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Episode 38

21. 2. 2025

Napoléon 2

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Die genealogischen Unterlagen sammle ich intensiv seit 2008, die allgemeinen historischen Tatsachen recherchiere ich von Woche zu Woche. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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František Berger *1824: †1915 - mein Urgroßvater
Markgraf von Luni Oberto II *980; †1013 - mein 28-facher Urgroßvater
Kaiser von Frankreich Napoléon Bonaparte *1769; †1821 - sein 21-facher Urgroßenkel
Legende für Farben: Böhmen - Italiener - Franzosen - besondere Merkmale
Der zweite Koalitionskrieg zwischen Frankreich und der Koalition aus Großbritannien, Österreich, Russland und anderen Herrschaftsgebieten dauerte von 1799 bis 1802. Er endete damit, dass sich die Russen auf eine bewaffnete Neutralität zurückzogen, die besiegten Österreicher 1801 und die unterlegenen Briten 1802 Frieden schließen mussten. Der Friede mit Großbritannien war allerdings nicht von langer Dauer. Die Briten fühlten sich nämlich beim Außenhandel von Frankreich bedroht. Der Handelsvertrag, den sie den Franzosen angeboten hatten, der die zollfreie Einfuhr aller britischen Waren nach Frankreich vorgesehen hätte, wurde nämlich abgelehnt. So nahmen sie bereits 1803 den Krieg gegen Frankreich wieder auf. Sie führten einen Kolonial- und Seekrieg. Bonaparte sperrte seinen Machtbereich für britische Waren. Er ließ aber auch 160.000 Soldaten am Ärmelkanal aufstellen.
Die Krönung Napoléons in Notre Dame (© Jacques-Louis David 1806–1807)
„Hochgeschätzter Napoléon, ich bin beeindruckt von Ihrer Krönung zum Kaiser von Frankreich und zum König von Italien rund um Mailand.
Königreich Italien 1812
„Angesehen als Heilsbringer wurde mir im Jahr 1804 durch eine Volksabstimmung und einen Senatsbeschluss die Kaiserwürde angetragen. So krönte ich mich selbst in der Kathedrale Notre Dame de Paris in Anwesenheit von Papst Pius VII zum »Kaiser der Franzosen«. Ich wollte nicht ein von Gottes Gnaden gekrönter Kaiser, sondern ein Volkssouverän sein. In den europäischen Ländern sollte mich dieser Titel dynastisch legitimieren, weil ich den Anspruch auf die zukünftige Gestaltung Europas hatte. 1805 wurde ich im Mailänder Dom mit der Eisernen Krone der Langobarden zum König von Italien gekrönt.“
Um eine französische Invasion auf die britischen Inseln zu verhindern und den Krieg nach Mitteleuropa zu verlagern, suchte Großbritannien auf dem europäischen Festland nach Staaten, die bereit waren, für je 1,25 Millionen britische Pfund 100.000 Soldaten gegen Frankreich ins Feld zu führen. Am Ende der sechs Koalitionskriege hatte Großbritannien 65,8 Millionen Pfund an Staaten auf dem Festland ausgezahlt, damit diese dort Krieg gegen Napoléon führen.
Napoléon gab den Plan einer Invasion Großbritanniens im Jahr 1805 auf, als Groß-britannien zusammen mit Russlands Zar Alexander I, Österreich, Schweden und Neapel die Dritte Koalition geschmiedet hatte. Nur Preußen enthielt sich. Die Kurfürstentümer Bayern und Württemberg sowie das Großherzogtum Baden waren mit Napoléon verbündet.
„Warum war der Dritte Koalitionskrieg erfolgreich für Sie, Majestät?“
„Es war meine bewährte Taktik, die feindlichen Armeen voneinander zu trennen und nacheinander zu schlagen. So zwang ich Österreich, in der Schlacht von Ulm zu kapitulieren. Der Weg nach Wien stand mir offen. Kampflos nahm ich es am 13. November 1805 ein. Durch geschickte Vortäuschung eigener Schwäche schlug ich knapp danach Russen und Österreicher bei Austerlitz, was die Niederlage unserer Flotte gegen Nelson bei Trafalgar komplett wettmachte. Beim Frieden von Pressburg verlor die Habsburgermonarchie Tirol und Vorarlberg an Bayern. Zum Dank für ihre Unterstützung erhob ich die Kurfürsten von Bayern und Württemberg zu Königen.“
Der siegreiche Kaiser Napoléon Bonaparte
Napoleon in der Schlacht bei Austerlitz (Gemälde von François Pascal Simon Gérard)
„Worin hat Ihre Neugestaltung Europas bestanden, Majestät?“
„Ich gründete 1806 aus anfangs 16 Ländern den Rheinbund. Seine Mitglieder verpflichteten sich zu unserer militärischen Unterstützung und zum Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich. Daraufhin legte Franz II. die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder. Bereits zum Jahre 1808 hin gehörten fast alle deutschen Staaten außer Österreich und Preußen zum Rheinbund, dem »Dritten Deutschland«. Ich zentralisierte deren Staatswesen nach den Prinzipien der Französischen Revolution und reformierte das Agrar-, Bildungs-, Wirtschafts-, Steuer- und Finanzwesen.
