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Episode 26

15. 11. 2024

Martin Luther

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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Ernestine Biechl (Berger) *1905; †1969 - meine Mutter
zu Luther:
Hupold von Dillingen *840; †909 - mein 32-facher Urgroßvater
Theodbald von Dillingen *?; †955 - sein Sohn
Martin Luther Kirchenreformer *1483; †1546 - Hupolds 16-facher Urgroßenkel
zum Friedrich III:
Konrad II von Plain Hardegg *1185; †1250 - mein 21-facher Urgroßvater
Friedrich III „Der Weise“ von Sachsen Kurfürst *1463; †1525 - sein 7-f. Urgroßenkel
Legende für Farben: Österreicher - Deutsche
„Hallo, ehrwürdiger Martin Luther, Doktor der Theologie, ich hätte mir nie gedacht, dass wir zueinander eine verwandtschaftliche Beziehung haben, wenn auch nur über meinen 32-fachen und Deinen 16-fachen Urgroßvater Hupold von Dillingen!“
„Was belästigst Du mich? In meiner Position hatte und habe ich immer noch viel zu tun. Gut, unsere, wenn auch sehr entfernte, Verwandtschaft weckt meine Neugier. Aber bevor wir weiterreden: was hältst Du von meiner religiösen Einstellung?“
Martin Luther 1528 gemalt von Lucas Cranach, dem Älteren
„Bei allen Unterschieden zwischen uns beiden gibt es auch zahlreiche Parallelen.“
„Zunächst: welche Parallelen sind das, wo doch ca. 460 Jahre zwischen unsereren Geburten liegen?
„Auch ich war Mönch, allerdings Servit und nicht Augustiner wie Du."
„Da ist tatsächlich nicht viel Unterschied. Beide Orden waren Bettelorden. Die Augustiner wurden 1244 als »die große Vereinigung« verschiedener italienischer Eremitengruppen von Papst Innozenz IV in Rom, 1256 von Papst Alexander IV anerkannt. Die Serviten wurden 1233 von den sieben heiligen Vätern in Florenz gegründet, waren ein kleinerer Orden, der erst 1304 von Papst Benedikt XI offiziell bestätigt wurde. Was gibt es sonst an Gemeinsamem?"
„Bei mir war der Zölibat ein unüberwindliches Hindernis. Du hast ihn ja auch als Knackpunkt Deiner Konfession angesehen, Oder?"
„Ja, ich bin gegen den Zölibat, aber er fällt für mich eher unter Begleiterscheinungen zu meiner Lehre. Außerdem war ich der Initiator, nicht - wie Du - der Nachahmer, der deswegen gleich alles hinschmeißt.“
„Es ist mir bewusst, dass es zwischen uns riesengroße Divergenzen gibt, die schon damit beginnen, dass Dein Vater wohlhabend und Mitglied des Stadtrats von Mansfeld war, während ich aus einer sehr ärmlichen Familie stamme.“
„Gerade deswegen musste mein Vater in der Universität Erfurt die volle Einschreibgebühr für mein Studium, das ich 1505 als 'magister artium' abschloss, bezahlen. Wissbegierig lernte ich neben Latein und Griechisch auch Hebräisch. 1512 schloss ich mein Studium als 'doctor theologiae' ab. Als Prediger hatte ich auch ein Jahresgehalt von 8 Gulden und 12 Groschen. Meine 32 Bibelvorlesungen handelten meist vom Alten Testament, wohl auch deshalb, weil ich Hebräisch mehr mag als Griechisch. Probleme hatte ich mit dem Bußsakrament, denn die Gerechtigkeit Gottes ist ein Gnadengeschenk, das dem Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus gegeben wird und durch keine Eigenleistung erkauft oder erzwungen werden kann. Diese meine Erkenntnis wollte ich als Thema für eine Reform verstanden wissen.“
Luther Augustinermönch gezeichnet von Lucas Cranach dem Älteren
„Martin, Du bist nicht deswegen bekannt, sondern wegen Deiner Abkehr von der römisch-katholischen Kirche. Wie ist das aus Deiner Sicht?“
Johann Tetzel
„Ab Jänner 1517 predigte der Dominikanerpater Johann Tetzel den Kauf von Ablässen gemäß der 1515 von Papst Leo X erlassenen Bulle. Die Einnahmen dienten dem Bau der Peterskirche und der Finanzierung der Türkenkriege. Die Hälfte der Erträge blieben jedoch beim Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg zur Abzahlung seiner Schulden bei den Fuggers. Und monatlich blieben 80 Gulden bei Tetzel selber.
Grundsätzlich bin ich dagegen, dass der Papst Strafen für Sünden Lebender oder sogar Verstorbener tilgen kann. So bin ich auch gegen die Käuflichkeit dieser Ablässe, welche manche sogar erwerben, statt zu beichten. Also verfasste und veröffentlichte ich noch 1517 meine 95 Thesen, was mich nicht nur bekannt, sondern auch berüchtigt machte.“
„Und was wurde gegen Dich unternommen?“
Kardinal Cajetan, der Abgesandte von Papst Leo X, kam bald nach Augsburg, um mich zur Vernunft oder gar unter Gewalt zu bringen. Trotz mehrerer Diskussionen im Fuggerschen Palast gelang es ihm nicht, und ich konnte - freilich als Häretiker - aus Augsburg fliehen.“
