkel
George I, König von Griechenland *1845; †1913 - sein 16-facher Urgroßenkel
Philip Mountbatton, Duke of Edinburgh, Prinzgemahl von Königin Elizabeth II
*1921; †2021 - sein 18-facher Urgroßenkel
Legende für Farben: Böhmen, Dänen, Grieche, besondere Merkmale
„Hochgeschätzter Ulrich I von Neuhaus oder Oldřich I z Hradce oder in Latein Ulrich de Novo Domo, heute sind Sie wieder mein Angelpunkt in die große Welt. Ahnen Sie, dass es nicht nur Grafen in Ihrer (unserer) Familie gibt.“
„Mittlerweile weiß ich, dass zumindest Du kein Graf bist.“
Schloss Neuhaus 2025
außen und innen
Ulrich I v. Neuhaus 1290 großer Ahne von vielen
„Das stimmt zwar, aber es geht darum, dass einige Ihrer Nachfahren in die »Königsdisziplin« eingestiegen sind.“
„Kaum zu glauben, aber Du siehst, welch gute Gene in unserer Familie schlummern.“
„Das trifft also auch auf Ihre Tochter Anna und damit auf mich zu. Aber über Ihren Sohn Ulrich sind Sie einer der Stammväter von Prince Philip of Edinburgh. Wessen Ahnfrau Ihre Tochter Marketa ist, ezrähle ich Ihnen gerne bei unserem nächsten Gespräch, versprochen!“
„Da bin ich aber gespannt.“
„Wenn wir den ersten König unter Ihren Nachkommen erreichen wollen, ist eine Reise nach Dänemark und eine Zeitspanne von 600 Jahren notwendig. Ihre Position als Unterkämmerer von König Ottokar II traten Sie 1263 an, König Christian IX wurde 1863 König von Dänemark.“
„Die Entfernung ist zwar nicht so groß, wohl aber das Zeitintervall!“

Christian IX
König von Dänemark
„Eure Majestät, König Christian IX, aus welcher Familie stammen Sie?“
„Ich komme aus dem Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einer Nebenlinie des Hauses Oldenburg. Mein Vater, Herzog Wilhelm, starb mit nur 46 Jahren und hinterließ seine Frau als Witwe mit uns zehn Kindern und ohne Geld. Aber meine Großeltern zogen mich so angemessen groß, dass ich im Londoner Protokoll von 1852 zum Erben der dänischen Monarchie ernannt wurde. Als der dänische König Friedrich VII als letztes Mitglied der Oldenburgers 1863 starb, trat ich als König Christian IX dessen Nachfolge an. Durch meine zahlreichen Nachkommen und deren Eheschließungen mit Mitgliedern europäischer Königshäuser erhielt ich den Beinamen »Schwiegervater Europas«.“
„Eure Hoheit, König Georg I von Griechenland, zwischen Ihrem und dem Lebenslauf Ihres Vaters König Christian IX gibt es einige Parallelen, aber doch beachtliche Unterschiede. Können Sie mir das bitte genauer erzählen?“
„Geboren in Kopenhagen wie mein Vater, wurde auch ich nicht durch Erbfolge zum König. Mir trug die griechische Nationalversammlung nach der Absetzung des Wittelbachers Otto die Königswürde an. Zu diesem Zeitpunkt war ich erst 17 Jahre alt, wurde aber als Georg I zum König von Griechenland gekrönt, knapp bevor mein Vater das Amt des Königs von Dänemark antrat. Ich leistete den Eid auf die Verfassung einer konstitutionellen Monarchie. Für mich war dieses Zugeständnis an die Nationalversammlung jedoch sehr unzuverlässig, denn zwischen 1864 und 1910 gab es 21 Parlamentswahlen und insgesamt 70 meist kurzlebige Regierungen. Ein korrupter Beamtenapparat und die schlechte wirtschaftliche Lage führten zum Staatsbankrott von 1893, sodass die staatlichen Einnahmen international kontrolliert werden mussten. Nichtsdestotrotz unterstützte ich einen Aufstand der Bevölkerung von Kreta gegen die Osmanen. Den Türkisch-Griechischen Krieg verloren wir haushoch und mussten hohe Reparationszahlungen leisten. 1896 veranstalteten wir eine Olympiade in Athen.
Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 mit Marathon in Athen.
Lithographie der Ermordung von Georg I 1913
König Georg I
1909 zwangen aufständische Offiziere den König zu weitreichenden Reformen und zur Entlassung seiner Söhne aus der Armeespitze. Er musste Eleftherios Venizelos zum Premierminister ernennen. Dieser schmiedete den Balkanbund als Gegengewicht zum Osmanischen Reich, dem er 1912 den Ersten Balkankrieg aufzwang. Dieser endete siegreich für Griechenland. Aber Georg I wurde 1913 bei einem Attentat ermordet.
