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Zwischen Macht und Weisheit
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Judith Wells (Biechl) *1956 – meine Großcousine
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Agnes von Urach (Zähringen) ±*1155; †1236 - Judiths 23-fache Urgroßmutter
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Berthold IV. Herzog von Zähringen und Rektor von Burgund *1134; †1186
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Judiths 24-facher Urgroßvater
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Clementia de Namur *±1110; †1158 - Judiths 25-fache Urgroßmutter
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Godfrey I. Graf von Namur *1067; †1139 - Judiths 26-facher Urgroßvater
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Legende für Farben: Österreicher, Deutsche, Belgier, besondere Merkmale
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Genealogie ist Sucht, Frust und Lust aus vielen Jahren der Forschung.
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„Liebe Judith, wir unternehmen jetzt noch einmal – wie die beiden letzten Male – einen Sprung von etwa 100 Jahren oder drei Generationen zurück in die Vergangenheit. Diesmal wechseln wir von Schwaben in das 500 km entfernte lothringische Namur im heutigen Belgien.“
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„Aber wann und wo treffen sich jetzt unsere Vorfahren tatsächlich?“
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„Fasse Dich bitte noch etwas in Geduld!“
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„Gut, ich werde es erwarten können.“
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Die Datierung von Lebensereignissen im Mittelalter ist oft unklar. Die Originaldokumente lassen meist eine Spannweite von zehn Jahren oder mehr zu; genaue Jahreszahlen müssen mühsam und akribisch aus dem Bezug zu Fürsten und Verwandten rekonstruiert werden. Dies gilt auch für Berthold IV. von Zähringen, den nächsten Ahnen. Seine Regierungsdaten (1152–1186) sind gesichert, nicht aber sein Geburtsjahr. Genealogie-Portale geben meist 1134 an, Wikipedia und manche KI 1125.
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Ich tendiere klar zu 1134. Wäre Berthold IV. nämlich schon 1125 geboren, wäre er fünf Jahre vor der Hochzeit seiner Eltern (1130) zur Welt gekommen und somit unehelich und nicht erbberechtigt gewesen – ein historisch unhaltbarer Zustand. Damit muss er meiner Meinung nach um 1134 geboren sein und sein Regierungsamt mit 18 Jahren angetreten haben.
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Wikipedia und Google Gemini-KI
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„Eure Durchlaucht, Herzog von Zähringen Berthold IV., nach dem Tod Ihres Vaters Konrad I. erbten Sie mit etwa 18 Jahren dessen Titel Herzog von Zähringen. Wie fühlten Sie sich als Heranwachsender oder Teenager, wie wir im 21. Jahrhundert sagen, beim Amtsantritt?“
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„Zu unserer Zeit ist es Konvention, dass man bereits mit vierzehn mündig wird. Aus einem Puer (Kind) wird man zum Adolescens (Heranwachsender zwischen 14 und 21 Jahren) mit der Pflicht, vollwertig als Bauer oder Handwerker zu arbeiten. Ich übernahm, mit 18 Jahren noch ein Adolescens, 1152 als ältester legitimer Sohn meines Vaters seine Position als Herzog. Für mich war es Pflichterfüllung, die Herrschaft unseres Hauses fortzusetzen. Als solche wurde sie auch allgemein anerkannt. In der Welt des Adels ist es üblich, dass junge Männer und Frauen schon früh Verantwortung übernehmen oder verheiratet werden.“
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„Über Sie liest man in historischen Dokumenten, dass Sie eine ganz besondere Stellung einnahmen. Was stimmt daran?“
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„Als treue Vasallen von Lothar III., der welfenfreundlich war, standen wir im Welfen-Staufer-Konflikt zunächst auf Seiten der Welfen. Als sich jedoch die Macht von Friedrich Barbarossa herausstellte, verbündeten wir uns mit ihm.
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Ich unterstützte ihn militärisch, als er 1152 zum Römisch-deutschen König und damit zum König von Italien und Burgund gewählt wurde. Das bewies ich ihm bei seinen sechs Italienzügen von 1154 bis 1177 gegen die langobardischen Städte und den Papst.“
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Berthold IV, Relief im Freiburger Münster
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„Aber Sie sollten doch Freigraf von Burgund werden?“
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„Ja, das hatte ich erwartet. Aber Friedrich Barbarossa heiratete 1156 Beatrix von Burgund und erbte so die Freigrafschaft für sich selbst.
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Als Ausgleich für meine Loyalität und diesen Verlust bekam ich die Rolle des Rektors von Burgund, die ich nicht direkt von meinem Vater erben konnte, bestätigt. In dieser Funktion vertrete ich den Kaiser im burgundischen Reichsteil. Das war ein sehr wichtiges Amt!
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Meine Rechte und Befugnisse sind enorm:
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Vertretung: Ich bin für die Friedenssicherung verantwortlich.
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Kirchenpolitik: Ich besitze das Recht, die Bischöfe von Lausanne, Genf und Sitten mit kaiserlichen Gütern einzusetzen (Regalieninvestitur).
