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Humbert I von Savoyen
Ein familiärer Knotenpunkt
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Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich, obwohl sie von mir manchmal nicht zu 100 % erreicht wird, wie professionelle Hinweise aufdecken. Die genealogischen Unterlagen sammle ich intensiv seit 2008, die allgemeinen historischen Tatsachen recherchiere ich von Woche zu Woche. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
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Alois Biechl *1899; †1979 - mein Vater
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Judith Wells-Biechl *1956; ? - seine Großnichte
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William George Wells *1933; †2010 - ihr Vater
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Amedeus I von Savoyen *1020?; †1051 - ihr 26-facher Urgroßvater
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Humbert I »Weißhand - Biancamano« von Savoyen *970; †1047
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Judiths und mein 27-facher Urgroßvater
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Oddone von Savoyen *1023?; †1060 - mein 26-facher Urgroßvater
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Ernestine Biechl (Berger) *1905; †1969 - meine Mutter
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Legende für Farben: Österreicher - Amerikaner - Schweizer/Franzosen - Italiener - besondere Merkmale
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Das Haus Savoyen ist eine ursprünglich burgundische, später italienische Dynastie, die 1003 von Umberto I gegründet wurde. Seit dem Hochmittelalter herrschten seine Nachkommen über die Territorien Savoyen und Piemont, später auch über Nizza, Sardinien und Ligurien. Von 1861 bis 1946 sind sie die Könige Italiens.
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„Hochgeschätzter Graf «Humbert I Biancamano / mit den weißen Händen!« Sie sind für meine Familie eine wichtige Bezugsperson, die allein durch ihr Geburtsdatum, das Jahr 970, für alle exotisch wirkt. Sie gelten als Stammvater des Hauses Savoyen. Stimmt das?“
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„Auf mich wirkst Du exotisch, weil Du – ganz ohne größere Besitztümer – glaubst, Du hättest nach mehr als einem Jahrtausend eine Beziehung zu mir. Trotzdem bin ich gerne bereit, mich mit Dir zu unterhalten. Vielleicht hast Du auch interessante Informationen für mich. Was ist aus meiner Frau Anzilla und meinen sechs Kindern geworden? Ist das Grabmal noch erhalten, das man mir versprochen hat?“
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Grabmal von Humbert I in der Kathedrale Saint-Jean-de-Maurienne
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„Ja, aber sagen Sie mir zunächst einmal, welche Grafschaften Ihnen gehören.“
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„Ich bin Graf im Viennois in Burgund, in Nyon am Genfersee und im Aostatal, von wo auch meine Frau stammt. Weil ich Kaiser Konrad II den Salier bei seinem Anspruch auf Burgund unterstützte, bekam ich von ihm zusätzlich einige französische Grafschaften.“
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Alle diese Besitztümer gingen nach dem Tod von Humbert auf seinen ältesten Sohn Amedeus I über. Als der starb, beerbte ihn dessen Bruder Oddone. Die beiden anderen Söhne wurden Kleriker, Aymon Bischof von Sitten und Burkhard Erzbischof von Lyon.
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Abate Ferrero di Lavriano, 1700: "Albero gentilizio della Casa di Savoia"
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(aus dem Stammbaum des Hauses Savoyen)
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„Mir geht es um Ihre beiden Söhne, den Grafen mit diesen riesigen Besitztümern: Amedeus I ist ein Vorfahre auf meiner väterlichen Linie, Oddone einer auf meinem mütterlichen Zweig. Das haben ein amerikanischer Genealogie-Kollege und ich herausgefunden.“
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„Wie soll ich das verstehen? Das wird immer unwahrscheinlicher!“
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„Für mich hingegen ist ungewöhnlich überraschend, dass Ihr Sohn Amedeus den Beinamen »der Schwanz« oder »la Queue« hat. Warum?“
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„Diesen Spitznamen hat er deswegen erhalten, weil er sich weigerte, den Palast von Heinrich III in Verona zu betreten, nachdem seinem Gefolge, dem »Schwanz«, der Zutritt verboten worden war.“
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„Geschätzter Graf Amedeus I, wie ich gerade eben von Ihrem Vater hörte, sind Sie ein selbstbewusster Herr, der sich nicht so leicht beeindrucken lässt. Ich schätze diese Durchsetzungsfähigkeit, die Ihr Vater Ihnen vererbte und die Sie meiner Meinung nach auch uns hinterließen."
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„Ich kann mir gut vorstellen, dass das stimmt. Warum interessiert Dich das?“
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"Über Ihre Tochter Thetberge, spätere Gräfin von Genf, sind Sie der 26-fache Urgroßvater meiner Großcousine Judith. Interessiert Sie das verwandtschaftliche Verhältnis zwischen meiner Großcousine Judith und mir?“
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„Da ich jetzt weiß, dass sogar mein Vater Humbert I auf dem langen Weg mit Euch beiden verwandt ist, interessiert mich auch der kurze Weg Eurer Verwandtschaft."
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Oben der lange Weg der Verwandtschaft zwischen meiner Großcousine Judith und Umberto I, dem Vater von Amedeus I. Unten die kurze Beziehung zwischen mir und ihr.
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Von Judith Wells-Biechl, ihrem Vater William George Wells und ihrer Mutter Hilde Kratzer ist bereits in den Episoden 9 »Internationale Liebe« und 10 »Verhindern und vereiteln« die Rede.