Kardinal Cajetan und Häretiker Martin Luther
Der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Gerhard Ludwig Kardinal Müller, äußerte 2017 in einem Interview, Martin Luther habe mit seiner Kritik am Ablasshandel recht gehabt, denn der Ablasshandel sei ein „Betrug an den Gläubigen“ gewesen. Statt Luther zu exkommunizieren, hätte die Kirche kritischer unterscheiden müssen, was er eigentlich gewollt hat.
Kurfürst Friedrich III „Der Weise“ von Sachsen
„In kurzen Worten: was ist danach passiert?“
„Im Jänner 1521 wurde ich mit einer Bannbulle exkommuniziert. Beim Reichstag in Worms gab mir Kaiser Karl V eine letzte Chance, die ich aber nicht nützte. Kurfürst Friedrich 'Der Weise' von Sachsen war mir wohlgesonnen und erreichte vom Kaiser, dass die Bannbulle ihm, dem sächsischen Kurfürstenten, nicht zugestellt wurde, ich also dort leben konnte. Bald schon griffen Priester meine Ansicht betreffend das Zölibat auf und heirateten. Ich vermählte mich erst 1525 und zwar mit Katharina von Bora, die uns sechs Kinder gebar.
„Kurfürst Friedrich, was willst Du mir zum Doktor Martin Luther sagen?“
„Martin war ein Aushängeschild für die Universität von Wittenberg. Als solchen schätze ich ihn sehr und unterstütze ihn gerne gegen Anschuldigungen von außen. Was ich Dir aber sagen wollte, lieber Egon: Du bist nicht nur mit Martin Luther blutsverwandt, sondern auch mit mir. Und bei uns beiden sind es nur 34 Schritte, bei Euch sind es 54 Etappen. Das Treffen mit Dir ist mir willkommen.“ - „Wow, Friedrich!“
„Martin, geschätzter Kirchenreformer, was hast Du damals für Deine Anhänger ändern können? Für Anhänger der evangelischen Konfession galt das nicht nur damals zu Deiner Zeit, sondern gilt auch jetzt noch für all jene, die in Deiner Glaubenslehre leben."
„Egon, wenn Du jetzt auch konfessionslos bist und persönlich nie mit meiner Überzeugung übereingestimmt hast, für die Gläubigen, die nach meinem Bekenntnis leben, gilt neben der Abschaffung des Zölibats auch das Abendmahl in beiderlei Gestalt, Brot und Wein. Zum besseren Verständnis verwirklichte ich auch die Messfeier in der Muttersprache und ließ Altäre und Heiligenbilder aus dem Gotteshaus entfernen.“
„Noch eine letzte Frage: wer waren Deine Partner beim Herausfinden unterschiedlicher Details nach Deiner Glaubenslehre?“
„Beim Marburger Religionsgespräch waren beispiels-weise neben mir dabei: Oekolampad, Zwingli, Bucer, Hedio, Jonas, Melanchthon, Osiander, Agricola und Brenz. Ich hoffe, dass Dir diese Information reicht."
„Ich danke Dir insbesondere deshalb, weil ich behaupten kann, dass ich nach intensiver Prüfung mit keinem von den Genannten blutsverwandt bin.
Was für eine Ausnahmesituation!“
Huldrych Zwingli
*1484; †1531
Johannes Calvin
*1509; †1564
Philipp Melanchthon
*1497; †1560
Reaktionen zu Episode 25:
Margret: Die katholische Kirche in der Schweiz hat schon lange besondere Rechte durchgesetzt, was Bischofswahl und Tätigkeit von Frauen als Pfarreileiterinnen u. Ä. Betrifft. Sogar Pfarrer waren bei diesen progressiven Bemühungen dabei. Natürlich standen auch Abschaffung des Zölibats und Priesterweihe für Theologinnen auf dem Wunschzettel. In letzter Zeit ist das leider etwas eingeschlafen. Der Grund: Unter den Priestern gibt es fast nur noch Polen, Schwarze und Inder, lauter Erzkatholiken, denen solche Anliegen am Hintern vorbeigehen. Sie wollen vor allem viel Geld verdienen, dafür möglichst wenig arbeiten und möglichst viel Geld nach Hause schicken. In der Gemeinde engagieren sie sich kaum, hiesige Gepflogenheiten interessieren sie wenig. Genauso macht man die Kirche kaputt. Die Kirche muss dafür sorgen, dass mehr Einheimische sich weihen lassen, damit die Gemeinde sich in dieser Kirche zuhause fühlt.
Egon: Ist nicht alles fallweise unter Berücksichtigung der Beweggründe zu klären?“
Antal: „Das war mir nicht bewusst, daß der Zölibat zumindest AUCH in schnöden Erbfragen seine Basis hat. Wer weiß, vielleicht ist das ja der wirkliche Grund, und alle anderen Argumente für den Zölibat wurden „dazuerfunden“?
Gratuliere nachträglich, daß Du persönlich dem Zölibat im Endeffekt entkommen bist.“
Egon: „Früher wurden Klöster wie Burgen unter Aufwand großer Summen gebaut. Ich habe im Kloster ohne finanzielles Zutun, nur mit dem Einsatz meiner Arbeitskraft und aufgrund eigener Entscheidung gelebt.“
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Egon Biechl Privat