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Die große puritanische Migration
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Wie am 29. August „versprochen“, war das Erscheinen meiner Episoden aufgrund von äußeren Umständen sehr ungewiss. Heute, fast ein Monat später, mache ich mich wieder bemerkbar, um zu bestätigen, dass mein Engagement ungebrochen ist.
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Alois Biechl *1899; †1979 - mein Vater
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Hilda Kratzer (Biechl) *1928; †2021 - meine Cousine
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Judith Gitterle (Wells) *1956 - ihre Tochter
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Justinian Holden *1625; †1691 - Immigrant aus England - Judiths 7-facher Urgroßvater
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Legende für Farben: Österreicher - Amerikaner - besondere Merkmale
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„Liebe Judith, weißt Du, wie wir miteinander verwandt sind?“
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„Absolut! Deine Großeltern, Johann und Maria Biechl, sind meine Urgroßeltern. Es ist eigentlich ganz einfach.“
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„Meine liebe Großcousine, ich habe etwas Erstaunliches herausgefunden: wir sind nicht nur über meinen Vater verwandt, sondern auch über meine Mutter Ernestine Berger .“
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„Das glaub' ich Dir nicht! Wir sind zwar beide Tiroler, aber die Familie meines Vaters lebt seit Jahrhunderten in den USA und Deine Mutter stammt aus Böhmen. Wie sollen wir da auch noch über Deine Mutter blutsverwandt sein?“
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„Gerne zeige ich es Dir. Das ist allerdings eine lange Geschichte, die ich nicht in einer einzigen Episode erzählen kann. Ich bitte Dich daher um etwas Geduld. Lass uns aber gleich anfangen: Zuerst werde ich schildern, wie der Zweig Deiner Familie, der zu meiner Mutter führt, in Amerika Fuß fasste.“
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„Da bin ich aber wirklich gespannt.“
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"Herr Justinian Holden, Sie sind Judiths siebenfacher Urgroßvater. Vielleicht bin ich Ihnen gleichgültig, aber ich bin fasziniert von Ihrem Leben, das im Jahr 1611 in dem heute 188-Seelenort Lindsay in Suffolk, England begann."
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"Nein, das stimmt nicht. Im Gegenteil – es fasziniert mich zutiefst. Die Vergangenheit hinterlässt Spuren, während die Zukunft ein Rätsel bleibt. Wie es meinen Urenkeln oder gar den Ururenkeln ergeht, könnte ich niemals wissen. Doch Du kennst die Namen, Lebenswege und sogar Einzelheiten über mich und Eure x-fachen Urgroßeltern."
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Im Jahr 1534 erklärte sich König Heinrich VIII. zum Oberhaupt der »Church of England«. Zuvor hatte der Papst die Annullierung seiner Ehe verweigert. Mit dem sogenannten »Act of Supremacy« entzog Heinrich die englische Kirche der Autorität des Papstes. Dies war der Beginn der Anglikaner. Diese öffneten sich bald den Ideen von Martin Luther und Johann Calvin, bewahrten jedoch katholische Elemente wie die Kirchenhierarchie und die Liturgie.
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König Karl I., der von 1625 bis 1649 regierte, versuchte eine einheitliche Kirchenverfassung durchzusetzen. Dagegen wehrten sich engagierte Protestanten. Sie wurden verhaftet und kamen erst frei, wenn sie einer erneuten Betätigung abschworen. Deshalb flohen zwischen 1630 und 1640 im Rahmen der »Great Puritan Migration« etwa 20.000 von ihnen nach Amerika. Sie lehnten jegliche katholischen Elemente ab.
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„Sie und Ihr Bruder Richard waren bei dieser Völkerwanderung dabei?“
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„Als überzeugte Calvinisten wollten wir ein Leben nach strenger Moral und Arbeitsethik führen. Um nach diesem Ideal zu leben, mussten wir aus unserer Heimat, wo wir für unsere Haltung verfolgt und eingekerkert wurden, weg. Wir schlossen uns daher der »Großen Migration« aus England, die im Jahr 1630 mit 11 Schiffen und rund eintausend Immigranten unter der Führung von John Winthrop begonnen hatte, an. Am 30. April 1634 segelten wir von Ipswich in Suffolk auf der »Francis« nach Neuengland in die Massachusetts Bay Colony. Als wir dort ankamen, erwartete uns das amerikanische Ipswich, das am 5. August 1634 im Gebiet des indianischen Stammes der Wonnesquamsauke, die wir Engländer zu Agawam umgetauft hatten, gegründet worden war.