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„Sie sollten wissen, dass Ihr 15-facher Urgroßenkel Major Henry Filmer nicht aus Savoyen, sondern aus England nach Amerika ausgewandert ist.“
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„Ich weiß sehr wohl, wo England liegt, aber Amerika?“
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„Das Land Amerika liegt auf einem Kontinent. der Ihnen noch nicht bekannt ist. Er liegt westlich von Europa und wurde erst 1492 durch den Genuesen Christopher Columbus entdeckt. Dass dieses Amerika nicht Indien, wie er vermutete, sondern ein komplett eigener Kontinent war, stellte jedoch erst der Florentiner Amerigo Vespucci 1502 in seinem Reisebericht »Mundus Novus« fest.“
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„Ich bin beeindruckt, etwas über die Welt nach meiner Ära zu erfahren.“
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Links Vespucci, unten Columbus
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Graf Oddone von Savoyen erweiterte durch seine Heirat mit Adelaide von Susa seine an sich schon riesigen Besitztümer mit der Markgrafschaft von Turin. Über meine Mutter ist er mit mir direkt blutsverwandt.
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Historisches Wachstum des Herrschaftsgebietes von Savoyen
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„Ihre Majestät, Graf Oddone von Savoyen, Sie sind nur dem Titel nach weniger mächtig als ein König oder Kaiser. Ich brauche allen meinen Mut, um mit Ihnen zu reden. So frage ich Sie, ob Sie sich über meine Kontakt–nahme zirka 1000 Jahre nach Ihrer Lebenszeit wundern.“
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„Tatsächlich bin ich komplett überrascht. Gerade deshalb interessiert es mich.“
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„Wo lebten Sie in Ihrer Kindheit?“
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„In Vienne und Maurienne, in der Nähe von Lyon und etwas südlich von Genf. Erst unter mir vergrößerten sich unsere Besitztümer und das rapide.“
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„Die größte Überraschung bei Beiden von uns liegt wohl im Ergebnis meiner genealogischen Nachforschungen, welches die Tatsache der extrem langen Dauer unserer verwandtschaftlichen Beziehung untermauert.“
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„Sicher wurde viel über mich geschrieben, dass aber jemand nach so langer Zeit darin noch lesen kann und es auch tut ...!“
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„Eine Ihrer Töchter heißt Bertha und wurde 1066 mit dem späteren Heinrich IV, dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verheiratet. Der aber konfrontierte die Reichsversammlung in Worms 1069 mit dem Wunsch, die Ehe aufzulösen. Er bat daher, ihn von dieser Fessel zu lösen, damit er ihr und sie ihm den Weg zu einer glücklicheren Ehe eröffnen könne. Er schwor, dass sie so sei, wie er sie empfangen hatte, unbefleckt und in unversehrter Jungfräulichkeit. Als Papst Alexander II die Scheidung ablehnte, stabilisierte sich die Ehe. Daraufhin kamen fünf gemeinsame Kinder zur Welt.“
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„Das ist sehr befremdlich. Ich bin außerordentlich verblüfft.“
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Es geht dabei tatsächlich um Kaiser Heinrich IV, von dem ich bereits in der 24. Episode »Canossa« schrieb.
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„Ihre Enkelin Agnes wurde zunächst mit Friedrich I von Hohenstaufen, dem Herzog von Schwaben, verheiratet, wodurch sie, die Salierin, Stammmutter der Staufer wurde. Dann heiratete sie Leopold III, Markgraf von Österreich, wodurch eine enge Beziehung zwischen Staufern und Babenbergern entstand. Von ihr stammen gezählte 20 Kinder, 10 von ihnen namentlich bekannt. Sie ist über Jutta von Österreich meine 24-fache Urgroßmutter.“
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„Da kann man wohl ungeniert sagen: »Man lernt nie aus«. Ich bin total überrascht.“
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Quellen: Myheritage, Geni, Wikipedia
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https://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/savoyen_grafen_von/humbert_1_weisshand_graf_von_savoyen_1048/humbert_1_weisshand_graf_von_savoyen_+_1048.html
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Antal: Wir alterieren uns über allerlei Haxlstellen zwischen den Parteien im 21. Jahrhundert. Nun, vor ein paar hundert Jahren ging es da noch anders zu – auch wenn Cromwells anfängliche Überlegungen in Richtung einer Art bürgerlicher Demokratie gar nicht so unsympathisch klingen. Daß seine Aktivitäten zu einem Exodus von Adeligen Richtung Amerika führten, war mir nicht bekannt. Es wäre interessant herauszufinden, wie „adelig“ sie in Amerika blieben.
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Egon: Der amerikanische Bürgerkrieg 1861-1865 entmachtete viele Sklavenbarone, die auf Landgütern beim Zucker- und Baumwollanbau tausende aus Afrika verschleppte Sklaven beschäftigten. Das aber führte nicht zum Ende der amerikanischen Aristokratie. Der Adel in den USA per se verleiht keine besonderen Rechte wie in Europa, aber die Sklavenbarone wurden von Geldbaronen abgelöst. Viele von diesen fanden bald heraus, daß auch in Amerika Besitz nicht automatisch zu einer höheren Stellung in der Gesellschaft führt. So griff man wieder auf die Abstammung zurück.
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(mit eigener Mailadresse)
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