Share this emailCopy the public link or share it on your favorite channel.

Episode 47

2.5.2025

Schulbank

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich, obwohl manchmal nicht zu 100 % erreicht. Die genealogischen Unterlagen sammle ich intensiv seit 2008, die allgemeinen historischen Tatsachen recherchiere ich von Woche zu Woche. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser diese Geschichten interessant finden.
Witiko I von Rosenberg, Burggraf von Glatz *1136; †1194 - mein 23-f. Urgroßvater
Johann Baptist Anton Graf & Edler von Pergen *1725; †1814
sein 16-facher Urgroßenkel
Maria Theresia von Habsburg *1717; †1780
ab 1740 Erzherzogin von Österreich, ab 1741 »König« von Ungarn, ab 1743 »König« von Böhmen, ab 1745 »Römische Kaiserin«
seine 17-fache Urgroßenkelin
Legende für Farben: Deutsche, Österreicher
besondere Merkmale: Maria Theresia war selber »König« und nicht »Königin« (die Frau eines Königs), zum »Kaiser« ließ sie sich wegen ihrer Königstitel nie krönen, sondern blieb als Frau von Kaiser Franz Stephan »Kaiserin«.
Im deutschsprachigen Raum gab es bereits im 8. Jahrhundert einige Klosterschulen, unter anderem in St. Gallen, Fulda und Kremsmünster. 985 kamen Melk a.d. Donau und 1071 St. Florian dazu. Der Babenberger Heinrich II Jasomirgott, Markgraf von Österreich, rief 1155 die iroschottischen Benediktiner mit ihren Fähigkeiten im Unterrichten nach Wien und gründete dort das Schottenstift.
„Ihre Hoheit, Witiko, Gründer der Witigonen, ich bin beeindruckt von Ihrem Lebenslauf. Mein Blick 850 Jahre zurück bringt mich zu Ihnen, meinem 23-fachen Urgroßvater.“
„Mach keine Scherze! Aber ich kann es nicht wissen und Dir muss ich glauben. Ja, von 1165 bis 1175 dauerte meine Laufbahn als »Mundschenk« und als »Truchsess« des böhmischen Königs Vladislav II.“
„Das sind doch harmlose Tätigkeiten!“
„Täusche Dich nicht, diese Titel bedeuten nicht nur, dass man als Hochadeliger dem König an der Tafel den ersten Schluck eingießt oder für die gesamte königliche Tafel verantwortlich ist, man hat auch direkten Zugang zum König, wenn er in guter Stimmung und für Gefälligkeiten zugänglich ist. Der böhmische König hatte mich zum Mundschenk, er selber war der Erzmundschenk des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Friedrich Barbarossa. Nur mehr wenig hat das Amt des Mundschenks allerdings mit dem des Vorkosters aus dem Alten Rom zu tun, der, ein Sklave, Getränke und Speisen kosten musste, damit die Hautevolee nach Abwarten einer gewissen Frist relativ sicher vor Giftanschlägen sein konnte.“
„Ich will Sie zu dem Thema befragen, das mich beschäftigt. Sind Klosterschulen für Sie von Interesse?“
„Als Adeliger brauche ich keine Schule, um Latein, Griechisch, Deutsch, Mathematik und – vor allem – den Katechismus zu erlernen. Dafür haben wir Privatlehrer.“
„Stört es Sie nicht, dass die meisten Leute um Sie herum wenig gebildet sind?“
„Gerade diese Tatsache verleiht uns Adeligen viele Rechte, die uns von normalen Untertanen, welche der Pflicht zu niedrigen Arbeiten nachkommen müssen, abheben.
Für die vornehmen Bürger wurden In ganz Europa Universitäten gegründet. Im 11. und 12. Jahrhundert war das in diversen Städten Italiens, in Frankreich (Paris) und England (Oxford und Cambridge) der Fall. Im 13. Jahrhundert kam eine Hochschule in Spanien (Salamanca) dazu. Im 14. Jahrhundert gab es solche auch in Tschechien (Prag), in Polen (Krakau) und in Deutschland, 1365 die in Wien. Gegen Ende des 14. Jahrhundert existierten in Europa schließlich mehr als 40 Universitäten.
Thomas von Aquin Kirchenlehrer 1225-1274
Simon Pistorius
Mediziner 1453-1523
Langsam entwickelten sich Philosophie, Kultur und zweckgebundene Wissenschaften. Neben ererbtem Adel kommen die unterschiedlichen Talente zur Geltung.
