Share this emailCopy the public link or share it on your favorite channel.

Episode 33

17.1.2025

Madame de Pompadour

Genealogie ist eine Herausforderung, angesiedelt zwischen Sucht, Frust und für mich auch Lust. Die Authentizität der vielfältigen Quellen ist unerlässlich. Die genealogischen Unterlagen sammle ich intensiv seit 2008, die allgemeinen historischen Tatsachen recherchiere ich von Woche zu Woche. Ich freue mich sehr, wenn auch die Leserinnen und Leser dieser Geschichten sie interessant finden.
Fehlen die Fotos, klick im Browser
Ernestine Biechl (Berger) *1905; †1969 - meine Mutter
Ulrich I von Neuhaus, *1222; †1292 - mein 20-facher Urgroßvater
Ludwig XV von Bourbon, König von Frankreich, *1710; †1774 - sein 15-f. Urgroßenkel
Marqise de Pompadour, Jeanne-Antoinette Poisson, *1721; †1764 dessen Mätresse
Legende für Farben: Österreicher - Osteuropäer - Franzosen - besondere Merkmale
„Ma chère Marquise de Pompadour, oder darf ich Dich als entfernter Verwandter des Königs von Frankreich Louis XV dabei einfach nur Madame Pompadour nennen? Du bist auch zu meiner Zeit noch so bekannt, dass jeder weiß, von wem ich da rede.“
„Ich will nicht, dass Du Dir darauf etwas einbildest, aber es stört mich nicht. Mein Renommee nimmt davon keinen Schaden mehr.“
„Du bist doch mit König Ludwig nicht verheiratet, sondern nur seine Mätresse. Leidest Du denn nicht unter dieser abträglichen Bezeichnung?
„Bilde Dir bloß nicht ein, dass Du die Gescheitheit mit dem Löffel gefressen hast! Meine Position auf dem Hof von Versailles adelt mich zur Maitresse-en-titre, zur Titelherrin. Ich bin kein Mädchen vom Straßen- oder Spelunkenstrich. Die offizielle Ehefrau wird zu unserer Zeit und in unseren Kreisen immer nur aus politischer Räson geheiratet. So ist eben Ludwigs Ehefrau Maria Karolina Leszcynska die Tochter des polnischen Königs. Es ist also kein Wunder, dass weder ich noch die anderen 15 Mätressen im Verborgenen leben. Meine Zeit der allgemeinen Anerkennung dauert immerhin von 1745 bis 1751. Aber auch danach bleibe ich mit meiner kulturell hervorragenden Bildung und meinem politischen Engagement die Beraterin von König Ludwig.“
Jeanne-Antoinette Poisson, Marqise de Pompadour
„Cher Roi Louis XV de Bourbon, weißt Du, dass Du mit mir verwandt bist?“
„Das kann nicht sein, Du hast nicht einmal einen Adelstitel, was willst mir da einreden? Weißt Du wirklich nicht, mit wem Du es zu tun hast?“
Die Hommage an den fünfjährigen König Ludwig XV
„Ja, Du bist der König von Frankreich, seit Du im Jahr 1715 fünf Jahre alt warst.“
„Also was soll ich mit Dir? Aber ich erzähl es Dir deswegen gern, weil mein Königstitel so außergewöhnlich zustande gekommen ist. Mein Urgroßvater Louis XIV war bis zu seinem Tod 1715 König von Frankreich. Sein Sohn, mein Großvater Louis, Kurfürst von Frankreich starb noch vor ihm im Jahr 1711 und sogar mein Vater Ludwig von Bourbon starb, Opfer einer Seuche, bereits 1712.
Also trug ich ab dem Tod meines Urgroßvaters 1715 den Titel des Königs von Frankreich. Philipp II von Orléans, mein Großonkel, nahm bis 1723 meine Rechte als König der Franzosen wahr.“
„Ludwig, wie war Deine eigene Familie?“
„Es beginnt schon etwas kurios. Als ich 10 Jahre alt war, verlobte man mich mit der 3-jährigen Maria Anna Viktoria von Spanien, um die Spanier, die wir besiegt hatten, auszusöhnen. 1725 jedoch musste ich, der 15-Jährige, eine gebärfähige Frau, nämlich die 22-jährige Maria Leszczynska, Tochter des polnischen Königs, heiraten, damit die Königskrone nicht an meinen Cousin Ludwig von Orléans fällt.
„Klar, Du gehorchtest einfach den politischen Zwängen. Aber wie kamst Du persönlich mit dieser Situation zurecht?“
„Bei der Befriedigung meiner eigenen Bedürfnisse fühlte ich mich umso freier. Jeder, vor allem jeder Franzose, weiß von der Situation, in der Hochadelige aufgrund ihrer strategischen Stellung sind. So wird auch allgemein akzeptiert, dass ich hochoffiziell mit Mätressen zusammenlebe. Niemand außer meinen wenigen klandestinen Gegnern, die mich deswegen verurteilen, wundert sich darüber, dass ich nicht nur offizielle, sondern zwischendurch auch andere Mätressen hatte. So zeugte ich nicht nur 10 Kinder mit meiner Frau Maria, sondern auch mindestens 15 illegitime Kinder mit insgesamt rund 16 Mätressen. Übrigens: eines dieser Kinder anerkannte ich sogar offiziell.“
Bemerken möchte ich, dass ich am meisten von Madame Pompadour, die zwischen 1745 und 1751 meine offizielle Mätresse (maitresse en titre) war, beeindruckt bin. Sie nutzt mit meinem Einverständnis ihre Position zur Förderung von Intellektuellen und Künstlern. Davon profitierten beispielsweise Denis Diderot (Abbé und aufklärerischer Philosoph), Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (Mathematiker/Physiker und ebenfalls Aufklärer), Jean-Jacques Rossaeu (Schriftsteller, Philosoph und Komponist) und Voltaire (Philosoph und Schriftsteller).“
