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Episode 71

6.3.2026

Gottes– und Herrschaftsdienst

Konrad I. von Plain-Hardegg *1185; †1250 - mein 22-facher Urgroßvater
Agnes von Scheyern-Wittelsbach *1172; †1219 - meine 23.fache Urgroßmutter
Otto I. (V.) von Wittelsbach Herzog von Bayern *1117; †1183 - mein 24-f. Urgroßvater
Konrad von Wittelsbach Erzbischof von Mainz *1120; †1200
sein Bruder und mein 24-facher Urgroßonkel
Otto IV. von Scheyern-Wittelsbach * ?; †1156 Pfalzgraf - mein 25-facher Urgroßvater
Otto III. von Scheyern * ?; †1123 Pfalzgraf - mein 26-facher Urgroßvater
Heinrich »der Löwe«, der Welf Herzog von Bayern (XII.) und Sachsen (III.)
*1129; †1195 - mein Cousin 2. Grades, 27-fach verschoben
sein Cousin:
Friedrich I. »Barbarossa« von Hohenstaufen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches *1122; †1190 - mein Cousin 1. Grades, 25-fach verschoben
Legende für Farben:
von Plain-Hardegg, von Scheyern-Wittelsbach, Welfen, von Hohenstaufen, besondere Merkmale
Kloster Scheyern, ehemals die Stammburg der Grafen Wittelsbach
Dom von Mainz
In Episode 70 haben wir über den Vater von Graf Konrad I. von Plain-Hardegg, Graf Heinrich I., den Weg zu den Babenbergern gefunden. Diesmal führt uns seine Mutter, Gräfin Agnes, zu einer weiteren hochangesehenen Familie: den Wittelsbachern.
Ihr Vater ist kein Geringerer als Pfalzgraf Otto V. von Scheyern-Wittelsbach. Seine Familie stammt vom uralten Stammsitz Scheyern im heutigen Hopfenland, den sie kurz zuvor in ein Kloster umgewandelt hatten, das bis heute als geistiges Herz der Dynastie gilt. Dieser Pfalzgraf Otto V. wurde 1180 vom Staufer-Kaiser Barbarossa als Otto I. zum Herzog von Bayern ernannt.
Ottos Bruder, Konrad von Wittelsbach, mein 24-facher Urgroßonkel, war bereits ab 1161 Erzbischof von Mainz (dem Rom des Nordens). Als Erzkanzler für ganz Deutschland bekleidete er eines der mächtigsten Ämter des Reiches. So hielten die Wittelsbacher-Brüder zur Zeit von Kaiser Barbarossa – wenn auch mit Turbulenzen – sowohl geistliche als auch weltliche Macht in den Händen.
„Gnädiger Herr Konrad von Wittelsbach! Ihr, der Großonkel des Grafen Konrad I. von Plain, seid ab 1161 Erzbischof von Mainz und Erzkanzler für ganz Deutschland. In allen rechtlichen Belangen vertretet Ihr Kaiser Friedrich Barbarossa. Doch sagt mir: Wieso ließ er Euch im Jahr 1165 absetzen?“
„Er tat es, weil ich dem rechtmäßigen Papst die Treue hielt. In Italien wurde ich dafür vom Heiligen Vater zum Kardinal erhoben. Aber weil der Kaiser mich und mein diplomatisches Geschick am Ende doch brauchte, setzte er mich 1183 wieder in mein Amt als Erzbischof ein.“
„Da wir uns gerade in der Fastenzeit befinden: Sagt mir, wie wird zu Eurer Zeit eigentlich gefastet?“
„Als Erzbischof verantworte ich persönlich die strengen christlichen Regeln, die für den einfachsten Bauern ebenso gelten wie für den mächtigsten Herzog. In der Quadragesima, den 40 Tagen vor Ostern, herrscht tiefste Enthaltsamkeit: Alles, was vom Tiere stammt – Fleisch, Milch, Butter, Käse und Eier – ist streng untersagt. Nur eine einzige Mahlzeit am Tag ist erlaubt, bereitet aus Fisch, Gemüse oder Hülsenfrüchten, und auch diese erst nach der Vesper.“
„Wie können die Leute unter solchen Bedingungen schwere Arbeit verrichten?“
„Diese Sorge hat uns veranlasst, das Trinken von nahrhaftem Starkbier zuzulassen – denn Flüssiges bricht das Fasten nicht. Wir gestatten davon bis zu fünf Maß am Tage.