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Städtebau: Ich habe die Befugnis zu Städtegründungen (wie Bern und Freiburg im Üechtland).
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Justiz: Ich bin die höchste juristische Autorität, schlichte Fehden und übe die kaiserliche Gerichtsbarkeit aus.
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Meine loyale Stellung wurde dadurch bekräftigt, dass ich 1183 sogar bei der Unterzeichnung des Konstanzer Friedens dabei war. Dort wurde die Autonomie der norditalienischen Städte, nach fast dreißig Jahren Kampf, gegen die symbolische Anerkennung der kaiserlichen Oberhoheit beschlossen.“
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Ein faszinierender zeitgenössischer Kontrast zu dieser Welt der weltlichen Macht ist Hildegard von Bingen (1098–1179). Sie steht direkt mit Kaiser Barbarossa in Briefkontakt – allerdings nicht diplomatisch, sondern um ihm prophetische Mahnungen zu überbringen. Damit demonstriert sie ihre einzigartige Stellung als geistliche Autorität, die selbst dem mächtigsten Herrscher des Abendlandes entgegentreten kann.
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Ihre Ausnahmestellung verdankt sie ihrer Brillanz und der offiziellen Anerkennung ihrer göttlichen Visionen durch Papst Eugenius III. Diese Autorität erlaubt es ihr, als erste Frau öffentlich zu predigen und die zeitgenössische Lehrmeinung zu umgehen, dass Frauen kein theologisches Wissen erwerben könnten.
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Ihre Vielseitigkeit und ihr Einfluss sind bemerkenswert:
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Gelehrte: Sie verfasst Hauptwerke über Religion (Scivias), Naturkunde/Medizin (Physica) und Musik (Symphonia).
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Progressiv: Sie interpretiert sexuelle Lust in ihren medizinischen Schriften nicht als sündhaft, sondern als göttliche Schöpfungskraft.
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Anerkennung: Sie war eine Benediktiner-Äbtissin und wurde 2012 als Heilige bestätigt und zur Kirchenlehrerin erhoben.
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„Obwohl Ihre männliche Ahnenlinie, Fürst Berthold IV. bis zu Landolt, dem Grafen von Breisgau, geboren 958, bekannt ist, interessiert mich die Linie über Ihre Mutter Clementia de Namur bedeutend mehr, weil sie zu einem Vorfahren führt, bei dem sich Judiths und mein Stammbaum ebenfalls vor dem Jahr 1000 treffen. Was wissen Sie über Ihre Mutter?“
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„Natürlich orientierte ich mich in meinen Aufgaben und Rechten mehr an meinem Vater. Meine Mutter, Clementia, ist nicht in Schwaben geboren, sondern in Namur im Herzogtum Niederlothringen. Durch die Heirat mit meinem Vater brachte sie die Verbindung zu den mächtigen Grafen von Namur in unsere Zähringer-Dynastie und sicherte uns damit wichtige Allianzen und Herrschaftsansprüche im Nordwesten des Reiches.“
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Um die Herkunft von Clementia de Namur, der Mutter von Berthold IV., genauer zu beleuchten, fällt unser Augenmerk auf seinen Großvater, Godfrey I., den Grafen von Namur.
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„Durchlaucht, Graf Godfrey I., Sie sind zum zweiten Mal verheiratet. Ihre jetzige Ehefrau ist Ermesinde von Luxemburg. Von ihr stammt auch eben diese Clementia, die bei den Zähringern einheiratete. Mit wem waren Sie vorher verheiratet?“
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„Es war Sibylle, mit der ich zwei Töchter habe. Von ihr ließ ich mich ganz offiziell scheiden, weil sie von ihrem Geliebten Enguerrand I. de Coucy schwanger war. Mit meiner zweiten Frau Ermesinde hatte ich nach unserer Hochzeit 1109 zwei Söhne: Albert und Heinrich den Blinden und drei Töchter: Alice und Beatrix und eben diese Clementia (25. Urgroßmutter von Judith).“
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„Graf Godfrey, ist Ihre Heirat mit Emersinde eine Liebeshochzeit?“
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„Liebe und Zuneigung sind für wichtige Fürsten nicht maßgeblich, es kommt fast ausschließlich auf Machtverhältnisse an. Mit meiner Frau Ermesinde kam der vererbliche luxemburgische Allodialbesitz (Eigentum, nicht Lehen) nach dem Tod ihres kinderlosen Bruders Konrad II. von Luxemburg in unsere Familie. Die Grafschaft von Luxemburg hingegen war ein Lehen und fiel an den Kaiser Lothar III. (letzter unumstrittener Kaiser der Welfen vor Barbarossa, dem ersten Kaiser der Staufer) zurück. Der vertraute mir als Bollwerk gegen die Franzosen und entschied, das Lehen unter Berufung auf das Erbrecht Ermesindes unserem Sohn Heinrich zu geben. Somit ist Heinrich der Blinde der mächtigste Mann in unserem Geschlecht.“
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Quellen: Wikipedia, MyHeritage, Geni, Der Pragmaticus, Oktober 2025
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(mit eigener Mailadresse)
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