Im Gegensatz zu den vergleichbaren, eher harmonisch und von innen heraus praktizierten preußischen Neuerungen wurden die französischen von der Bevölkerung zunehmend als rigoros und von außen aufgezwungen empfunden. Die ständige Aushebung neuer Soldaten, hohe Steuern, Repressionsmaßnahmen von Polizei und Militär sowie der starke bürokratische Zugriff auf praktisch jeden Bürger führten zu Unmut. Der Rheinbund blieb ein Militärbündnis deutscher Staaten mit Frankreich. Das Hauptziel Napoléons war eine Angleichung der staatlichen Strukturen zur Stabilisierung der französischen Herrschaft über Europa. Machtpolitische und militärische Überlegungen hatten im Zweifel Vorrang vor liberalen Reformideen. Napoléon hatte kein wirkliches Konzept für die Neugestaltung Europas, sondern gemäß Historiker Rainer Wohlfeil nur einen »situationsverhafteten instinktiven Machtwillen«.
„Wie war Ihr Verhältnis zu den einzelnen Glaubensrichtungen?“
„Die Kirchen und Glaubensbekenntnisse wollte ich durch Wiederzulassung, Gleichstellung und Anbindung unter Kontrolle halten. Der Katholizismus wurde zwar nicht mehr als Staatsreligion, jedoch als Religion der Mehrheit des Volkes anerkannt. Ich behielt das Recht der Bischofsernennung, der Papst durfte sie weihen.
Mein Prinzip war das der religiösen Toleranz auch gegenüber den Protestanten, die unter staatlicher Kontrolle organisiert waren. Ab 1804 bezahlte unser Staat die Gehälter der protestantischen Pfarrer genauso wie die der katholischen Priester.
1791 bekamen die Juden Frankreichs zum ersten Mal in einem europäischen Land die Bürgerrechte. Dafür mussten sie Militärdienst leisten. 1808 untermauerte ich die Gleichstellung der Juden. Sie hofften, einen ähnlichen Status wie die Katholische Kirche im Konkordat von 1801 und wie die Protestanten in den «organischen Artikeln« von 1802 zu erhalten.
Allerdings bezeichneten die Juden meinen Erlass von 1808, mit dem ich diskriminie-rende Vorschriften für Juden wieder einführte, als »schändliches Dekret«. Gleichzeitig warf mir die Russisch-Orthodoxe Kirche das als einseitige Bevorzugung vor und nannte mich sogar »Antichrist und Feind Gottes«.“
„Maria Walewska hat in Ihrem Leben eine Rolle gespielt. Wollen Sie mir etwas darüber erzählen?“
„Gerne, ich liebte die Zeit mit Maria Walewska. Sie war als 18-Jährige von ihrer Familie gedrängt worden, einen 70-jährigen Grafen wegen seines Reichtums zu heiraten.
Aber 1807 traf ich sie, die 21-jährige, auf einem Ball in Warschau. Sie wies mich zunächst zurück, willigte dann aber auf Druck polnischer Patrioten (und ihres Mannes) in ein erstes Treffen mit mir ein.
Daraufhin folgte mir Maria sieben Jahre lang. Sie wurde von der französischen Armee „seine polnische Frau“ genannt. Sie vermied es, mir in der Öffentlichkeit zu begegnen, und fuhr zu den Treffen nach Schloss Finckenstein in Westpreußen an der Seite ihres Bruders im verhängten Wagen.
Als Maria 1809 schwanger wurde, trennte ich mich von meiner Ehefrau Joséphine, da diese keine Kinder mehr bekommen konnte und nun meine Zeugungsfähigkeit erwiesen war.
Zur Gründung einer Dynastie heiratete ich freilich Marie Louise, die Tochter des österreichischen Kaisers. Ich trennte mich von Maria Walewska und stellte ihr ein elegantes Haus nahe bei Paris zur Verfügung.“
Die nächste Episode Nr. 39 handelt von Napoléons Begegnungen mit Staatskanzler Metternich.
Quellen: Myheritage, Geni, Wikipedia, Kurier vom 25.11.2023, Zeitreisen der Wiener Zeitung Nr. 322 vom 5.4.2013 und Nr. 324 vom 7.6.2013
Reaktion:
Kurth Bodo Blind: Eine Verbindung zu den Bonapartes haben wir. Mein Urgroßvater Johann Adam und sein gleichnamiger Bruder Johann Adam dienten im Russlandfeldzug, einer als Trommelknabe, der andere als Offizier. Beide überlebten als badische Hilfstruppen.
Im Exil in London hat dann mein Großonkel mit den verschiedenen Bonapartes zu tun. Diese leiteten sich von den Franken ab und noch origineller von den Nordmännern. Daher waren sie im Viking Klub.

Reaktionen zu Episode 37 - Napoleon 1:
Antal: Danke für dieses Bild eines extrem „lebendigen“ und schnelllebigen politischen Zeitraums in Frankreich – man fühlt sich fast ins 21. Jahrhundert versetzt. Da passte der hochtalentierte, aber völlig rücksichtslose Karrierist Napoleon ideal hinein.
In Österreich ging es - und geht es eigentlich bis heute - ja durchaus gemütlicher zu. Gut, gut, momentan vielleicht nicht – da stellt sich die Frage, ob der talentierte, aber völlig rücksichtslose Karrierist Kickl seine Ziele erreicht 😊 .
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