Wer es sich leisten kann, für den halten wir weitere Erleichterungen bereit: Gegen eine Gebühr stellen wir »Butterbriefe« aus, damit man auf teure pflanzliche Öle verzichten darf. Wir erlauben neben Fisch auch andere Wassertiere wie Enten, Gänse und sogar den Biber. Zudem lasse ich es bewusst zu, dass die Vesper schrittweise von 18:00 Uhr auf bis zu 12:00 Uhr mittags vorverlegt wird, damit die erste Mahlzeit früher eingenommen werden kann.
Sagt mir: Sind die Regeln zu Eurer Zeit strenger oder weniger rigide?“
„Heutzutage sind die Regeln viel lockerer geworden, zumindest bei uns.“
„Lockere Regeln? Das mag für den Magen gelten. Doch wie steht es mit dem Herzen? Der Heilige Vater in Rom verlangt jetzt unerbittlich, dass jeder Priester ehelos bleibe. Ein Gesetz, das hier in Mainz und in meinen bayerischen Landen auf harten Fels stößt.
Ich sage Euch: In manchem Pfarrhof am Fuße der Alpen sitzen Kinder am Tisch, die dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Man nennt die Mutter offiziell »Haushälterin«, doch jeder im Dorf weiß um das Bündnis.
Als Wittelsbacher sage ich: Das Erbe der Kirche darf nicht durch Priesterkinder zerstückelt werden! Aber als Erzbischof weiß ich auch, dass ein einsamer Hirte oft mit bitterem Herzen predigt. Deshalb lassen wir Milde walten: Wer von seinem Weib nicht lassen kann, der zahlt seine Buße an die Kirche – das »Cullagium« – und sorgt im Stillen für sein Haus. Wir führen die Zügel strammer als früher, doch wir wissen, dass der Mensch ein Mensch bleibt.“
„Edler Herr Otto von Scheyern-Wittelsbach, Ihr, als sein älterer Bruder, wurdet zu meinem direkten Vorfahren.“
„Muss ich mich dafür schämen?“
„Ich bin zwar kein Herzog wie Ihr, aber schämen braucht Ihr Euch meinetwegen gewiss nicht! Sagt mir: Was hat Euch tatsächlich zu Eurer Position als Herzog von Bayern verholfen?“
„Es ist unsere unerschütterliche Loyalität, die im Jahre 1155 in der Lebensrettung des Kaisers gipfelte. Wir – Kaiser Friedrich Barbarossa samt Gefolge – waren auf dem Rückweg von der Kaiserkrönung in Rom. In der Veroneser Klause, wo die Etsch sich durch die schmale Schlucht zwängt, saßen wir plötzlich in der Falle. Veroneser Raubritter hatten den Pass mit Felsbrocken versperrt und die Höhen besetzt. Von dort oben hätten sie uns mit einem Hagel aus Pfeilen und Steinen vernichten können.“
„Und welche Rolle habt Ihr in dieser verzweifelten Lage gespielt?“
„Mich nennt man nicht umsonst – in Anlehnung an Barbarossa, den ‚Rotbart‘ – den ‚Rotkopf‘. Mein Zorn trieb mich an und mein Mut beflügelte mich. Mit nur zwei (!) getreuen Knappen erkletterte ich unter ständiger Lebensgefahr die teils fast senkrechten Felswände des Bergtals. Wir überraschten die Gegner auf den Höhen und überwältigten sie im erbitterten Handgemenge.
