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Vom Webstuhl zur Stilberatung
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Sollten Sie Wünsche zu einem bestimmten Themen-Schwerpunkt für die kommenden Episoden haben, schicken Sie mir bitte einfach eine E-Mail – ich freue mich über jede Anregung.
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Johann Rogner *1605; †1674 - Bauer und Weber in Langschlag, Waldviertel
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7-facher Urgroßvater meiner Frau Ina
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Der um 1605 geborene Hannß Rogner, der siebenfache Urgroßvater meiner Frau Ina Biechl, sicherte als Leinweber in Stierberg bei Langschlag das Auskommen seiner Familie. Es war ein gemeinsames Werk: Während er am Webstuhl saß, besorgten seine Frau Magdalena sowie die Töchter Catharina und Elisabeth in zeitraubender Arbeit am Spinnrad das notwendige Garn aus eigenem Flachs. Die Söhne Jakob, Gregor und Georg säten den Flachs, rauften (Ernten mit der Wurzel) und rösteten (Trennen des Basts vom Holzstängel) ihn durch Ausbreiten auf der tau- oder regennassen besonnten Wiese. Nach dem Trocknen begann das Brechen (Zertrümmern der holzigen Teile,der sogenannten 'Schäben') und dann das Schwingen (endgültiges Entfernen der Holzreste), damit schließlich die feinen Fasern parallel herausgehechelt (gekämmt) werden konnten.
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„Liebe vielfache Urgroßmutter Magdalena, ich wusste gar nicht, in welche Familie ich bei meiner Hochzeit mit Ina eingeheiratet habe. Umso mehr freut es mich, jetzt mit Euch persönlich plaudern zu können.“
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„Mit Deiner Schilderung, dass Du ein Tiroler bist und Deine Frau und meine siebenfache Urenkelin Ina eine Wienerin, hast Du unser Interesse geweckt. Gerne revanchieren wir uns mit Erzählungen aus unserer Zeit, aus unserer Heimat.“
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„Ihr ward und seid doch immer noch Bauern. Warum webt Eure Familie jetzt?“
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„Vergiss nicht, dass wir in der Zeit im Anschluss an den Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) leben. Wir wurden gezwungen, durchziehende Soldaten einzuquartieren und zu verpflegen. Oft mussten wir sogar mit unserem Wagen und unseren Ochsen bei deren Weitertransport helfen.
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Nach all dem können wir unsere Felder nicht mehr so bestellen wie unsere Eltern vor dem Jahr 1618, als der Krieg ausbrach. Also beschränken wir uns mehr auf den Anbau von Flachs und weben daraus Leinenstoffe. Die konnte und kann man vor fremdem Zugriff besser verstecken als das Getreide auf den Feldern oder unser Vieh. Mit unserer Hände Arbeit schaffen wir ein begehrtes Tauschobjekt und können uns so auch in dieser schwierigen Zeit ernähren.“
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Musselinweber für zarte Seidenstoffe:
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Gottfried Effenberger * ?; †1784 - Potsdam, Preußen - 5-f. Urgroßvater meiner Frau Ina
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Gottfried Effenberger *1770; †1838 - Potsdam, Preußen - dessen Sohn
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Leopold Effenberger *1812; † ? - Reindorf / Rudolfsheim, 1050 Wien - sein Sohn
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Leopold Effenberger *1839; †1876 - Rustendorf / Rudolfsheim, 1050 Wien - sein Sohn
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Franz Effenberger *1848; † ? - Rustendorf / Rudolfsheim, 1050 Wien - dessen Btuder
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König Friedrich der Große förderte zum Zweck der wirtschaftlichen Unabhängigkeit Preußens das Handwerk des Musselinwebers, um nicht auf teure Importe von Baumwolle aus Amerika oder Indien angewiesen zu sein. Er ließ nahe seiner Residenzstadt Potsdam Weiße Maulbeerbäume zur Zucht von Seidenraupen pflanzen und gab Webern aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, sich zu Experten in der Feinweberei zu entwickeln. Zu ihnen zählte auch Gottfried Effenberger. Doch bereits sein Sohn Gottfried zog, versehen mit einschlägigen Kenntnissen, nach Reindorf bei Wien. Heute liegt dieser Ort – ein schöner Zufall der Geschichte – im 15. Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus, wo Ina und ich nach einigen Umwegen ebenfalls gelandet sind.
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„Lieber Gottfried, warum habt Ihr das Handwerk eines Musselinwebers erlernt und ausgeübt?“
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„Dieser Beruf erfordert viel Feingefühl, dafür wird er aber auch besser entlohnt. Zudem ist er mit Privilegien verbunden. Wir müssen unsere Webstühle und Werkstätten nicht selber finanzieren. Die Präzisionswebstühle und Werkstätten in beheizbaren Räumen werden uns vom König zur Verfügung gestellt. Man muss schließlich sehen, wo man bleibt.“
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„Worin besteht jetzt der wesentliche Unterschied zwischen der Leinenweberei, wie der soeben beschriebenen im Waldviertel des 17. Jahrhunderts, und der Weberei, wie Ihr sie betreibt?“
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„Leinenweberei verwendet Flachs; Musselinweberei eigentlich Baumwolle. Aber wir in Potsdam – oder auch in Wien – verwenden oft Seide: diese überaus feinen, aber erstaunlich reißfesten Fäden der Seidenraupen. Mich fasziniert bis heute, dass jede einzelne Raupe (7 bis 9 cm lang in Daumendicke) einen ununterbrochenen Faden von 900 bis 1.500 Metern erzeugen kann! Mit diesem Material und professioneller Achtsamkeit schaffen wir hauchzarte Luxusstoffe für Damenkleider, Halstücher oder Vorhänge. Für einfaches Nutzgewebe wie Arbeitskleidung oder Bettwäsche braucht man unsere Kunstfertigkeit nicht.“
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Schönfärber, Kottondrucker:
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Sebastian Rockenbauer *1796; † ? - Rustendorf / Rudolfsheim, 1050 Wien - UrUrgroßvater des ersten Gatten meiner Frau Ina, Franz Horak
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Josef Rockenbauer *1845; † ? - Rustendorf / Rudolfsheim, 1050 Wien - dessen Sohn
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Man darf nicht glauben, dass die Fertigkeit der Weber damals schon das Ende der Fahnenstange der Stofferzeugung war. Eigentlich fing die Kunst nach dem Weben erst richtig an.
