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Episode 11

2. 8. 2024

Von dem "mit der leeren Tasche"

zum "Münzreichen"

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
Jakob Ginner
Christian Ginner

Jiřík Morkovský ze Zástřizl
*1365; †1390
*; †1446

*; †1562
14-facher Urgroßvater
13-facher Urgroßvater väterlicherseits
13-facher Urgroßvater mütterlicherseits

    Sigismund "der Münzreiche" Titularerzherzog von Österreich und Regent von Tirol und Vorderösterreich
    Sohn von Friedrich IV.
    Friedrich IV. "mit der leeren Tasche"
    Titularherzog von Österreich und Regent von Tirol, Vorderösterreich und Oberösterreich
    Im Jahr 1402 übernimmt Friedrich IV. die Herrschaft über Vorderösterreich (Habsburger Besitztümer westlich von Tirol und Bayern). Nach seinem erfolgreichen Krieg gegen die Appenzeller, der Niederschlagung der Revolution in Trient, kann er bei der Fehde gegen die Rottenburger aus Bayern 1410 deren Vormarsch aus dem Unterinntal erst vor Hall und Thaur stoppen.
    Gegenpapst Johannes XXIII. (nicht zu verwechseln mit Papst Johannes XXIII. von 1958 - 1965) wird beim Konzil von Konstanz (1414 - 1418) gezwungen, auf das Amt des Papstes zu verzichten. Ihm hilft Friedrich IV. zur Flucht im Gewande eines Stallknechts. Das bringt ihm die Reichsacht durch den Kaiser und fast den Kirchenbann durch Papst Martin V. ein. Der Gefangenschaft kann er erst nach elf Monaten entfliehen. Seine Situation ist so prekär, dass er ab diesem Zeitpunkt im Volksmund Friedrich "mit der leeren Tasche" genannt wird. Durch die Silbergewinnung in Schwaz wird er jedoch vermögend. Er lässt sich vom rebellierenden Adel in Südtirol nicht überwältigen, auch nicht vom Trientiner Erzbischof. Allerdings verlegt er den Regierungssitz von Meran nach Innsbruck.
    Nach dem Tod seines Bruders Ernst 1424 übernimmt er die Vormundschaft über dessen Söhne, den 9-jährigen späteren Kaiser Friedrich III. und den 6-jährigen späteren Erzherzog von Östereich Albrecht "den Freigiebigen".
    Sein Sohn Sigismund wird bereits als 12-Jähriger nach dem Tod seines Vaters 1439 zum Herzog ernannt. Der Spieß wird umgedreht: der 19-jährige Friedrich III. ist jetzt sein Vormund und lässt ihn nicht ans Ruder, um sich Tirol als gute Einnahmequelle zu erhalten. Erst 1446 gestattet er Sigismund, bedrängt vom Tiroler Adel, dieses Amt tatsächlich auszuüben. Der heiratet 1484 Katharina, die Enkelin von Jiří z Kunštátu a Poděbrad, dem König von Böhmen.
    Sigismund verlegt nun auch die Tiroler landesfürstliche Münzprägestätte von Meran nach Hall in Tirol, Der "Münzreiche" gilt somit auch als Vater des in Hall 1486 erstmals geprägten, berühmten "Guldiners", der ein Vorbild für die gesamte Europäische Talerprägung (16.–18. Jahrhundert) wird.
    Von meinem 13-fachen Urgroßvater Georg (Jiřík) Morkovský ze Zástřizl über
    Georg (Jiří) z Kunštátu a Poděbrad *1410; †1471, König von Böhmen, zu Sigismund
    Georg (Jiří) z Kunštátu a Poděbrad, König von Böhmen und Großvater von Katharina, der Frau von Sigismund
    Friedrich III., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und
    Vormund von Sigismund
    "Lieber Christian Ginner - ich habe nachgerechnet, Du bist mein 13-facher Urgroßvater. Ich bin überrascht und erfreut, weil ich mir nicht erwartet habe, bei meinen Vorfahren bis ins 14. Jahrhundert vorzudringen. Die Aufzeichnungen in den kirchlichen Matriken beginnen doch erst im 16. Jahrhundert."
    "Mein lieber Egon, es gibt dafür einen guten Grund: ich bin Ministerial für das Schloss Thaur. Was das heißt? Ich bin dort der von den jeweiligen Eigentümern delegierte Chef und als solcher nicht nur für das Funktionieren der Abläufe verantwortlich, sondern auch für die Verteidigung der Burg bei Angriffen von außen. Deswegen bin ich auch ein Adeliger und erfahre entsprechende Aufmerksamkeit. Ich werde also in der Schloss-Chronik erwähnt."
    "Dein Revier liegt im Zentrum von Tirol, gerade einmal 10 km von Innbruck entfernt, also weit von den Außengrenzen. Somit hast Du einen verhältnismäßig einfachen Job."
    "1390 übernahm ich nach dem Tod meines Vater Jakob, der leider nur 25 Jahre alt wurde, dieses Amt. Als 1410 zur Zeit von Friedrich mit der leeren Tasche die bayrischen Rottenburger bis nach Hall und damit Thaur vordrangen, war ich an der Front und beteiligte mich maßgeblich an der Verteidigung von Innsbruck. Deswegen behielt mich auch der neue Burgherr 'Marx von Getzens', als er 1425 den bisherigen 'Burghut' Hans von Ems ablöste. Auch die Regierungswechsel zwischen Friedrich IV. mit der leeren Tasche, Friedrich III. und Sigismund dem Münzreichen können mir nichts anhaben.
    Und jetzt führe ich meinen Sohn Sigmund, den meine Frau Barbara 1427 zur Welt gebracht hat, in diese verantwortungsvolle Position ein."
    Thaur, Rum, Aldrans, Arzl, Amras
    Wappen der Ginners
    Reaktionen:
    Antal: Gratulation! Ich bin bisher nur bis ca 1650 zurückgekommen. Bisher konnte ich die Kirchenmatriken noch nicht weiter durchforsten. Muß man da hinfahren, oder sind die Daten auch schon irgendwo online?
    Egon: Kirchenbücher, die allerfrühestens um 1490 (einmalig in Basel), normalerweise aber erst um zirka 1580 beginnen, genügen dafür nicht. Aber im Internet sind beispielsweise Stammbäume über die Zastrizls oder die Kunstatus zu finden. Für die Ginners gibt es Informationen in MyHeritage aus dem Hause Ginner.
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