|
|
Karl der Große,
mein 35-facher Urgroßvater
|
|
|
|
|
|
Genealogie ist eine vielschichtige Herausforderung,
|
ein spannendes Feld zwischen Faszination, Frustration und Leidenschaft. Die Echtheit und Aussagekraft der zahlreichen Quellen ist dabei von zentraler Bedeutung, auch wenn absolute Verlässlichkeit nicht immer gegeben ist. Seit 2008 sammle ich mit großer Sorgfalt genealogische Unterlagen und der Recherche historischer Hintergründe widme mich kontinuierlich – Woche für Woche.
|
|
Es freut mich besonders, wenn auch Leserinnen und Leser Interesse an diesen Geschichten zeigen und in ihnen ebenso viel entdecken können wie ich.
|
|
|
Weder mir noch meiner Serie von Episoden ist etwas Gröberes passiert. Danke für die Nachfrage „Was ist los?“
|
|
Meine Frau, Ina Biechl, beendet derzeit ihre berufliche Laufbahn – ein Schritt, der naturgemäß einiges an Zeit und Organisation erfordert. Aus diesem Grund habe ich meine Aussendungen für zwei Wochen pausiert. Ich habe dies – etwas verspätet – im P.S. eines Newsletters meiner Frau erwähnt. Ein kleines Maß an Ungewissheit bleibt freilich auch diesmal bestehen.
|
|
|
Karl der Große König der Franken, König der Langobarden, Kaiser des HRR
|
|
*747; †814 - mein 35-facher Urgroßvater
|
|
Hereswintha von Sachsen *≈700, †747 - meine 37–fache Urgroßmutter
|
|
|
|
|
Legende für Farben: Franken, Sachsen, besondere Merkmale
|
|
|
„Mein Herr und Kaiser Karl der Große, als Ihr direkter Nachkomme interessiert mich sehr, was Ihnen zu Ihrer einzigartigen Position verhalf.“
|
|
„Es war die Stellung meines Vaters Pippin III. als König der Franken. Nach seinem Tod 768 teilte ich mit meinem Bruder Karlmann sein Reich. Karlmann herrschte im südlichen Teil, in Burgund, Aquitanien und Alemannien, mauserte sich aber zu meinem Rivalen, als er mir 769 militärische Hilfe in Aquitanien untersagte. Ich siegte ohne ihn und verleibte mir ganz Aquitanien ein. Bereits 771 starb mein Bruder im Alter von 20 Jahren und ich war Alleinregent.“
|
|
|
|
|
„Welche Strategien verfolgten Sie zur Erweiterung Ihres Machtbereichs?“
|
|
„Nach der Eroberung der Stadt Deventer durch sächsische Plünderer im Jahr 772 fasste ich auf dem Reichstag zu Worms den Entschluss, gegen die Sachsen in den Krieg zu ziehen. Diese Tatsache wurde von den Einheimischen unmissverständlich als legale Begründung anerkannt. Was das Volk allerdings noch mehr für meine Entscheidung einnahm, war das Argument, die heidnischen Sachsen deswegen zu unterwerfen, um sie zu christianisieren. Meine territorialen Interessen blieben so im Hintergrund.
|
|
Den Beginn dieses Feldzugs markierte die Zerstörung der Irminsul – einer heiligen Säule der Sachsen und zentrales Symbol ihres Glaubens.“
|
|
|
|
|
„Wie verlief der Krieg gegen die Sachsen?“
|
|
„Zu Beginn konnten wir einige sächsische Gebiete erfolgreich erobern. Doch ab dem Jahr 777 leistete der sächsische Anführer Widukind erbitterten Widerstand und fügte uns mehrere Rückschläge zu.
|
Im Jahr 785 reagierten wir mit harter Entschlossenheit: Nach dem sogenannten Blutbad von Verden, bei dem rund 4.500 sächsische Adelige hingerichtet wurden, zwangen wir Widukind zur Taufe und damit zur Anerkennung unserer Herrschaft. Trotz dieser Maßnahme zogen sich die Sachsenkriege noch bis zum Jahr 804 hin – doch letztlich gelang es uns, das gesamte sächsische Gebiet in das Frankenreich einzugliedern.“
|
|
|
„Das war im Nordosten des Frankenreiches – doch wie gestaltete sich die Lage im Süden?“
|
|
„Zur Sicherung meiner südlichen Grenze ging ich zunächst ein Bündnis mit dem Langobardenkönig Desiderius ein. Zur Festigung dieser Allianz heiratete ich seine Tochter. Doch bald schon forderte mich Papst Hadrian I. zum Eingreifen auf, da Desiderius Rom bedrohte und nur durch das Risiko eines Kirchenbanns zurückgehalten werden konnte. Ich löste die Ehe nach nur einem Jahr auf, überschritt im Jahr 773 die Alpen, überraschte Desiderius und belagerte Pavia, die langobardische Hauptstadt. Dem Papst sicherte ich Besitzungen in Mittelitalien zu. Während die Belagerung fortschritt, schwächten Hunger und Seuchen die Verteidiger Pavias, bis sie schließlich kapitulierten. Die Stadt wurde geplündert, Desiderius war besiegt. Allerdings leisteten die langobardischen Fürsten in Unteritalien weiterhin hartnäckigen Widerstand.“
|
|
|
„Man hört, Sie hatten nicht nur eine Ehefrau …“
