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Episode 17

13. 9. 2024

Napoleons Privatleben

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
Erna Biechl geb. Berger
Margrave Oberto II. Obertenghi von Ligurien
Napoleon Bonaparte,
Kaiser von Frankreich
*1905; †1969
*980; †1013

*1769; †1821
meine Mutter
mein 29-facher Urgroßvater
sein 23-facher Urgroßenkel
Bonaparte
Patrizier aus Ligurien
1200 - heute
Napoleon I
als Kaiser der Franzosen
1804 - 1815
Obertenghi - Pallavicini
italienischer Adel
961 bis heute
Wir kennen Napoleon Bonaparte, den Kaiser der Franzosen, und wissen, welche welt- bewegenden Taten er vollbracht hat.
Wenn wir an Näherem bei solch einem Helden
interessiert sind, entdecken wir jedoch noch viel mehr. Nicht nur sein Geburtsort Ajaccio auf Korisika und sein Sterbeort, die Insel St. Helena, sind bekannt, sondern auch seine Verlobte, seine zwei Frauen, neun Geliebten und drei bis fünf Kinder.
„Grand Napoleon, Du bist auf Korsika geboren. Warst Du damals noch ein Genuese oder schon ein Franzose?"
„Im Mai 1769 unterlag die Republik Genua den Franzosen. Die verkauften ihnen daraufhin Korsika. Geboren im August 1769 bin ich also von Geburt an Franzose."
Verlobte: Désiré Clary, spätere Königin von Schweden und Norwegen, verlobt 1795
Erste Frau: Josephine von Beauharnais,
verheiratet 1796 - 1810

Zweite Frau: Marie Louise von Österreich
verheiratet 1810 - 1821
Sohn: Napoléon II.
"Napoleon, Du hattest doch vor Deinen Frauen Désiré Clary als Deine Verlobte. Warum ist daraus nichts geworden?"
„Um die angesehene und einflussreiche Josephine zu heiraten, musste ich mich von Désiré trennen. Deswegen versuchte ich, sie mit General Duphot zu verheiraten, der das schon wegen der Mitgift und der Bekanntschaft mit mir gerne getan hätte, aber am Tag vor seiner Hochzeit ermordet wurde.
„Du warst doch lange Zeit begeistert von Deiner ersten Frau. Und dann?"
„Josephine war die Tochter eines Marineoffiziers, Besitzers einer Zuckerrohrplantage auf Martinique. Sie wurde die Frau von Alexandre de Beauharnais, bekam von ihm zwei Kinder, den Sohn Eugène und die Tochter Hortense, von der Alexandre behauptete, sie wäre ein Kukuckskind. Die Beiden trennten sich. Alexandre wurde von Revolutionären hingerichtet und Josephine verhaftet. Erst nach dem Sturz von Robespierre wurde sie freigelassen. Ich verliebte mich unsterblich in sie und heiratete sie 1796, obwohl sie 6 Jahre älter war als ich. Ihre beiden Kinder adoptierte ich. Trotz der vielen Gelegenheiten war ich ihr absolut treu.
Erst zwei Jahre später traf ich auf meinem Ägyptenfeldzug Pauline Fourès, schickte ihren Gatten und Kavallerieoffizier „mit einem geheimen Schreiben an das Direktorium" zurück nach Frankreich und vergnügte mich ein Jahr lang mit ihr in Kairo, nachdem ich ihr von meinen Vasallen den Hof hatte machen lassen.
In Paris hatte ich eine Affäre mit Élisabeth von Vaudey, zu der ich nachts in ein Zimmer im Obergeschoß unseres Palastes ging. Das entdeckte meine Frau, schmiss sie raus und beschimpfte mich maßlos. In unserem gemeinsamen Schlafgemach machte ich ihr den Unsinn ihrer Aktion klar, ließ aber unsere gemeinsame Krönung durch Papst Pius VII zu. Ihn hatte ich zu diesem Akt durch Rückgabe einiger Territorien des Kirchenstaates, die ich erobert hatte, bewegen können.
Im Jahr 1807 lernte ich in Polen Maria Walewska, die als 18-Jährige mit einem 70-Jährigen verheiratet worden war, kennen. Wir trafen uns sieben Jahre lang, was wir geheimzuhalten versuchten. Allerdings kannte man sie als meine „polnische Frau". 1810 gebar mir Maria einen Sohn: Alexandre Colonna-Walewski.
Als mir damit klar geworden war, dass also nicht ich zeugungsunfähig war, trennte ich mich 1810 von Josephine, da sie offensichtlich keine Kinder mehr bekommen hätte können."
Geliebte in Kairo:
Pauline Fourès
1798 - 1799
Kurzzeit-Geliebte: Élisabeth von Vaudey
1804
Kindsmutter Ewa Walewska 1807 - 1810
Sohn: Alexandre
„1810 bist Du in einer Position, in der Du eine ebenbürtige Fürstin heiraten musst. In Deinem Fall ist es Marie Louise, die Tochter des bis 1806 römisch-deutschen Kaisers Franz II, der bereits 1804 das österreichische Kaiserreich begründete, welches er als Franz I regierte."
„Du hast recht, eine Hochzeit in meiner Position musste aus Staatsräson geschlossen werden. Fürst Metternich fädelte die Heirat mit Marie Louise ein, die das mit ihren 18 Jahren noch weniger wollte als ich. Zwei Monate nach der offiziellen Trennung von Josephine fand in der Augustinerkirche in Wien am 14. März 1810 ohne mein Beisein die Zeremonie statt. Dabei vertrat mich ausgerechnet Erzherzog Karl, der mich in Aspern besiegt hatte. Da niemand daran gedacht hatte, meine Fingermaße abzunehmen, wurden zur Sicherheit elf Eheringe angefertigt.
Marie Louise habe ich meinen Sohn Napoléon II, dem ich schon bei seiner Geburt den Titel ‚König von Rom' gab, zu verdanken. Ich bin erleichtert, dass ich endlich einen Spross habe, der meine Dynastie offiziell weiterführen kann, muss aber noch vor meinem Tod zur Kenntnis nehmen, dass er nicht mein Nachfolger als Kaiser von Frankreich werden würde. Nach meiner Abdankung 1814 floh Marie Louise, ohnehin unbeliebt in Frankreich, mit ihm nach Wien."
Detail am Rande: Marie Louise starb 1847 in Parma. Bei der Leichenkonservierung wurden ihr Herz, Gehirn und Innereien entfernt und eine Lösung aus einem Kilogramm Arsenik und zehn Litern Alkohol durch die Halsschlagader eingeleitet, bevor sie nach Österreich überführt wurde.
ital. Opernsängerin Giuseppina Grissini
1800 - 1801
Napoleon, Schwarm der Frauen, Offizier mit 16, Kaiser mit 35 Jahren
franz. Schauspielerin
Marguerite-Joséphine Weimer 1802 - 1804
„Aus Deinen nächsten amourösen Abenteuern wird klar, dass Du sehr kulturbeflissen bist."
„In meiner Position geht das gar nicht anders. Und da ich für die Gagen und das Renommee hier in Paris zuständig bin, ergibt sich das Restliche von selber."
vom berühmten Wiener Poträtisten von Lampi
als Venus gemalt
Geliebte Emilie Victoria Kraus ab 1805
Sohn: Eugene Alexandre
Geliebte Éléonore Denuelle bis 1808
(Sohn: Charles?)

