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Episode 84

11.9.2026

Sachsen spielt eine Rolle

Von den amerikanischen Gründervätern in den Episoden 82 und 83 kehre ich zurück auf europäische Gefilde und schließe dort an, wo ich in der Episode 70 „Wie wird man heilig?“ vom Februar dieses Jahres mit Leopold II. von Babenberg aufgehört habe. Hier geht es bis zu meinem 33–fachen Urgroßvater Thietmar I. von Merseburg/Sachsen.
Leopold II. von Babenberg *1050; †1095 – von 1075 bis 1095 Markgraf von Österreich – mein 26-facher Urgroßvater
Adelheid von Österreich *1032; †1071 – geb. von Dedo I.,Markgraf von Lausitz, Graf von Wettin in Sachsen– ⚭ Ernst ‚dem Tapferen’ von Babenberg – meine 27-fache Urgroßmutter
Thietmar IV. *990, †1030 – Markgraf der sächs. Ostmark 1015–1030 – 29-f. Urgroßv.
Thietmar I. *855; †932 – Markgraf v. thüring. Merseburg – ?–932 – m. 33-f. Urgroßvater
„Erlauchter Markgraf Leopold II. von Babenberg, ich dachte nicht, dass wir uns schon nach sieben Monaten wieder treffen. Diesmal sind nicht die Babenberger, sondern die Merseburger, Wettiner, Meißener und Lausitzer aus der Sächsischen Ostmark das Thema. Das sind die Adelsgeschlechter – Eure und meine Vorfahren –, die am weitesten zurück in die Vergangenheit, bis ins neunte Jahrhundert, dokumentiert sind.“
„Ich weiß – auf diesem Weg sieht man recht eindrucksvoll, wie sich unsere Ahnen, ausgehend von Bayern, im Laufe der Zeit entlang der Donau von Gars am Kamp über Pöchlarn, Melk und Klosterneuburg bis nach Wien vorgearbeitet haben.“
„Verehrte Adelheid von Eilenburg, Mutter von Markgraf Leopold II.! Als Tochter des mächtigen wettinischen Markgrafen Dedi seid Ihr die Erste, die aus der Sächsischen Ostmark zu den Babenberger Markgrafen an die Donau kam. Gefiel Euch Euer Gemahl Ernst ‚der Tapfere‘ auch persönlich, oder war und blieb diese Verbindung für Euch rein politisches Kalkül zur Absicherung beider Häuser?“
„Eine persönliche Liebe zu Markgraf Ernst war es sicher nicht, es war und ist eindeutig Pflichterfüllung, wie zu unserer Zeit in Herrscherhäusern üblich. Allerdings beeinträchtigt mich diese Situation nicht: Erstens war ich bei meiner Vermählung kaum dem Kindesalter entwachsen – als mein Sohn Leopold 1050 zur Welt kam, war ich selbst erst etwa zwölf Jahre alt – und zweitens gibt es viele Privilegien, die mit solch einer Hochzeit verbunden sind. Außerdem ist der Kontakt als Ehepaar durch die vielen diplomatischen bis kriegerischen Aktivitäten zwangsläufig viel eingeschränkter als in einer normalen Familie.“
Beispiel für genealogische Quelle: ADELHEID (after 1039-[26 Jan] 1071, bur [Melk]). The Genealogica Wettinensis names "Adelhidis…[et] Agnes" as the two daughters of "secundus filius [comitis Tiderici] Dedo" and his wife Oda, naming "Hernesto marchioni de Bavaria" as husband of Adelheid and "Luppoldum marchionem" as their son[313].
Wie ich Google Gemini Schritt für Schritt dazu gebracht habe, einzusehen, dass Adelheid von Eilenburg bei ihrer Vermählung eine Kindbraut war:
Ich: „Adelheid war bei ihrer Hochzeit noch im Kindesalter, oder?“
GG: „Nein, Adelheid, geboren 1030/1032, heiratete Ernst 1060, war also 28 bis 30 Jahre alt!“
Ich: „Der erste Mann von ihrer Mutter Oda, Wilhelm III. von Weimar starb am 16. April 1039, und Adelheid ist von Odas zweitem Mann Dedi II. – ist sie also das Ergebnis eines Seitensprungs?“