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Leinen etwa ist von Natur aus gar nicht weiß, sondern eher gräulich-beige – es musste mühsam in der Sonne gebleicht werden. Seide wiederum hat einen gelblichen Naturton, das sogenannte Ecru (für 'roh' in Französisch), das nur durch chemische Tricks strahlend weiß wurde. Wer aber Farbe wollte, brauchte echte Experten: den Schönfärber und den Kottondrucker. Sie waren angesehener und besser bezahlt als jeder Weber.
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Der Schönfärber war der Herr über die großen Kessel. Wie ein Alchemist wusste er genau, wie man Stoffe vorbehandeln musste, damit die Farbe nicht beim ersten Waschen verblasste.
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Der Kottondrucker hingegen war der Künstler fürs Detail. Damit seine Muster nicht verliefen, mischte er die Farben zu einer zähen Paste an. Seine größte Herausforderung war der ‚Rapport‘: Er musste den schweren Druckstempel immer wieder so perfekt ansetzen, dass man über die ganze Stofflänge keinen einzigen Fehler sah. Es war eine Arbeit, die keinen Millimeter Patzer verzieh.
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„Lieber Sebastian, ich bin überrascht zu lesen, was Du in Deinem Beruf als Schönfärber - oder bist Du Kottondrucker? - 200 Jahre vor meiner Zeit alles können musst, um den Anforderungen, die man an Euch stellt, gerecht zu werden. Gefällt Dir Dein Beruf?“
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„Egon, Du hast mir erzählt, dass Du Dich beruflich mit Glas und Papier beschäftigt hast. Ich hoffe, dass Dich beides freute. Da Deine Materialien genauso wie meine – die Stoffe – Kreativität erfordern, die unseren speziellen Wissensdurst befriedigt, bin ich überzeugt davon, dass das bei jedem von uns Begeisterung erzeugte. Ich habe übrigens beide Berufe, den des Schönfärbers und den des noch anspruchsvolleren Kottondruckers, durchlaufen. Dabei habe ich von meinen Verwandten und Freunden viele Geheimrezepte bekommen, die ich jetzt an meinen Sohn Josef weitergebe.“
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Johann Biechl *1897 - †1968 - Innsbruck - mein Onkel, Bruder meines Vaters
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„Lieber Onkel Hans, Du hast zwar überhaupt nichts mit meinen entfernten Verwandten in Preußen, Niederösterreich und Wien zu tun, obwohl sie sich auch mit dem Färben von Stoffen beschäftigten. Selbst in Deiner unmittelbaren Familie gab es niemanden in solchen Berufen. Wie bist Du also dazu gekommen, ausgerechnet Färber für Uniformen zu werden?“
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„Wir können uns Berufe oft nicht aussuchen, Egon. Aber mir gefällt dieses Handwerk. Und – Du wirst staunen – mein Beruf hat mich grundsätzlich sogar vom Wehrdienst befreit. Nur zwischen 1933 und 1936 musste ich einmal zur Heimwehr in Südtirol einrücken.“
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„Onkel Hans, ich stelle die Herausforderung beim Färben von Uniformen, die zu jeder Zeit für viele Personen exakt gleich aussehen müssen, nicht in Zweifel. Aber irgendwie klingt das alles nach Langeweile.“
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„Das ist durchaus nicht langweilig! Weißt Du, welche Uniformen in den Jahren 1932 bis 1960 von uns gefärbt wurden? Das brachte neben aufwendiger Umorientierung willkommene Abwechslung in unseren Beruf.“
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Während Onkel Hans darauf achtete, dass tausende Männer in exakt demselben Hechtgrau, Dunkelblau oder anderem Grundfarbton verschmelzen, geht es heute auch um das genaue Gegenteil: die Betonung des Einzelnen.
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Zur Abrundung der rudimentären Informationen betreffend die Technik des Färbens lassen wir die Stilberaterin Bettina Kohlweiss aktuelle Anforderungen an die typgerechte Farbgestaltung präzisieren:
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„Die Pigmentierung von Haut, Augen und Haaren ist so individuell wie Ihre Persönlichkeit. Da einzelne Farbnuancen sehr unterschiedlich mit der jeweiligen Pigmentierung korrespondieren, passen Menschen somit auch unterschiedliche Farbtöne. Sie werden erstaunt sein, wie die richtigen Farben Sie vitaler, dynamischer, strahlender und attraktiver wirken lassen.“
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Quellen: MyHeritage, Geni, Kurier vom 9.5.2026
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Günter Ofner: Über das "warum" in der Familiengeschichte kann man immer trefflich spekulieren. Warum allerdings ein junger Tischler in einem Dorf nur ca. 8 km von Zlin entfernt dort keine Arbeit gefunden hätte, erschließt sich mir nicht. Zlin erlebte damals, nach der Gründung der Schuhfabrik Bata 1894, eine stürmische wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung und zog viele Zuwanderer an.
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Egon: Sie haben sicher recht. Ein anderes Warum ist wohl meine Großmutter, die ihren Gottfried mit Charme nach Ungarn gelotst hat.
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