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Meine ersten Kosterzellen
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Haben Sie den Wunsch, mehr über bestimmte Persönlichkeiten oder Themen aus der Zeit unserer Vorfahren zu erfahren? Schicken Sie mir einfach eine E-Mail – ich freue mich über jede Anregung! Wie froh bin ich, dem Interesse von Antal Braunecker zu begegnen: „Hast Du etwas zu Bautechniken und vielleicht auch Wohnverhältnissen?“
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Die Anregung von Antal Braunecker, sich mit den historischen Bauten meiner Vergangenheit zu beschäftigen, hat bei mir einen Nerv getroffen. Gerade weil sie so allgemein gehalten ist, entdecke ich, dass in meinem Archiv jede Menge faszinierendes Material dazu schlummert.
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Beim Vorbeigehen an geschichtsträchtigen Bauwerken denke ich zuerst an deren Optik – also an den Baustil, für den die jeweilige Architektur steht. Wenn ich gezielt zu ihnen hinfahre, liegt der Grund eher in ihrer besonderen Berühmtheit. Das bloße Betreten solcher Inseln der künstlerischen oder religiösen Andacht ist das Eine; deren Bewohnen das Andere. Letzteres ist mir im Leben mehrfach zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten widerfahren.
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Dass man aber mit dem Begründer eines solchen Objekts tatsächlich blutsverwandt sein könnte, daran denkt wohl nur ein leidenschaftlicher Ahnenforscher. Im Rückblick erwecke ich diese Orte für mich im Geiste wieder zum Leben und bin – auch wenn es mich selbst überrascht – ein nachgewiesenes Glied der entsprechenden Stifterfamilie. Solche Betrachtungen füllen diese und die nächste Episode. Den Anfang macht eine ganz besondere Station in meiner Heimatstadt Innsbruck:
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Anna Caterina Gonzaga von Mantua *1566; †1621, ab 1582 Gattin und ab 1595 Witwe von Erzherzog Ferdinand II. von Habsburg, ab 1612 als Anna Juliana Angehörige des Servitenordens - 9-fache Urenkelin meines 20-fachen Urgroßvaters Ulrich II. von Hradec *1250; †1312 - Burggraf von Znaim (genealogisch: Cousin 10. Grades, 11-fach verschoben)
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„Eure Durchlaucht... Verzeihung, Ihr seid jetzt ja die ehrwürdige Schwester Anna Juliana! Wir beide sind nicht nur über unsere Vorfahren verwandt, sondern auch tief verbunden im Orden der Serviten. In jenem Kloster, in dem ich Eure Grabstätte fand, lebte ich von 1957 bis 1963 als Gymnasiast und danach bis 1965 als Novize Frater Clemens Maria. Was genau ist Eure Beziehung zu diesem Kloster mitten in Innsbruck?“
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„Lieber Frater Clemens... oder Egon! Ich war die Frau und bin seit 1595 die Witwe meines leiblichen Onkels, Erzherzog Ferdinand II. von Habsburg. Das ist kein Widerspruch, weil sein Vater Ferdinand I. mein Großvater ist. 1611 arrangierte ich die Hochzeit meiner Tochter Anna mit Matthias von Habsburg. Als die beiden im Juni 1612 als Kaiserpaar nach Wien zogen, war meine weltliche Pflicht erfüllt. Bereits im Juli danach erfüllten wir, meine andere Tochter Maria und ich, uns den langgehegten Herzenswunsch, in den Orden der Serviten einzutreten. Ich holte die ersten Patres dafür aus meiner Heimat Mantua nach Innsbruck. Mit dem mächtigen Rückhalt meines Schwiegersohns, des Kaisers, war es für mich leicht, ein seltenes Doppelkloster mit einem streng abgetrennten Trakt für uns Frauen zu stiften. So ist dieses Kloster – zwar zeitlich verschoben – zu unserem gemeinsamen Wohnsitz geworden, lieber Egon.“
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Die Ansicht 1963 und heute
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„Ich war kürzlich in Innsbruck und machte einen Abstecher in die Servitenkirche. Ich erinnerte mich intensiv und gern daran, dass ich vor 63 Jahren in diesem Altarraum zusammen mit vier Mitbrüdern eingekleidet wurde.“
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„Egon, ich freue mich sehr, dass mein Kloster auch nach 400 Jahren immer noch besteht, sah es doch bei dem Großbrand im April 1620 zunächst überhaupt nicht danach aus.“
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Meinen Eifer als Initiator von Zeitschriften – wie beispielsweise der »Stimme der Jugend« für das Jugendrotkreuz – bremste mein Ordenseintritt keineswegs. Schon bald erschien »Der Servit«.
