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Episode 57

25.7.2025

Dag zwischen Schweden und Sambia

Genealogie ist eine vielschichtige Herausforderung, ein spannendes Feld zwischen Faszination, Frustration und Leidenschaft.
Die Echtheit und Aussagekraft der zahlreichen Quellen ist dabei von zentraler Bedeutung, auch wenn absolute Verlässlichkeit nicht immer gegeben ist. Seit 2008 sammle ich mit großer Sorgfalt genealogische Unterlagen und der Recherche historischer Hintergründe widme mich kontinuierlich – Woche für Woche.
Es freut mich besonders, wenn auch Leserinnen und Leser Interesse an diesen Geschichten zeigen und in ihnen ebenso viel entdecken können wie ich.
Witiko I. von Rosenberg Burgherr von Glatz *1136; †1194 - mein 23-facher Urgroßvater
Erik XIV. König von Schweden *1533; †1577 - sein 11-facher Urgroßenkel
Dag Hammarskjöld Generalsekretär der Vereinten Nationen *1905; †1961 -
sein 21-facher Urgroßenkel
Legende für Farben: Böhmen, Schweden, besondere Merkmale
„Edler Witiko z Prčice (von Rosenberg), Ahnherr der Witigonen – wir haben bereits in Episode 47 »Schulbank« miteinander gesprochen. Diesmal jedoch geht es nicht um Maria Theresia von Habsburg, Regentin aus Ihrer Nachkommenschaft, sondern um Dag Hammarskjöld, den Generalsekretär der Vereinten Nationen.“
„Mit dem sind wir also auch verwandt?“
„Ja, er ist einer Ihrer 21-fachen Urgroßenkel!“
Adalbert Stifter: die Ruine Pürchitz/Prčice (1833/35)
„Vorher allerdings möchte ich Ihnen noch etwas sagen: Sie sind die Hauptfigur im historischen Roman »Witiko« von Adalbert Stifter über die Gründung der Witigonen.“
„Das ist ja kaum zu fassen! Hast Du mehr Details für mich?“
„Das ist ein eigenes Kapitel – darüber müssen wir gesondert sprechen. Ich weiß allerdings, dass es Adalbert Stifter im Jahr 1867 sehr peinlich war, Sie in Hauzenberg mit Messer und einer damals unbekannten Gabel essen zu lassen.“
„Was ist eine Gabel wirklich? Wir essen nur mit Messer und Löffel. Bei den Bauern sind sie aus Holz oder Horn, bei uns Adeligen ist das Messer aus feinem Stahl mit Holzgriff. Wir tragen es am Gürtel und nutzen es im Notfall auch zum Kämpfen. Meine Löffel sind übrigens ganz nobel aus Zinn.“
„Bevor wir zu Dag Hammarskjöld kommen, möchte ich noch kurz bei Ihrem elffachen Urgroßenkel Erik XIV., König von Schweden, Halt machen.“
Kupfertitel des Buches
Schwedenkönig Erik XIV
„Euer Hochwohlgeboren, seit wann seid Ihr König von Schweden?“
„Seit dem Tod meines Vaters, Gustav I. Wasa 1560. Er ernannte mich zwar zu seinem Nachfolger, bevorzugte jedoch insgeheim meinen Halbbruder Johann aus seiner zweiten Ehe.“
„Wie ich hörte, hatten Eure Heiratspläne – vielleicht auch deshalb – wenig Erfolg.“
„Zunächst hielt ich um die Hand Elizabeths von England an. Als sie meinen Antrag ablehnte, scheiterten auch meine weiteren Bemühungen – um Maria Stuart, Renata von Lothringen, Anna von Sachsen und Christine von Hessen. Schließlich wagte ich, gegen alle Etikette, eine Bürgerliche zu heiraten. Meine sechs Halbbrüder und der Adel verziehen mir das nie.“