Adam Riese 1492– 1559 Rechenmeister: Latein zu Deutsch, römische zu arabischen Ziffern
Rembrandt van Rijn
1606-1669 Maler, Radierer und Zeichner
Johann Sebastian Bach
1685-1750 Komponist
(Partitur Morgenstern)
Klosterschulen boten – ähnlich wie im 8. Jahrhundert – die Möglichkeit eines Schulbesuchs. Diese Schulen waren allerdings ein Privileg, das nur einem kleinen, höhergestellten (und in der Regel männlichen) Teil der Bevölkerung offenstand.
1592 jedoch führte Herzog Johann I. von Pfalz-Zweibrücken, der Hinkende, der vom lutherischen zum calvinistischen Glauben übergetreten war, als weltweit erster Herrscher die Schulpflicht für Mädchen und Knaben ein, wenn auch nur für sein Herzogtum. Für Hessen folgte sie 1634 und in Norwegen galt sie ab 1739, allerdings nur für zwei Jahre.
Volksschule in der 1. Hälfte des 19. Jhs.
Schulklasse zu Maria Theresias Zeiten
Solche Klassen kenne ich persönlich
Schulunterricht heutzutage
„Geschätzter Graf Johann Anton von Pergen, was hat Sie dazu veranlasst, im Jahr 1770 an eine Schulpflicht für das ganze Land zu denken und sie anzuregen?“
„Ich wurde in einer von Jesuiten - ähnlich wie Du in einer von Serviten - geführten Schule ausgebildet. Im Jahr 1766 ernannte man mich neben Georg Adam von Starhemberg zum stellvertretenden Staatskanzler. Als solcher fühlte ich mich hauptverantwortlich für eine Bildungsreform. Ich wollte, dass der Staat selbst die Verantwortung für das Schulwesen übernimmt. Die Ordensgeistlichen sollten ihre Rolle am Lehramt verlieren und durch Laien oder zumindest Weltgeistliche ersetzt werden. Zudem sollten die meisten Fächer in den höheren Schulen auf Deutsch und nicht mehr in Latein unterrichtet werden. Diese antiklerikale und der Aufklärung verpflichtete Reform ließ sich allerdings nicht gegen den Widerstand Maria Theresias und konservativ gesinnter Kreise am Hof wirklich durchsetzen.“
Augustiner-Abt Johann Ignaz von Felbiger
Staatskanzler Johann Anton von Pergen
... In Max und Moritz gibt's den Lehrer Lämpel
„Aber was ist Ihnen dabei gelungen?“
„Obwohl ich dauernd in vielen Teilen Europas als kaiserlicher Diplomat unterwegs und auch für das Polizeiwesen verantwortlich war, erreichte ich, dass der deutsche Augustiner-Abt Johann Ignaz von Felbiger 1774 nach Wien geholt wurde. Ihm übertrug Maria Theresia die Leitung des gesamten Schulwesens. Er sollte die am 6. Dezember 1774 eingeführte generelle Unterrichtspflicht in der Allgemeinen Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen »in sämmtlichen Kayserlichen Königlichen Erbländern« durchführen. Auf dem Land wurden einklassige Volksschulen für die sechs- bis zwölfjährigen Kinder eingerichtet. Es wurde darauf Wert gelegt, »daß nicht bloß das Gedächtniß gesehen, noch die Jugend mit dem Auswendiglernen über die Nothwendigkeit geplagt, sondern der Verstand derselben aufgekläret wird«.
Historische Erlässe
Quellen: MyHeritage, Geni, Wikipedia, Kurier vom 27.3.2017, Die Presse vom 30.11.2024
Korrektur: Ulrich von Neuhaus I ist mein 20-facher und nicht mein 23-facher Urgroß-vater, wie letztes Mal irrtümlich angegeben.
Reaktion zur Episode:
Antal: Dass es in Kremsmünster schon im 8. Jhdt. eine Klosterschule gab, hat mich jetzt schon überrascht. Ich habe das geistig etwa ins 11. Jhdt. gelegt. Und natürlich alle Achtung, dass Kremsmünster bis heute eine sehr gute Schule hat. Es fällt auch auf, dass die geistlichen Schulen, zumindest bei den Gymnasien, weiterhin eine Sonder-stellung bezüglich Qualität einnehmen. Nun ja, über die weltanschauliche Ausrichtung / Disziplin kann man vielleicht streiten…
Interessanterweise ist aber die Zeit der erstklassigen kirchlichen Universitäten vorbei.
Eintragen
(mit eigener Mailadresse)
Egon Biechl Privat