„Prince Philip, Duke of Edinburgh, Enkel von Georg I, Sie wurden als Prinz Philip von Griechenland und Dänemark in Korfu geboren. 1947 heirateten Sie Elizabeth, die Thronfolgerin des britischen Königreichs. Wie war das genau?“
„Außer meinen hervorragenden verwandtschaftlichen Beziehungen war nur notwendig, dass ich auf meinen Titel »Prinz von Griechenland und Dänemark« verzichte, britischer Staatsbürger werde und meinen Familiennamen von »Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg« auf »Mountbatten« ändere, um zum Prinzgemahl der britischen Königin Elizabeth II zu werden.“
„Fühlen Sie sich als jemand, der sich nicht König nennen darf, weil er nur der Gemahl einer Königin ist, in den Hintergrund gedrängt?“
„Wieso sollte ich? Ich habe so viele hohe Ämter mit entsprechenden Verpflichtungen wie:


  • Lord High Admiral des Vereinigten Königreichs,
  • Admiral of the Fleet der Royal Navy,
  • Field Marshal der British Army sowie
  • Marshal of the Royal Air Force.“
Als Ehemann von Elizabeth, die auch Königin von Australien war, war er Schirmherr der Olympischen Sommerspiele von Melbourne 1956. Außerdem war er Vorsitzender des englischen Fußballverbandes. Er war Schirmherr, Präsident oder Mitglied von 780 Organisationen. Insgesamt absolvierte er 22.219 Termine, hielt 5.496 Reden und unternahm 637 Auslandsreisen. In diesen Zahlen sind die Auftritte an der Seite der Königin, die er zu bestimmten Gelegenheiten vertreten durfte, nicht enthalten. Vor allem: 1948 wurde er Vater des späteren Königs Charles III, von dem ich bald etwas erzählen werde.
Prince Philip war auch Präsident der internationalen Reitsportvereinigung FEI
und gab den Anstoß zu den Weltreiterspielen.
1980 wurde er - hier im Marathon an einem Wasserhindernis -
mit der britischen Equipe
Weltmeister im Vierspänner.
Quellen: Myheritage, Geni, Wikipedia
Reaktion:
Antal: Schwiegervater Europas“ für Christian von Dänemark finde ich lustig – noch dazu für einen, der nicht einmal in direkter Linie, sondern auf Umwegen zum dänischen König wurde ! Jedenfalls konnte er auf die Karriere seiner vielen Nachfahren stolz sein – das gelingt uns heute mit unseren Töchtern und Söhnen eher selten ….
Spannend auch die griechische(n) Geschichte(n) – es gab also schon 1893 einen Staatsbankrott mit nachfolgender internationaler Überwachung. Somit war für die Griechen die Situation 2010 nichts Neues. Sie erweisen sich jedenfalls zum x-ten Mal als ökonomisches Stehaufmännchen, trotz des permanenten semikorrupten Chaos !
Reaktionen zu Episode 49 - Back to the roots
Günter Ofner: Zu der Passage: „Bis zu Wittekind I, dem letzten König und ersten Kurfürsten von Sachsen, der als Gegner von Kaiser Karl dem Großen historisch erwähnt ...”: Kurfürsten gab es erst ab der “Goldenen Bulle” 1356. Also viele Jahrhunderte nach Widukind. https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle
Egon: Das ist vollkommen richtig. Anstatt dessen hätte es in der Passage
„ ... Festschrift für den sächsischen Kurfürsten Friedrich August III (*1750; †1827) den Gerechten ...“ vier Zeilen darüber richtig heißen müssen:
„ ... Festschrift für den als Friedrich August III letzten Kurfürsten und als Friedrich August I ersten König von Sachsen ...“ Ich bitte um Entschuldigung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_I._(Sachsen)
Antal: Die Historie vor etwa 1000 scheint mir doch recht lückenhaft dokumentiert. Nach meinem Verständnis ist die Schriftlichkeit (und damit zweifelsfreie Rückverfolgbarkeit) im Frühmittelalter nicht gerade ausgeprägt. Spannend war es ja offensichtlich allemal! Jedenfalls faszinierend, daß es genealogisch zwar nicht 100% gesicherte, aber doch denkbare Wege bis in vorchristliche Zeit zu geben scheint. Deshalb mein Gedanke, mich später mehr damit zu beschäftigen. Bis dahin glaube ich, dass sehr viel unserer Annahmen auf Märchen, Sagen, Hörensagen beruhen. Aber Glauben heißt nicht Wissen, wie wir umgangssprachlich auch sehr philosophisch feststellen...
Egon: Vieles ist relativ zur kulturellen Entwicklung an verschiedenen Orten.
Bearbeite dies, um Text einzufügen.
P.S.: Leider kommt es immer wieder vor, dass meine Mail-Adresse für Fake-Nachrichten verwendet wird. Ich bitte um Entschuldigung für diese Zusendungen, die mir sehr peinlich sind, obwohl ich nicht dafür verantwortlich bin.
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(mit eigener Mailadresse)
Egon Biechl Privat