GG: „Wenn Adelheid um 1040 geboren ist (also nicht als Seitensprung, sondern als Tochter aus der Ehe Dedi II. ∞ Oda von Weimar und die Heirat mit Ernst dem Tapferen ca. 1058/1060 war, dann war Adelheid etwa schon 18 bis 20 Jahre alt.“
Ich: „Ihr Sohn Leopold II. wurde aber schon 1050 geboren. Wie alt muss sie also bei ihrer Hochzeit gewesen sein?“
GG: „Bei ihrer Hochzeit mit Ernst um 1050 war Adelheid somit tatsächlich etwa 10–11 Jahre alt – womit Ihr ursprünglicher Gedanke der extrem jungen Braut die historische Realität nachvollziehbar trifft!“
„Hochgeschätzte Markgräfin Oda von Weimar, durch die Heirat Eurer Tochter Adelheid verbindet sich Eure sächsische Heimat mit der babenbergischen Ostmark an der Donau. Mir war bisher gar nicht bewusst, dass diese beiden Ostmarken zwei völlig unterschiedliche Gebiete sind.“
„Ja, die Sächsische Ostmark meines Gemahls Dedi ist der Schutzschild Sachsens nach Osten gegen Slawen und Polen – während die babenbergische Ostmark meines Schwiegersohns Ernst der Schutzschild Bayerns gegen die Ungarn ist.“
„Mir fällt ins Auge, dass Ihr so viele Thietmare oder Dietmare unter Euren unmittelbaren Vorfahren habt, deren numerische Reihenfolge schwer zu interpretieren ist.“
„Das hängt damit zusammen, dass sie einmal als Graf und ein anderes Mal als Markgraf, einmal als Merseburger und einmal als Niederlausitzer gezählt werden. Außerdem wird ihr Name in verschiedenen Varianten geschrieben: als Thietmar, Thiommar, Thiadmar oder Dietmar.“
„Als unser erstbekannter Stammvater am weitesten zurück in der Vergangenheit ist Thietmar I. (ca. 855; † 932) ein Merseburger Graf aus dem thüringisch-sächsischen Stammland. Er wurde kein Markgraf – was war er stattdessen?“
„Er war ein enger Vertrauter Königs Heinrichs I. (des Voglers) sowie der Erzieher von dessen Sohn, dem späteren Kaiser Otto dem Großen. Zudem war er ein bedeutender Heerführer in den Kämpfen gegen die Slawen und Ungarn.“
„Seine Tochter Hidda von Sachsen starb 969 in Jerusalem. Warum?“
„Eine Wallfahrt zum Heiligen Grab galt im 10. Jahrhundert als höchste Form der Gottesverehrung und Sündentilgung. Für Hidda war sie wohl auch eine Sühneleistung für die blutigen Kriegszüge ihres Sohnes, Markgraf Gero des Großen – wie etwa das berüchtigte Gastmahl von 939, bei dem 30 slawische Fürsten hinterhältig ermordet wurden. Eine solche Reise von Sachsen nach Palästina war damals eine monatelange, physisch extrem zehrende Unternehmung. Hidda erreichte Jerusalem zwar wohlbehalten, erlag dort jedoch den Strapazen der Reise und wurde direkt vor Ort in heiliger Erde bestattet.“
„Darf ich Euch im Gegenzug erzählen, wie es mit Eurem Sachsen hunderte Jahre später weiterging?“
„Nur zu, ich lausche Euch aufmerksam.“
„König Friedrich August III. aus dem Haus Wettin dankte 1918 mit dem legendären Ausspruch ‚Macht Eich eiern Dreck alleine!‘ ab. Danach gab es in Sachsen nur noch republikanische und diktatorische Systeme: die Weimarer Republik (1918–1933), den Nationalsozialismus (1933–1945), die Sowjetische Besatzungszeit (1945–1949), die SED-Diktatur der DDR (1949–1990), Mehrparteienregierungen unter Führung der CDU ab 1990 sowie seit Ende 2024 eine Minderheitsregierung aus CDU und SPD. Angesichts der starken AfD-Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen 2024 sowie der Wahl in Sachsen-Anhalt 2026 bleibt die politische Zukunft der Region recht unklar.“
„Was es alles gibt!“
Quellen: Wikipedia, MyHeritage, Geni ...