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Episode 86

9.10.2026

Zwischen Scham und Stolz

Diesmal führt die Erzählung vom Herzog von Kärnten Otto I. von Worms zurück bis zu Eberhard, Adeliger und Gutsherr über Allod um Mannheim.
Otto I. von Worms *948; †1004 – 978-983 und 995-1004 Herzog von Kärnten
mein 30-facher Urgroßvater
Konrad der Rote ≈ *922; †955 – Herzog von Lothringen – mein 31-facher Urgroßvater
Werner V. ≈ *899; ≈ †935 – Graf im Worms-, Nahe-, Speyergau
Werner IV. ≈ *865: ≈ †919 – Graf im Worms-, Nahe-, Speyergau
Werner III. ≈ *830; ≈ †877 – Graf im Lobdengau
Werner II. ≈ *805; ≈ †866 – Graf im Lobdengau
Werner I. ≈ *760; ≈ †814 – Präfekt des bairischen Ostlandes unter Karl dem Großen Eberhard ≈ *730; ≈ †804 – Adeliger in Allod um Mannheim – mein 37-f. Urgroßvater
„Herzog Otto I., Ihr verspracht mir, mich diesmal mit Euren Informationen zu unseren gemeinsamen Vorfahren zu versehen.“
„Ja, bis zu meinem vierfachen Urgroßvater Werner I. Lass diese Angaben aber einfach in Deine Gespräche einfließen! Was Du keinesfalls vergessen darfst: Mein Vater Konrad der Rote fällt am 10. August 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn. Ein Pfeil trifft ihn tödlich, als er sich in der Hitze des Gefechts kurz den Helm abnimmt. Begraben ist er in der Saliergruft im Wormser Dom.“
„Verehrter Herzog von Lothringen, Konrad der Rote, Euch heißt man wohl wegen Eures roten Haares so. Wofür seid Ihr in der Geschichte bekannt?“
„Mir wird 944 das Herzogtum Lothringen verliehen. Ab 947 gehöre ich durch meine Heirat mit Liutgard, der Tochter von Kaiser Otto I. dem Großen, zu dieser illustren Familie. Ich begleite den Kaiser auf seinem Feldzug nach Italien. Als Otto wegen einer Verschwörung seines Sohnes Liudolf vorzeitig zurückreist, veranlasse ich den flüchtigen Berengar II. von Ivrea, den König von Italien, ihm nachzureisen und Frieden zu schließen – die Details handle ich persönlich mit ihm aus. Otto I. lässt ihn jedoch drei Tage lang warten und erfüllt keine einzige meiner Vereinbarungen. Enttäuscht schließe ich mich daraufhin dem Liudolfinischen Aufstand gegen den Kaiser an. Wir unterliegen jedoch und verlieren unsere Herzogtümer. Ich erhalte meine Gebiete zwar später zurück, aber ohne den Herzogstitel. Das stört mich nicht weiter, denn man betraut mich kurz darauf mit der Befehlsgewalt im Kampf gegen die Ungarn.“
„Graf Werner V., Ihr besitzt bereits zahlreiche Grafschaften im Wormsgau, im Nahegau und im Speyergau. Dennoch versucht Ihr, Euer Territorium auf Kosten der Kirche zu erweitern. Warum greift Ihr zu so grausamen Mitteln?“
„Eine andere Sprache versteht man in unseren Zeiten nicht. Im Jahr 913 lasse ich Bischof Einhard I. von Speyer blenden, woran er schließlich stirbt. Übrigens geschehen im Erzbistum Reims ganz ähnliche Dinge. Soll ich mich etwa dafür entschuldigen?“
„Wie könnte ich so etwas von Euch verlangen! Ihr werdet ohnehin drei Jahre später auf der Synode von Hohenaltheim vom päpstlichen Legaten und den Bischöfen deswegen zur Rede gestellt. Was kommt dabei heraus?“
„Warum sollte ich Dir ausbreiten, was die Akten längst verschweigen? Es gibt zwar achtunddreißig vollständig erhaltene kanonische Bestimmungen, die vor allem dem Schutz des Königs und der Bischöfe dienen und den Abfall vom König mit dem Tode bedrohen – doch ein Bericht über ein Urteil gegen mich wurde bis heute nicht bekannt.“
„Verehrter Werner oder Wanharius I., Präfekt des bayrischen Ostlands und königlicher Sendbote unter Karl dem Großen! Ihr geltet als Stammvater der Salier, seid Graf und gemeinsam mit Eurem Bruder Besitzer von Hornbach. Was könnt Ihr Euch auf die Fahnen schreiben?“
„Ich besitze weitreichende Güter im Lobdengau, Oberrheingau und Wormsgau. Mein Vater Eberhard und ich stiften jedoch bedeutende Ländereien an das Kloster Lorsch, was in den Urkunden verbrieft ist:
  • Am 2. April 767 in Dielheim bei Wiesloch im Lobdengau,
  • am 18. Mai 785 in Pfungstadt bei Darmstadt im Oberrheingau,
  • am 8. Juli 792 in Ilvesheim bei Mannheim und Neuenheim bei Heidelberg,
  • sowie am 21. Oktober 812 in Rheindürkheim bei Worms im Wormsgau.
Meine Gattin Engiltrud unterstützt mich tatkräftig und bringt bei diesen Stiftungen auch einige ertragreiche Weinberge ein.“
Euch schickt König Ludwig nach dem Tod von Karl dem Großen nach Aachen zur Beseitigung von »unlauteren Elementen« voraus.“
„Ja, ich fühle mich geehrt.“
In Aachen kommt es zu einem Kampf, bei dem er von einem Hodoin getötet wird.
„Verehrter Herr Eberhard, Ihr besitzt zusammen mit Eurer Ehefrau Adeltrut ein großes Allod in der Oberrheinebene – unter anderem in Mannheim und bei Worms. Was veranlasst Euch zu den Schenkungen an das Kloster Lorsch?“
„Das 764 gegründete Kloster wird durch die Gebeine des heiligen Märtyrers St. Nazarius aus Rom zum angesehenen Wallfahrtsort, dessen Förderung uns nützt.“
Als der Klostergründer Gaugraf Cancor stirbt und Erbstreitigkeiten entflammen, greift Karl der Große ein, stellt Lorsch 772 unter seinen Schutz und erhebt es zur freien Reichsabtei. Dass Karl der Große (Carolus Magnus, Rex Francorum & Imperator Romanorum) *747; †814 hier auftaucht, schließt für mich persönlich einen besonderen Kreis – ist er doch zugleich mein 36-facher Urgroßvater, wie ich beim Schreiben dieser Episode entdecke.
Kein Wunder also, dass man meine Ahnenreihe bis zu Arnulf, Bischof von Metz *582; †640, meinem 41–fachen Urgroßvater, zurückverfolgen kann. Davon nächstes Mal.
Reaktion zu Episode 85:
Antal Braunecker: Kein leichtes Leben damals für die ehrgeizigen Adeligen ! Da ein kleiner Krieg, dort ein Verrat, Söhne, die wie die Fliegen sterben - da waren ja die taktischen Hochzeiten (wie wir ja zuletzt gehört haben, oft mit quasi Kindern..) willkommene Atempausen.
Und Hut ab vor den starken Genen der Agnes von Waiblingen – trotz mindestens 15 Kindern das damals methusalemalische Alter von 70 Jahren zu erreichen – reife Leistung !
Quellen: Wikipedia, MyHeritage, Geni ...