Jahre später, im Jahre 1180, vergalt mir der Kaiser diese Treue: Er setzte den eigensinnigen Heinrich den Löwen ab und verlieh mir die Herzogskrone von Bayern.“
Philipp Foltz
„Wie genau ist das damals zugegangen? Wie konnte ein so mächtiger Mann wie Heinrich der Löwe alles verlieren?“
„Es war ein Spiel um Macht und Stolz. Heinrich III., der Löwe von Bayern und Sachsen, war dem Kaiser zu mächtig geworden – sein Reich reichte von der Ostsee bis zu den Alpen. Der Bruch geschah 1176 in Italien: Der Überlieferung nach flehte Barbarossa ihn fast auf Knien um militärische Hilfe an. Doch Heinrich blieb hart. Er wollte als Preis die Stadt Goslar mit ihren Silberminen, doch der Kaiser weigerte sich zu zahlen.
Ohne Heinrichs Truppen verlor Barbarossa die entscheidende Schlacht von Legnano. Diesen Verrat verzieh er dem Löwen nie.“
Heinrich III. »der Löwe«
Herzog von Bayern und Sachsen
Friedrich I. »Barbarossa« Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
„Der Kaiser wartete geduldig auf seine Chance. Er nutzte Heinrichs Konflikte mit anderen Adligen und lud ihn mehrfach vor das Reichshofgericht. Doch Heinrich war hochmütig; er ignorierte den Kaiser und leistete der Vorladung vor das Lehensgericht dreimal keine Folge. Dieser Ungehorsam führte zu seiner Verurteilung: 1180 wurde die Reichsacht über ihn verhängt. Er wurde zum Geächteten erklärt, und seine riesigen Lehen fielen an das Reich zurück. Barbarossa zerschlug die Macht des Löwen: Sachsen ging an die Askanier – und Bayern verlieh er mir.“
„Das Geschlecht der Wittelsbacher existiert noch heute. An der Macht war Eure Familie ab Eurer Ernennung zum Herzog im Jahr 1180 bis hin zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 – eine unglaubliche Spanne von 738 Jahren! Aber sagt, wann wurde Eure Familie eigentlich erstmals unter diesem stolzen Namen erwähnt?“
„Wisst Ihr, Namen sind wie Burgen – man muss sie sich erst verdienen. Mein Großvater, Pfalzgraf Otto III., residierte noch auf unserer alten Burg Scheyern. Den Wandel brachte erst mein Vater, Otto IV. von Scheyern. Er war es, der ab 1115 die etwa 27 Kilometer entfernte Burg Wittelsbach prachtvoll ausbaute. Unseren alten Stammsitz Scheyern gab er in Gottes Hände und machte ihn zu einem Kloster, das bis zum heutigen Tage besteht. Er war der Erste, der sich stolz »von Wittelsbach« nannte. So wurde unsere neue Festung zum Namen einer Dynastie, die – wie Du sagst – tatsächlich Jahrhunderte überdauert.“
Quellen: Wikipedia, MyHeritage, Geni
Reaktion zu Episode 70:
Antal Braunecker: Lieber Egon von Babenberg und Staufen, Schritt für Schritt verleibst Du Dir immer größere Teile von Europa ein – Chapeau!
Und übrigens wieder eine Story, in der sich ein Sohn gegen seinen Vater stellt – ein Dauermotiv in der Geschichte des Hochadels.
Ich war übrigens kürzlich in Indien, natürlich auch den Taj Mahal besichtigend, den 500 Jahre nach Deiner heutigen Geschichte Großmogul Shah Jahan für seine verstorbene Frau Mumtaz Mahal errichten ließ. 2 km davon entfernt ist das Rote Fort von Agra: Shah Jahans Sohn Aurangzeb, der den Machtkampf für die Nachfolge des kranken Shah Jahan gewann und seine unterlegenen Brüder gleich einmal hinrichten ließ (nett, gell?), hat seinem Vater in diesem Fort ein kleines, durchaus luxuriöses Gefängnis eingerichtet, von dessen Fenstern der Alte den Taj Mahal in voller Pracht sehen konnte. Eh human, und als der Alte starb, bekam er einen Sarg neben seiner Frau im Taj Mahal.
Egon, »Salier von Babenberg«: mit den Staufern bin ich zwar blutsverwandt, aber in der Seitenlinie und nicht direkt wie mit den Saliern (Heinrich IV.). 😉 😂