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Am Tag des Studienantritts - ja wie kommt denn das? - wurde ich krank und durfte anderswo meine verbliebenen Talente einsetzen. Ich wurde auf den Mariahilfberg bei Gutenstein geschickt, wo ich mich bald sehr wohl fühlte. Dort erwartete mich eine historische Begegnung mit:
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Johann Balthasar Graf Hoyos II. *?; †1681, ab 1679 n.ö. Landmarschall - 14-facher Urenkel meines 20-fachen Urgroßvaters Ulrich II. von Hradec *1250; †1312 - Burggraf von Znaim (genealogisch: Cousin 14. Grades, 7-fach verschoben)
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„Euer Hochgeboren Graf Hoyos, im Jahr 1965 war ich als Frater Clemens ein halbes Jahr im Kloster Mariahilfberg bei Gutenstein. Eine meiner Aufgaben war es, die Hochzeitsurkunden für die Trauungen in der Wallfahrtskirche auszustellen. Ich durfte aber auch – und das freute mich besonders – unter försterlicher Anleitung mit einer frisch gekauften Motorsäge Bäume im Klosterwald fällen und verarbeiten. Warum habt Ihr, Herr Graf, gerade hier diese Wallfahrtskirche und das Kloster gebaut?“
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„Motiviert wurde ich 1660 durch einen Marktrichter von Gutenstein, der auf der Anhöhe über dem Markt ein Marienbild aufgestellt hatte. Bald löste das Meldungen über wunderbare Ereignisse aus. Als ich 1668 einen Jagdunfall hatte, legte ich das Gelübde ab, hier eine Wallfahrtskirche zu bauen. Da das große Pilgerscharen anzog, stiftete ich ein Kloster und holte dafür – genau wie Schwester Anna Juliana in Innsbruck – die Ordensbrüder der Serviten hierher.“
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„Eure Exzellenz Graf Johann Balthasar, Ihr wurdet 1679, mitten im verheerenden Pestjahr, zum niederösterreichischen Landmarschall ernannt. Als Geheimer Rat gehörtet Ihr zum engsten Kreis um Kaiser Leopold I. Wie habt Ihr die Balance zwischen der großen Politik in Wien und Eurer Herrschaft im ruhigen Gutenstein gehalten?“
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„Das Amt des Landmarschalls ist eines der höchsten im gesamten Erzherzogtum Österreich unter der Enns. Ich bin als solcher der Vorsitzende der Landstände – der Vertretung von Adel und Geistlichkeit –, gleichzeitig der oberste Richter des Landes und der Interessenvertreter unseres Standes gegenüber dem Kaiser. Das scheint meiner Aufgabe, in Wien an den großen Angelegenheiten des Reiches mitzuwirken, auf den ersten Blick zu widersprechen. Doch der Kaiser vertraut mir vollkommen. Ich jedenfalls fühle mich in beiden Welten wohl und genieße jede freie Stunde bei meinen Bauwerken hier auf dem Mariahilfberg.“
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„Verzögert durch diese Pest und die zweite Türkenbelagerung 1683 konnte das Kloster erst nach Eurem Tod, im Jahr 1685, bezugsfertig für die Serviten fertiggestellt werden. Beim Vollbrand der Kirche 1708 blieb zumindest das Klostergebäude verschont. Seit dem Wiederaufbau ab 1710 ist diese barocke Pracht bis heute im Original erhalten.“
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„Das zu hören, erfüllt mich mit tiefer Genugtuung. So haben Pest, Krieg und Flammen mein Werk am Ende doch nicht bezwingen können – und es gereicht der Gottesmutter noch Jahrhunderte später zur Ehre.“
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Schwarz und Weiß, Alt und Jung, 1710 und 1965
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In der nächsten Episode geht die Reise weiter. Es gibt Überraschungen!
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Antal Braunegger: Danke für die Uhrmacher-Recherche!
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Es gibt ja bei mechanischen Uhren zweierlei Faszinierendes:
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Einerseits die extreme Feinmechanik, da muss alles perfekt „sitzen“ Andererseits – und das hast Du mit Deinen Beispielen ja brillant belegt – mussten die Erfinder der verschiedenen Uhren oder feinmechanischen Messinstrumente ja eine unglaubliche Phantasie haben, was man alles kombinieren muss, um zu genauen Ergebnissen zu kommen. Und außer Phantasie eine extreme dreidimensionale Vorstellungskraft. Letzteres geht mir völlig ab, was sich schon beim Zusammenbau von Ikea-Möbeln stark manifestiert,
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Und für mich sind solche Uhrwerke einfach schön!
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