Der hochgebildete Erik XIV. – er sprach Latein, Deutsch und Französisch – begann 1563 den sogenannten Dreikronenkrieg gegen Dänemark, die deutsche Hanse (eine Vereinigung norddeutscher Kaufleute) und Polen-Litauen. In den folgenden Jahren wandte er sich zunehmend auch gegen den schwedischen Adel und ließ mehrere Mitglieder des einflussreichen Geschlechts der Sture wegen angeblichen Hochverrats hinrichten. Dieses Vorgehen wurde – ob berechtigt oder nicht – als Zeichen einer psychischen Erkrankung gedeutet. 1568 wurde Erik von seinem Halbbruder Johann, der als Johann III. König von Schweden wurde, gefangen genommen. Im Jahr 1577 starb er – vermutlich vergiftet durch Arsen in einer Erbsensuppe. Wer das Gift verabreichte, ist bis heute unklar.
„Hochgeehrter Premierminister von Schweden, Hjalmar Hammarskjöld, – was können Sie uns über Ihren jüngsten Sohn Dag sagen?“
„Nach seinem Studium der Philosophie sowie der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften habilitierte er sich mit dem Werk »Konjunkturspridningen« (übersetzt: »Konjunkturelle Ausschläge«). Von 1930 bis 1934 war er Sekretär der Arbeitslosenkommission und gleichzeitig als Dozent in Stockholm tätig. Anschließend bekleidete er verschiedene Ämter in der schwedischen Regierung, bis er schließlich von 1951 bis 1953 als schwedischer Finanzminister diente.“
Hjalmar Hammarskjöld
„Herr Dag Hammarskjöld, wie gelangten Sie in die weltweit einzigartige Position des Generalsekretärs der Vereinten Nationen?“
„Bekannt wurde ich als parteiloser Staatssekretär im schwedischen Finanzministerium unter einer sozial–demokratischen Regierung. In meiner politischen Arbeit engagierte ich mich besonders für den Frieden. Mein Einsatz und mein Ruf als integre Persönlichkeit dürften der Grund für meine Wahl zu diesem verantwortungsvollen Amt im Jahr 1953 gewesen sein. Meine Arbeit machte ich nicht nur gewissenhaft, sondern auch sehr gern.“
Während seiner Amtszeit als zweiter Generalsekretär der Vereinten Nationen (1953–1961) etablierte Dag Hammarskjöld eine aktive, zugleich neutrale Diplomatie – trotz des politischen Drucks von Seiten der USA und der UdSSR. Unter seiner Führung wurde die UNO zu einer moralischen Instanz in der Weltpolitik.
John F. Kennedy würdigte ihn nach seinem Tod mit den Worten: „Er war vielleicht der beste Staatsmann des 20. Jahrhunderts.“ Dieses Urteil, erscheint nicht unbegründet.
Im Bereich seiner Friedensbemühungen gründete Hammarskjöld die UN-Blauhelmmissionen. Während der Phase der Entkolonialisierung unterstützte er junge Staaten und stellte sich gegen imperiale Interessen. Sein geistiges Vermächtnis dazu ist das Buch »Zeichen am Weg«. Bei der Suezkrise 1956 setzte er erstmals eine UNO-Friedenstruppe (UNEF) ein und vermittelte erfolgreich zwischen Ägypten, Israel, Großbritannien und Frankreich. Nach der Unabhängigkeit des Kongo versank das Land im Bürgerkrieg. Hammarskjöld sah sich gezwungen, gegen westliche Interessen – vor allem belgische und US-amerikanische – UNO-Truppen zur Stabilisierung zu entsenden. Dadurch konnte er eine weitere Eskalation verhindern. Hammarskjöld starb 1961 bei einem Flugzeugabsturz in Sambia.
Dag Hammarskjöld modelliert von Harald Salomon 1962 -
Unter den vielen Ehrungen erhielt er posthum auch
den Friedensnobelpreis.
Zur Orientierung: Die nächste Episode erscheint am 29.8.2025.
Quellen: Myheritage, Geni, Wikipedia
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Egon Biechl Privat