|
„Das ist richtig. Im Jahr 771 heiratete ich Hildegard, die sowohl fränkische als auch alemannische Wurzeln hatte. Unsere Ehe dauerte zwölf Jahre, und sie gebar mir neun Kinder. Wie damals üblich, wurden Ehen vor allem aus politischen Gründen geschlossen. Es überrascht also kaum, dass Hildegards Großmutter Hereswintha aus Sachsen stammte – jenem Land, gegen das ich über viele Jahre Krieg führte. Neben Hildegard hatte ich drei weitere Ehefrauen sowie zahlreiche Konkubinen. Insgesamt wurden mir 18 Kinder geboren.“
|
|
|
„Wie gestaltete sich Ihr Verhältnis zu Papst Hadrian I.?“
|
„Als seine Schutzmacht war ich für Papst Hadrian von großer Bedeutung – und doch zeigte er sich überrascht, als ich im Jahr 774 mit meinem Heer vor Rom erschien und um Einlass in das Patrimonium Petri bat. Obwohl er den Langobarden dieses Recht stets verweigert hatte, gewährte er mir den Zugang und entsprach meinem formellen Gesuch, die Stadt zu betreten. Unsere Beziehung war von gegenseitigem Respekt geprägt: In voller Eintracht erneuerten wir das bestehende Bündnis, das mich offiziell als Schutzpatron Roms bestätigte. Ich nahm an sämtlichen religiösen Kulthandlungen teil und bekräftigte so die enge Verbindung zwischen weltlicher und geistlicher Macht.“
|
|
|
„Auch in Spanien verfolgten Sie gewisse Ambitionen, nicht wahr?“
|
„In der Tat. Anfangs war ich – dank erheblicher Anstrengungen – durchaus erfolgreich. Doch bei der Reichsversammlung in Paderborn im Jahr 777 traten überraschend hochrangige Gesandte aus der arabisch beherrschten Iberischen Halbinsel an mich heran. Sie standen in Opposition zum dortigen Herrscher, dem Umayyaden Abd ar-Rahman I., der das Emirat von Córdoba begründet hatte, und unterwarfen sich mir – im Gegenzug zu meiner Unterstützung. Im darauffolgenden Jahr begann ich einen Feldzug gegen den Emir. Er wurde mit arabischen Übergriffen auf das Frankenreich begründet. Wir Franken hatten das Ziel, die christliche Minderheit in Iberien zu schützen. Allerdings verlief dieser Feldzug nur wenig erfolgreich.“
|
|
|
|
|
|
Territoriale Gliederung im Frankenreich um 800
|
|
|
In seiner größten Ausdehnung umfasste das Frankenreich unter Karl dem Großen weite Teile des heutigen Frankreichs, Belgiens, der Niederlande, Luxemburgs, West- und Süddeutschlands, Norditaliens, Österreichs, der Schweiz sowie aus Teilen Nordostspaniens und Sloweniens.
|
|
|
|
|
Die nächste Episode widmet sich den Awarenkriegen, der feierlichen Kaiserkrönung Karls des Großen – und dem dramatischen Zerfall seines Reiches unter seinen Enkeln.
|
|
|
Quellen: Myheritage, Geni, Wikipedia
|
|
|
Reaktion zu Episode 54 - »Eremitage ohne Emeriten«
|
|
Antal: Sehr spannend! In Anbetracht der kontinuierlichen Inzucht im europäischen Hochadel ist es eigentlich erstaunlich, daß Degeneration nicht allgegenwärtig war, sondern intelligente und in jeder Hinsicht starke Ausnahmeerscheinungen wie Katharina II. vorkamen. Unklar ist mir, WARUM eine Kaiserin, die offensichtlich sich für das Gedankengut der Aufklärung zumindest interessierte, in ihrer realen Politik kaum etwas davon erkennen ließ (wenn man einmal von Fortschritten im Schulwesen absieht). Und mit Blick auf heute scheint es einen historischen Stehsatz zu geben, den von der Annexion der Krim durch Russland….
|
|
P.S.: Das Vergnügen, die Eremitage zu betreten, hatte ich drei mal - zweimal je einen ganzen Tag, um (natürlich nur kleine) Teile des Museums zu betrachten - und einmal für zwei Stunden, um als Mitglied einer österreichischen Wirtschaftsdelegation ca im Jahr 2000 ein Treffen mit Vladimir Putin zu haben, inklusive Händedruck (auf den ich damals stolz war, heute graust mir…)
|
|
Günter Ofner: Zar Peter verfolgte keine »stark deutsch geprägte Politik«. Denn damals war Preußen nur teilweise im HRR. Deutscher König und Kaiser war 1762 Franz Stephan Habsburg – Lothringen, der Ehemann Maria Theresias. Und das HRR (vulgo Deutschland) kämpfte im Siebenjährigen Krieg gegen Preußen. Peters Politik war lediglich preußisch geprägt. Die heutige Gleichsetzung von Preußen mit Deutschland ist falsch.
|
|
Egon: Vielen Dank für die Berichtigung. Und: tatsächlich ist ChatGPT keine eigenständige Quelle, sondern ein KI-gestütztes Werkzeug, das bei der Strukturierung und Zusammenfassung vorhandener Informationen hilft.
|
|
|
|
|
|
|
(mit eigener Mailadresse)
|
|
|
|
|
|
|