Dieser Voltaire sang noch Jahre später ihr Loblied: Sie „war gebildet, klug, liebens-würdig, voller Anmut, künstlerisch begabt und hatte von Geburt einen gesunden Menschenverstand und ein gutes Herz“.
Ludwig XV, König von Frankreich
Madame Pompadour
„Cher Ludwig, was waren wichtige Ereignisse während Deiner Regierungszeit?“
Am 1. Mai 1756 schlossen wir im Vertrag von Versailles eine Defensivbündnis mit Österreich. Es war das Ende der exakt 250 Jahre dauernden habsburgisch-französischen Feindschaft. Knapp danach begann der Siebenjährige Krieg, bei dem wir bereits die Allianzen gewechselt hatten.“
„Liebe Madame Pompadour, es heißt, Du hättest dabei eine hervorragende Rolle gespielt.“
„Mein Ludwig hat sich nicht viel um politische Vorgänge gekümmert. Mich interessierten sie sehr, und ich strebte den 2. Vertrag von Versailles - exakt ein Jahr nach dem ersten - an, was den vereinbarten Nichtangriffspakt zu einem Offensiv-bündnis machte. Die Männer gönnen mir diesen Erfolg nicht. Sie verschweigen ihn.“
Zwischen 1756 und 1763 findet der Siebenjährige Krieg statt, der wegen der großen Ausdehnung manchmal auch unkonventionell 1. Weltkrieg genannt wird. Die Allianzen sind jetzt Preußen und Großbritannien gegen die Habsburgermonarchie mit dem Heiligen Römischen Reich sowie Frankreich, Russland und Spanien. Sie alle kämpfen um territoriale Gewinne in Europa und den Kolonien, sowie um Einfluss in Nordamerika, Indien und Afrika.
„Ludwig, wie war das mit dem Attentat, das 1757 auf Dich verübt wurde?“
„Eigentlich war Damiens ein verrückter Mann, der mich mit einem Taschenmesser eher harmlos verletzte. Ich spürte den Angriff eher als einen Faustschlag denn einen Stich.“
Offensichtlich fürchtete das Pariser Parlament, dem König gegenüber feindlich eingestellt, in den Verdacht der Anstiftung des Attentats zu kommen. In einem Kinderspital, das dem Parlament unterstand, wurden sie insgeheim des Kinderhandels verdächtigt. Umso mehr bemühten sich die Pariser, den Prozess bei sich und nicht im eigentlich zuständigen Versailles abzuwickeln. Beim Prozess durfte Damiens nur mit Ja oder Nein antworten. Verurteilt wurde er zur Höchststrafe des Vierteilens, bei dem vier Pferde seinen Körper zerrissen.
„Geschätzte Madame Pompadour, warum warst Du gegen die Jesuiten in Frankreich?“
„Es begann mit dem Bankrott des Generaloberen der Jesuiten in Lateinamerika, der 1755 Schulden im Wert von 2,4 Millionen Livres, heutzutage etwa 24 Millionen Euro, also das Zehnfache der damaligen Währung, hinterließ. Dafür verweigerte der französische Jesuitenorden jede Haftung. Erst recht nicht übernahm der Gesamtorden eine Bürgschaft. 1762 strebte ich zusammen mit dem französischen Außenminister nach dem Verbot der Jesuiten in Frankreich. Da die französischen Patres dem Papst absolut gehorchen mussten und gehorchten, erließ unser König Ludwig 1764 endlich das Edikt für einen zwingenden Treueeid der französischen Jesuiten, den aber nur wenige leisteten, sodass der Orden tatsächlich aus Frankreich vertrieben wurde.“
Quellen: MyHeritage, Geni, Wikipedia, Salzburger Nachrichten 26.8.2023
Reaktionen zu Episode 32:
Antal: Diese Statistik ist erschütternd und zeigt die Schrecken des Krieges in einem völlig anderen Licht. Dabei hätte man von der eigentlich guten britischen Verwaltung schon erwartet, dass jemand diese Statistiken erstellt, und daraus Schlüsse gezogen werden. Borniertheit? Andererseits: Auch Semmelweis, der den Zusammenhang zwischen Hygiene und Kindbettfieber schon 1847 in einer Studie nachgewiesen hatte, wurde von der etablierten Ärzteschaft verunglimpft, das sei Unfug …
Gerti: Sehr ìnteressant! Ich habe darüber gelesen und Filme gesehen. Vieles davon ist geschönt. Deine Ausführungen sind für mich erklärend und mehr der Wahrheit entsprechend.
Lotte & Norbert: Danke dir sehr für deine interessanten Beiträge oder besser Forschungen. Wichtige und viele Zahlen über die grausamen Kriege nennst du. In keinem Kriegsbericht wird erwähnt, wieviele Menschen durch die entsetzlichen Umstände ihr Leben verlieren. Fein, dass du das aufzeigst, und ein bisschen in den Köpfen ein Nachdenken beginnt.
Reaktion zure Episode
Antal: Nun, da der gute Louis gerade erst geboren war, kann man ihm nicht nachsagen, er habe bei den frühen Toden seines Vaters und Großvaters nachgeholfen, um den Thron von Louis XIV zu erben. Obwohl – es könnten ja auch andere Kräfte rund um den Hof beteiligt gewesen sein, das waren ja immer Schlangengruben.
Interessant, daß die Pompadour die frühen Aufklärer so fördern durfte – die französischen Könige waren den Gedanken der Aufklärung ja nicht gerade zugetan….
Eintragen
(mit eigener Mailadresse)
Egon Biechl Privat