Geliebte Françoise-Marie Pellapra Le Roy 1810
(Tochter: Émilie?)
„Und wie ging es weiter?"
"Als ich 1805 in Wien einmarschierte, begegnete mir Emile Victoria, in die ich mich sofort verliebte. Sie begleitete mich oft, als Bursche verkleidet, auf meinen Feldzügen und gebar mir exakt ein Monat nachdem Ewa Waleska Alexandre geboren hatte, einen unehelichen Sohn, Eugene Alexandre. Wunder war das keines, war ich doch mit den Beiden gleichzeitig in Wien gewesen. Diese Geburten passierten knapp zwei Monate nach meiner Hochzeit mit Marie Louise im März 1810."
„War das das Ende Deiner Liebschaften?"
„Nein, dann kam Éléonore Denuelle, mit der mich meine Schwester Caroline bekannt gemacht hatte, um ihrer verhassten Schwägerin, meiner Frau Josephine, etwas auszuwischen. Dieses berechnende Frauenszimmer freilich stellte - wie mir später auffiel - ihre Uhr voraus, um meinen Aufenthalt in ihrem Schlafzimmer zu verkürzen. Aber manchmal beorderte ich sie in mein Arbeitszimmer und wir brauchten für unser Zusammensein nur fünf Minuten. Ihren Sohn Charles erkannte ich nicht als den meinen an, versorgte ihn aber finanziell."
Schließlich hatte ich noch eine kurzes Verhältnis mit einer Bekanntschaft, die ich in Lyon machte, mit Françoise-Marie Pellapra Le Roy. Deren Tochter Émile behauptete zwar, sie wäre meine Tochter, aber das kann zeitmäßig gar nicht stimmen."
Neben meiner Blutsverwandtschaft mit Napoleon gibt es noch ein interessantes Detail am Rande: am 20. Mai 1986 starb meine Tante Grete Berger fast auf den Tag genau 141 Jahre nach dem Tod von Napoleons Geliebter Emilie Victoria Kraus (†15. April 1845) an exakt demselben Ort, nämlich Salzburg Gnigl.
Quellen: neben Wikipedia: „Zeitreisen der Wiener Zeitung Nr. 402" vom 6.12.2019.
Reaktion zu Episode 17 - Napoleons Privatleben:
Antal: Spannende historische “Nebenschauplätze” hast Du da gefunden. Eigentlich unglaublich, was sich damals Herrscher erlauben konnten – und jetzt meine ich nicht einmal so sehr die vielen Geliebten (sowas soll bis heute in den besten Familien vorkommen 😊 ) , sondern den eigentlich unglaublichen Affront, bei seiner Hochzeit mit einer Kaiserstochter einfach nicht anwesend zu sein !
Lieber Antal: Welch ein Triumph, wenn ein Kaiser seine Tochter dem Feind, der vorgibt, dafür im Moment 'leider' keine Zeit zu haben, vermählen muss! Welche Genugtuung, einen ehemalg siegreichen Gegner als Gehilfen für die eigenen Interessen einsetzen zu können!
Das ist doch einsichtig, oder?
Ursula/Ulli Japtok: War es nicht in "höheren Kreisen" in der Vergangenheit oft üblich, daß bei der Eheschließung - oder dem, was der kirchlichen Trauung des Paares vorweg ging - ein "Vertreter" den eigentlichen Bräutigam ersetzte? Oft war es ein Freund oder Verwandter des betreffenden oder jemand, dem Ehre erwiesen werden sollte? Die Ehe vollziehen durfte der betreffende Vertreter offiziell natürlich nicht! Aber weiß man `s? Wegen der weiten Entfernungen war es wohl oft nicht anders möglich, als so wichtige Ereignisse im Terminplan unterzubringen.
Liebe Ursula: Du hast vollkommen recht! Ich wollte nur ironisch auf das Außergewöhnliche hinweisen, das auf einem so hohen Level zu machen.
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