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Viele von uns Kolonisten erlagen den Pocken-Epidemien, denen wir auf unseren Segelschiffen ausgesetzt waren. Da die Ureinwohner gegen die Seuchen, die wir mitgebracht hatten, überhaupt nicht gewappnet waren, erlagen von ihnen noch viele mehr. Uns hingegen, nicht geübt im Bebauen von Feldern, setzte die Hungersnot zu.“
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Die Zahl der Indianer, die um 1600 etwa 15.000 – 20.000 betragen hatte, war auf wenige tausend zur Zeit der »Great Puritan Migration« um 1630 gesunken, sodass sich Indianer und Immigranten zahlenmässig in etwa ebenbürtig waren. Bis 1640 entwickelte sich die Situation in die Gegenrichtung. Dazumal waren zirka 10.000 Einwanderer hier ansäßig.
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„Wie ging es mit Euch Holden-Brüder weiter?“
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„Mein Bruder Richard, von Beruf Glaser, zog nach Groton. Dort erwarb er als einer der Pioniersiedler beachtliches Land, wurde Mitglied der Miliz und beteiligte sich an der Gründung der Groton-Kirche. Diese war gemäß unserer religiösen Auffassung wie alle anderen lokalen Kirchen autonom und unabhängig von höheren Instanzen, weshalb wir calvinistischen Puritaner auch »Kongregationalisten« genannt werden.
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Ich selbst, Zimmermann und Bauer, zog weiter nach Watertown, rund 66 Kilometer südlich, wo ich zu den ersten Landeigentümern gehörte. 1654 erwarb ich eine größere Liegenschaft von mehr als einem Quadratkilometer mit Wohnhaus, Scheune und weiteren Gebäuden. Dies wurde in der »Map of the Original Allotments of Land and the Ancient Topography of Watertown« minutiös verzeichnet.
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1657 verhalfen uns unser überdurchschnittliches Vermögen und unsere Stellung dazu, als »Freimänner« anerkannt zu werden. Diesen Status erhielten wir als vollwertige Kirchenmitglieder nach Ablegung des sogenannten »Freeman's Oath«, des Schwurs, der Kolonie treu zu bleiben und ihre Gesetze zu befolgen. Damit verbunden waren Führungsrechte, die wir auch nutzten.
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1676 wurde Richards Haus während eines Angriffs der Indianer im King Philip's War – zusammen mit 46 weiteren Gebäuden – niedergebrannt. Nach kurzem Aufenthalt bei mir kehrte er jedoch nach Groton zurück, um beim Wiederaufbau zu helfen und sich erneut Besitz zu sichern. So zählten wir bald zu den angesehensten Bürgern und den maßgeblichen Kirchenmännern unserer Kolonie.“
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Heutzutage werden die Puritaner im allgemeinen Sprachgebrauch eher als bigott, blutleer, engstirnig, heuchlerisch, humorlos, kalt, kleingeistig, nachtragend, pedantisch, prüde, rückständig und selbstverleugnend denunziert.
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„Liebe Judith, dieser Justinian ist also Dein 7-facher Urgroßvater. So streng fromm hätte ich ihn – und damit auch Dich – gar nicht eingeschätzt.“
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„Sei nicht so albern! In 400 Jahren kann sich einiges ändern. Gespannt bin ich eher darauf, wie Du mir meine direkte Blutsverwandtschaft mit Dir belegen willst.“
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„Du Angeber, das kann doch nie und nimmer sein!“
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Reaktion zu Episode 58 „Amerika ist unabhängig“
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Antal: Diesmal bist Du ja sehr in der Neuzeit unterwegs – ist aber trotzdem spannend. Ich wusste zB nicht, dass NC so eine Vorreiterrolle im Unabhängigkeitskrieg spielte.
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Da zwischen Deiner Nichte und besagtem Frederick Wells nur 6 Generationen sind (in 220 Jahren von Geburt bis Geburt), muß das wohl die Familie der alten Väter sein …
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Interessant wären auch die VORfahren von Frederick Wells – wann eingewandert von wo, und ein bisserl Zeit musste ja vergehen, um zur „Elite“ zu werden.
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Schade, daß sich die 500 Hektar nicht bis zu Deiner Nichte erhalten haben – das wäre heute ein schöner Batzen !
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Genealogie ist eine vielschichtige Herausforderung, ein spannendes Feld zwischen Faszination, Frustration und Leidenschaft. Die Echtheit und Aussagekraft der zahlreichen Quellen ist dabei von zentraler Bedeutung, auch wenn absolute Verlässlichkeit nicht immer gegeben ist. Seit 2008 sammle ich kontinuierlich und mit großer Sorgfalt meine persönlichen genealogischen Unterlagen. Jetzt recherchiere ich dazu Woche für Woche allgemeine historische Hintergründe. Ich freue mich, wenn Sie diese Geschichten ebenfalls entdecken und meine Leidenschaft teilen.
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Quellen: Myheritage, Geni, Wikipedia
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(mit eigener Mailadresse)
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